Bundesförderung läuft aus: Zukunft der Cochrane Deutschland Stiftung ist ungewiss

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Das Bundesministerium für Gesundheit fördert die Cochrane Stiftung Deutschland nur noch bis Ende 2027. Damit drohen wichtige Leistungen der Stiftung wegzufallen. Diese warnt vor den Folgen für die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung.

Die Cochrane Deutschland Stiftung (CDS) wurde 2017 als Verbrauchsstiftung in Freiburg im Breisgau gegründet und erhält auf Beschluss des Bundestags eine jährliche Zuwendung von derzeit gut einer Million Euro aus dem Budget des Bundesministeriums für Gesundheit. Diese Förderung habe die Stiftung in die Lage versetzt, die erfolgreiche Arbeit des 1998 an der Universität Freiburg gegründeten Deutschen Cochrane Zentrums fortzusetzen und auszubauen – und das unabhängig von kommerziellen Interessen, wie die CDS in einer Mitteilung betont.

Brücke zwischen Forschung, Gesundheitswesen und Gesellschaft

Die Stiftung schlägt eine Brücke zwischen internationaler Gesundheitsforschung, dem deutschen Gesundheitswesen und der Gesellschaft: Sie bereitet aktuelle Forschungsergebnisse zu medizinischen Fragen verständlich und zielgruppengerecht auf und macht sie für Patienten, Angehörige, Gesundheitsfachkräfte, Medienschaffende und politische Entscheidungsträger nutzbar.

Dabei zeigt sie auch Unsicherheiten und Forschungslücken auf. So können Gesundheitsentscheidungen und Empfehlungen in medizinischen Leitlinien evidenzbasiert getroffen werden. Bei ihrer Arbeit stützt sich die CDS auf die Ergebnisse der Cochrane Reviews zu wichtigen medizinischen und gesundheitlichen Fragestellungen. Davon gibt es mittlerweile mehr als 9000.

Mehr als 2300 Menschen haben in den vergangenen zehn Jahren an den Workshops, Webinaren und Fachtagungen der CDS zu wichtigen methodischen Themen der evidenzbasierten Gesundheitsversorgung teilgenommen. Mit Politikberatung, Positionspapieren und Stellungnahmen setzt sich die Stiftung zudem dafür ein, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftliche und politische Entscheidungen einbezogen werden.

Wegfall der CDS schwächt evidenzbasierte Gesundheitsversorgung

„Wir sind dem Bundesministerium für Gesundheit für die langjährige finanzielle Unterstützung und gute Zusammenarbeit sehr dankbar“, betonte Prof. Jörg Meerpohl, Wissenschaftlicher Vorstand der Cochrane Deutschland Stiftung. „Zugleich bedauern wir sehr, dass die Förderung nicht erneuert wird. Ohne eine tragfähige Finanzierung ab 2028 drohen wichtige Leistungen der Stiftung wegzufallen: der Transfer vertrauenswürdiger Cochrane-Evidenz in die Gesellschaft und die Versorgung, die Qualifizierung von Fachkräften und anderen Multiplikator:innen sowie die Entwicklung und Vermittlung wissenschaftlicher Methoden“, ergänzte Meerpohl.

Der Wissenschaftliche Vorstand der CDS verweist darauf, dass die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung ist in Deutschland gesetzlich verankert ist und warnt: „Durch einen Wegfall der CDS würde sie geschwächt – und das in Zeiten von Desinformation und knappen Ressourcen im Gesundheitswesen. Dabei brauchen Patient:innen und Behandelnde Informationen, denen sie vertrauen können, heute dringender denn je. Und die ohnehin knappen Gelder sollten zielgerichtet für jene Untersuchungen und Therapien verwendet werden, deren Nutzen wissenschaftlich gut untersucht ist.“

Das BMG hat die Arbeit der CDS als wertvoll und erfolgreich gewürdigt. Das geplante Ende der Förderung begründet es mit veränderten Rahmenbedingungen und haushaltspolitischen Vorgaben.

Teil des globalen Cochrane-Netzwerks

„Seit über 30 Jahren steht Cochrane überall auf der Welt für wissenschaftliche Qualität und Unabhängigkeit. Diesen Grundwerten bleiben wir auch in Zukunft treu“, sagt Jörg Meerpohl. „Die Cochrane Deutschland Stiftung wird die verbleibende Zeit bis Ende 2027 nutzen, um neue Förderer zu finden, damit sie ihre Arbeit auch mittel- und langfristig fortsetzen kann. Die Arbeit der Stiftung ist wichtig, um die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung in Deutschland zu sichern.“

Die Stiftung ist Teil des globalen Cochrane-Netzwerks mit Vertretungen in aktuell 57 Ländern. In diesem arbeiten der CDS zufolge Forschende, Ärzte und andere Fachkräfte sowie Patienten zusammen, „damit die Ergebnisse der Gesundheitsforschung zusammengefasst dort ankommen, wo sie gebraucht werden: in der Versorgung von Patienten“, wie die Stiftung hervorhebt. Sie verweist auf aktuelle Herausforderungen, zum Beispiel: Wie erreichen wir, dass auch bei der Einführung neuer teurer Medikamente die Standards der evidenzbasierten Medizin nicht unterlaufen werden? Wie kann Künstliche Intelligenz bei der Erstellung der aufwändigen systematischen Übersichtsarbeiten verantwortungsvoll eingesetzt werden?


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