BMLEH verleiht Tierschutzforschungspreis 2026

Vielleicht gehört ein Leben wie dieses irgendwann der Vergangenheit an. (Symbolbild) Foto: © Artem – stock.adobe.com

Am 09.09. hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) Prof. Beate Escher vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit dem Tierschutzforschungspreis 2026 ausgezeichnet, wie das BMLEH mitteilt.

Die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung würdige ihre herausragende Arbeit bei der Entwicklung und Anwendung zellbasierter Biotestverfahren, die auf den Einsatz von Versuchstieren verzichten, so das BMLEH. Ein zellbasiertes Biotestverfahren ist ein experimentelles Verfahren, bei dem lebende Zellen als Testsystem verwendet werden. Damit kann untersucht werden, welche biologische Wirkung eine Substanz auf Zellen hat. Auf diese Weise können Tierversuche in der chemischen Gefahren- und Risikobewertung teilweise ersetzt werden.

Dazu erklärt die Parlamentarische Staatssekretärin Silvia Breher bei der Preisübergabe: „Tierschutz ist ein gesellschaftlich relevantes Thema und findet auch immer mehr Bedeutung im Bereich der Wissenschaft. Wir wollen Tierversuche dort ersetzen, wo moderne und leistungsfähige Alternativen zur Verfügung stehen. Dafür brauchen wir exzellente Forschung und Menschen, die wissenschaftliches Neuland betreten und ihre Erkenntnisse in die Anwendung bringen. Mit dem Tierschutzforschungspreis fördern wir gezielt Forschung, die neue Wege eröffnet und dazu beiträgt, den Einsatz von Versuchstieren zu reduzieren. Die Arbeit von Beate Escher zeigt dabei eindrucksvoll, welche Fortschritte Forschung aus Deutschland für den Tierschutz ermöglichen kann.“

Prof. Beate Escher sagt: „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und die Anerkennung unserer Forschungsarbeit. Zellbasierte Testverfahren eröffnen die Möglichkeit, die Wirkung von Chemikalien gezielt zu untersuchen und damit klassische Tierversuche teilweise bereits zu ersetzen. Entscheidend für die Forschung ist jedoch, dass vielversprechende Ansätze auch breit angewendet werden können. Der Preis ist deshalb auch eine Motivation, diesen Weg gemeinsam mit unseren Forschungspartnerinnen und Forschungspartnern weiterzugehen. Spezifisch möchte ich damit weitere Arbeiten zu Kopplung von Hochdurchsatz Bioabbau und Biotests fördern.“

Zellbasierte Verfahren für eine moderne Risikobewertung

Prof. Beate Escher wird für ihre Pionierarbeiten bei der Entwicklung und Anwendung zellbasierter in vitro-Biotestverfahren ausgezeichnet. Ein solches Verfahren könne beispielsweise bei der Entwicklung von Arzneimitteln eingesetzt werden, um frühzeitig zu untersuchen, ob ein Wirkstoff wirksam oder schädlich für eine Zelle ist, erläutert das BMLEH. Im Unterschied zu einem rein chemischen Test misst man also nicht nur, ob oder wie viel von einer Substanz vorhanden ist, sondern beispielsweise, ob sie das Zellwachstum, den Stoffwechsel, bestimmte Rezeptoren oder das Überleben der Zellen beeinflusst. Ihre Arbeiten stehen für einen grundlegenden Wandel von klassischen, tierbasierten Testverfahren hin zu tierfreien Methoden im Bereich der chemischen Gefahren- und Risikobewertung. Die entwickelten Tests ermöglichen es, große Mengen an Chemikalien sowie komplexe Umwelt- und biologische Proben in standardisierten Verfahren zu untersuchen. Sie werden insbesondere beim Monitoring und bei der Bewertung von Mikroverunreinigungen eingesetzt. Diese sind insbesondere bei Stoffen wie Arzneimitteln oder Schadstoffen relevant.

International vernetzte Umwelttoxikologin

Prof. Beate Escher leitet das Department Zelltoxikologie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit Sitz in Leipzig und ist Professorin für Umwelttoxikologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie studierte Chemie an der Universität Konstanz. 1995 promovierte sie in Organischer Umweltchemie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich), 2002 habilitierte sie sich dort in Umweltchemie und Ökotoxikologie.

Darüber hinaus ist Frau Escher an verschiedenen internationalen wissenschaftlichen Einrichtungen tätig. Dazu gehören das Australian Rivers Institute der Griffith University und die University of Queensland in Brisbane. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an der ETH Zürich. Ihre Forschung ist durch ein umfangreiches internationales Netzwerk von Kooperationspartnern geprägt. Für ihre wissenschaftliche Arbeit wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet.

Tierschutz durch Forschung voranbringen

Mit dem Tierschutzforschungspreis unterstützt das BMLEH die Erforschung und Entwicklung von Alternativ- und Ersatzmethoden zum Tierversuch. Ziel ist es, wissenschaftliche Ansätze voranzubringen, die dazu beitragen, Tierversuche zu ersetzen, die Zahl eingesetzter Versuchstiere zu reduzieren und die Belastung von Versuchstieren zu vermindern.

Der international ausgeschriebene Tierschutzforschungspreis ist mit 100.000 Euro dotiert. Leitend für die Forschungsaktivitäten zum Schutz von Versuchstieren ist das sogenannte 3R-Prinzip. Die drei R stehen für Replacement, Reduction und Refinement: den Ersatz von Tierversuchen, die Reduzierung der Zahl eingesetzter Versuchstiere und die Verminderung ihrer Belastung.

Neben dem Tierschutzforschungspreis unterstützt die Bundesregierung die Entwicklung von Alternativmethoden mit weiteren Maßnahmen, so das BMLEH. Das Deutsche Zentrum zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) befasst sich mit der Intensivierung der Forschung an Alternativmethoden und setzt sich für deren Harmonisierung und Anerkennung auf internationaler Ebene ein. Weitere Instrumente sind die Forschungsförderung durch das BfR, der Förderschwerpunkt „Ersatzmethoden zum Tierversuch“ des Bundesforschungsministeriums sowie die finanzielle Unterstützung der „Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen“.