BRCA-Gene: Pathogene Varianten mit weiteren Krebsarten assoziiert

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Ein internationales Team konnte Zusammenhänge zwischen pathogenen Varianten zweier BRCA-Gene und Kopf-Hals-, Schilddrüsen-, Blasen- und Hautkrebs feststellen. Die Ergebnisse liefern neue mögliche Ansätze für eine personalisierte Therapie.

Pathogene Varianten der BRCA-Gene sind mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs sowie für Eierstock-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs verbunden. Infolgedessen ist die personalisierte Medizin für diese Krebsarten unter Einsatz von Poly-ADP-ribose-Polymerase(PARP)-Inhibitoren – einer Wirkstoffklasse, die Krebszellen abtötet, indem sie deren DNA-Reparatur verhindert – oder bestimmten Chemotherapeutika bereits routinemäßig in der klinischen Praxis etabliert.

Für die meisten anderen Krebsarten ist ein Zusammenhang mit BRCA-Genen bislang nicht ausreichend untersucht. Ziel der neuen Studie war es, diese Wissenslücke zu schließen und zu prüfen, ob auch für weitere Krebsarten ein Potenzial für BRCA-basierte personalisierte Medizin besteht. Ihre Ergebnisse hat das internationale Team um Hajime Sasagawa vom Riken Center for Integrative Medical Sciences in Yokohama (Japan) in „ESMO open“ veröffentlicht.

Fall-Kontroll-Analyse nimmt neun Krebsarten unter die Lupe

Zunächst führten die Forschenden eine Fall-Kontroll-Analyse mit 3489 Patientinnen und Patienten durch, deren Daten aus der BioBank Japan stammen, die zwischen 2003 und 2018 gesammelt wurden. Die BioBank Japan ist ein multizentrisches, krankenhausbasiertes Register mit Blutproben aus ganz Japan.

Dabei konzentrierte sich das Team auf neun Krebsarten, für die bislang kein Zusammenhang mit BRCA-Genen untersucht wurde: Blasen-, Knochen-, Gehirn-, Kopf-Hals-, Sarkom-, Haut-, Hoden-, Schilddrüsen- und Harnleiterkrebs. Die BRCA-Varianten der Patientengruppe verglichen Sasagawa et al. mit denen von 38.842 krebsfreien Personen aus derselben Datenbank.

Die Analyse zeigte, dass pathogene Varianten in BRCA1 das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen. Für pathogene Varianten von BRCA2 konnten die Forscher ein erhöhtes Risiko für Blasen-, Kopf-Hals- und Hautkrebs nachweisen. Beim Blasenkrebs war der Einfluss von BRCA2-Varianten auf das Krebsrisiko bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.

Keine unmittelbare Empfehlung für aktives Screening

Laut Sasagawa haben frühere Untersuchungen das mit BRCA1/2-Varianten verbundene Krebsspektrum bereits auf Eierstock-, Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs erweitert. Der Erstautor der Studie hob hervor: „Wir waren jedoch der Ansicht, dass auch seltenere Krebsarten von einer Erweiterung der genetischen Evidenz profitieren würden, insbesondere aufgrund ihrer begrenzten Behandlungsmöglichkeiten und schlechten Prognosen. Es freut mich, dass wir diese neuen Erkenntnisse gewinnen konnten.“

Der korrespondierende Autor Yukihide Momozawa ergänzte: „Obwohl diese Studie derzeit noch keine unmittelbaren Empfehlungen für ein aktives Screening dieser Krebsarten nach sich zieht, hoffen wir, dass unsere Ergebnisse zur Entwicklung personalisierter Behandlungsleitlinien für diese vier Krebsarten beitragen werden.“

Potenzial, die Prognose zu verbessern

Die Autoren weisen in ihrer Arbeit insbesondere auf das Potenzial für eine bessere Überwachung oder den Einsatz von PARP-Inhibitoren hin, gerade mit Blick auf Blasen- und Kopf-Hals-Krebs. Bei beiden Krebsarten sei die Prognose häufig ungünstig und Kopf-Hals-Krebs werde bei mehr als 50 Prozent der Betroffenen erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Das limitiere die Therapieoptionen. „Eine Frühzeitige Detektion und erweiterte Behandlungsoptionen könnten die Prognose für diese Krebsarten verbessern“, schreiben die Studienautoren. Kopf-Hals-Tumoren werden nicht mit PARP-Inhibitoren behandelt. Es gibt aber Einzelfallberichte zu deren Einsatz, beispielsweise von Karandikar SM et al. (Cureus 2025 Jan 29;17(1):e78175.)

Bereits zuvor hatte die Forschungsgruppe um Momozawa neue BRCA-assoziierte Krebsarten in einer 2022 in „JAMA Oncology“ veröffentlichten Studie identifiziert sowie Genom-Umwelt-Interaktionen in einer 2023 im „New England Journal of Medicine“ publizierten Arbeit untersucht. (ja/BIERMANN)