Brustkrebs innerhalb von drei Jahren nach Geburt aggressiver16. Juli 2026 Symbolbild © Lubov/stock.adobe.com Mit Hilfe eines Genexpressionstests haben US-amerikanische Forschende die ersten drei Jahre nach der Geburt als potenzielles Zeitfenster mit erhöhtem biologischen Risiko für aggressiven Brustkrebs identifiziert. Einer neuen Studie unter der Leitung von Forschenden des UCLA Health Jonsson Comprehensive Cancer Center zufolge könnten Brustkrebserkrankungen, die in den ersten drei Jahren nach der Entbindung – und insbesondere im ersten Jahr – diagnostiziert werden, biologisch aggressiver sein als vergleichbare Tumoren bei Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht haben. Die in der Fachzeitschrift „npj Breast Cancer“ veröffentlichten Ergebnisse stützen die zunehmenden Hinweise darauf, dass es sich bei Brustkrebs in der Zeit nach der Entbindung (postpartaler Brustkrebs) möglicherweise um eine eigenständige Form der Erkrankung handelt. Zudem deuten sie darauf hin, dass die Phase des höchsten biologischen Risikos früher eintreten könnte als bisher angenommen. „Es ist schon lange bekannt, dass sich Brustkrebserkrankungen, die nach einer Schwangerschaft diagnostiziert werden, anders verhalten können; allerdings wussten wir bislang nicht, wann dieses erhöhte Risiko biologisch am stärksten ausgeprägt ist“, erklärt Studienleiterin Dr. Nimmi Kapoor, außerordentliche Professorin für Chirurgie an der David Geffen School of Medicine der UCLA. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die ersten ein bis drei Jahre nach der Entbindung ein entscheidendes Zeitfenster darstellen, in dem manche Tumoren aggressivere Eigenschaften aufweisen können.“ Die Brustkrebsraten bei jüngeren Frauen steigen an, und Wissenschaftler untersuchen, ob der spätere Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft zu diesem Trend beitragen könnte. Eine Schwangerschaft bewirkt tiefgreifende Veränderungen im Brustgewebe; frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Brustkrebserkrankungen, die kurz nach der Entbindung diagnostiziert werden, häufiger aggressive Merkmale aufweisen und mit einer schlechteren Prognose einhergehen. Bislang herrscht jedoch unter Forschenden keine Einigkeit darüber, wie lange diese Phase des erhöhten Risikos nach der Entbindung andauert. Während einige Studien postpartalen Brustkrebs als eine Erkrankung definieren, die innerhalb von ein oder zwei Jahren nach der Geburt auftritt, fassen andere diesen Zeitraum weiter und beziehen bis zu fünf oder sogar zehn Jahre mit ein. Tumorbiologie im Fokus der Untersuchung Um dieses Zeitfenster des erhöhten Risikos genauer zu bestimmen, untersuchte das Team der UCLA, ob die Tumorbiologie in Abhängigkeit von der Zeitspanne seit der letzten Entbindung variierte. Die Forschenden analysierten Daten von 385 Frauen im Alter von 45 Jahren oder jünger, die zwischen 2011 und 2024 an der UCLA wegen eines hormonrezeptor-positiven, HER2-negativen Brustkarzinoms im Frühstadium behandelt worden waren. Jeder Tumor wurde mittels des „Oncotype DX Breast Recurrence Score“ (Rezidiv-Score) analysiert – einem weit verbreiteten genomischen Test, der die Aktivität von 21 Genen bewertet, die mit dem Risiko eines Rezidivs und dem potenziellen Nutzen einer Chemotherapie in Zusammenhang stehen. Die Forschenden gruppierten die Patientinnen anhand des Zeitraums zwischen der letzten Entbindung und der Brustkrebsdiagnose und verglichen Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten, mit solchen, bei denen die Diagnose zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Entbindung gestellt worden war. Anschließend untersuchten sie, ob sich die Rezidiv-Scores und andere Tumormerkmale zwischen diesen Gruppen unterschieden und ob bestimmte Muster auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter und Lymphknotenstatus bestehen blieben. Höheres Rezidivrisiko in den ersten drei Jahren Sie stellten fest, dass Brusttumoren, die im ersten Jahr nach der Entbindung diagnostiziert wurden, signifikant höhere Rezidiv-Scores aufwiesen als Tumoren bei Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten; dies deutet auf biologische Merkmale hin, die mit einem höheren Rezidivrisiko verbunden sind. Erhöhte Werte zeigten sich – wenn auch in geringerem Ausmaß – auch im zweiten und dritten Jahr nach der Entbindung. Bei einer breiteren Gruppierung der Patientinnen zeigte sich, dass Frauen, bei denen die Diagnose innerhalb von drei Jahren nach einer Entbindung gestellt wurde, mit fast dreifach höherer Wahrscheinlichkeit in eine Kategorie mit höherem Rezidiv-Score fielen als Frauen, die nie ein Kind zur Welt gebracht hatten. Zudem wiesen diese Patientinnen häufiger höhergradige Tumoren auf; das bedeutet, dass ihre Krebszellen unter dem Mikroskop stärker verändert und potenziell aggressiver erschienen. Im Gegensatz dazu zeigten Frauen, deren Diagnose mehr als drei Jahre nach der Entbindung erfolgte, keinen vergleichbaren, durchgängigen Anstieg der Rezidiv-Scores. Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass klinische Standardparameter – wie Tumorgröße und Lymphknotenbefall – die in dieser Gruppe beobachteten Unterschiede möglicherweise nicht vollständig erfassen. Vielmehr schienen Genexpressionsanalysen ein biologisches Risiko aufzuzeigen, das sich nicht immer in der routinemäßigen pathologischen Untersuchung widerspiegelte. Dies legt nahe, dass die reproduktive Vorgeschichte bei der Interpretation genomischer Testergebnisse jüngerer Patientinnen zusätzliche wichtige Informationen liefern könnte. Keine schlechteren Kurzzeitergebnisse trotz aggressiverer Tumoren Trotz der aggressiveren genetischen Merkmale ergab die Studie keine Hinweise darauf, dass Frauen mit einer Diagnose innerhalb von drei Jahren nach der Entbindung signifikant schlechtere kurzfristige Behandlungsergebnisse aufwiesen. Nach einer Nachbeobachtungszeit von etwa vier Jahren ähnelten die Rezidiv- und Überlebensraten denen der übrigen Studienteilnehmerinnen. Als mögliche Erklärung führen die Forschenden an, dass Frauen mit Tumoren höheren Risikos eine intensivere Behandlung erhielten, einschließlich Chemotherapie, Unterdrückung der Eierstockfunktion und neuerer zielgerichteter Therapien. Die Ergebnisse legen zudem nahe, dass eine aggressive Tumorbiologie nicht zwangsläufig zu schlechteren kurzfristigen Ergebnissen führen muss, sofern die Patientinnen eine wirksame Behandlung erhalten. Auch wenn größere, institutionsübergreifende Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen, sollte der Status „nach einer Entbindung“ (postpartaler Status) nach Ansicht der Forschenden bei der Beurteilung und Behandlung von Brustkrebs bei jüngeren Frauen stärker berücksichtigt werden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Jahre unmittelbar nach einer Entbindung bei einem Teil der Brustkrebserkrankungen ein biologisch besonderes Zeitfenster darstellen“, erklärte Kapoor, der auch dem UCLA Health Jonsson Comprehensive Cancer Center angehört. „Wenn wir verstehen, warum sich diese Tumoren anders verhalten, können wir möglicherweise besser erkennen, welche Patientinnen eine engmaschigere Überwachung oder individuellere Behandlungsansätze benötigen.“ (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: GLP-1-Rezeptoragonisten mit geringerer Inzidenz von Brustkrebs assoziiert KI-gestütztes Mammographie-Screening: Höhere Sensitivität bei gleichbleibender Spezifität
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