BVHNO setzt auf digitale Ersteinschätzung in der Primärversorgung16. März 2026 Foto: Deemerwha studio/stock.adobe.com In einem Primärversorgungssystem sollte einer digitalen medizinischen Ersteinschätzung grundsätzlich der Vorrang gegeben werden, fordert der Bundesvorstandes des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. (BVHNO). „In einer digitalen Gesellschaft sollte der Zugang zur Gesundheitsversorgung in erster Linie über digitale Wege möglich sein. Dies entspricht der Lebenswelt der Patientinnen und Patienten und ermöglicht eine schnelle, bedarfsgerechte und ressourcensparende Steuerung“, erklärt der BVHNO. Ob jung oder alt – über 90 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen ein Smartphone, für die allermeisten ist es zum unverzichtbaren Kommunikationsmittel im Alltag geworden. Ein großer Teil der Bevölkerung zählt darüber hinaus zu den „Digital Natives“, die mit dem Handy aufgewachsen sind. BVHNO Digitalisierungsstrategie der Gesundheitsministerin als richtigen Weg „Mit ihrer kürzlich vorgestellten Digitalisierungsstrategie hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken den richtigen Weg eingeschlagen. Wenn wir heute die Patientenströme der Zukunft gestalten, sollten wir nicht auf Konzepte von gestern zurückgreifen“, konstatiert der Verband. Es sei nicht zeitgemäß, alle Patienten zuerst zum Primärarzt zu schicken, bevor sie in die richtige Versorgungsebene geleitet werden. Dies gelte umso mehr, als dass sich die Zahl der unbesetzten Hausarztsitze in den kommenden Jahren weiter erhöhen werde, betont der Bundesvorstand. „Wir müssen jetzt digitale Lösungen entwickeln, um die Ressourcen der Haus- und Facharztpraxen besser zu nutzen, unnötige Wege für Patientinnen und Patienten zu vermeiden und eine bedarfsgerechtere Abfolge bei der Abklärung von Erkrankungen zu gewährleisten.“ Es müsse der Grundsatz ‚digital vor ambulant vor stationär‘ gelten. Als Alternative sollten darüber hinaus primärversorgende Praxen sowie die Terminservice-Rufnummer der Kassenärztlichen Vereinigungen 116 117 zur Verfügung stehen. Leitlinienbasierte digitale Ersteinschätzung als zentrales Element Zentrales Element der zukünftigen Primärversorgung müsse eine strukturierte, leitlinienbasierte, digitale Ersteinschätzung sein, heben die Mandatsträger des BVHNO hervor. Die digitale Ersteinschätzung solle Patientinnen und Patienten frühzeitig, zielgerichtet und bedarfsgerecht in die richtige Versorgungsebene steuern, ohne die hausärztliche Versorgung zu überlasten und ohne die fachärztliche Versorgung mit Bagatellfällen zu blockieren. Mit einem solchen, von der ärztlichen Selbstverwaltung zu entwickelnden Tool, könne objektiv der Bedarf einer direkten fachärztlichen Inanspruchnahme mit Terminvermittlung festgestellt und gedeckt werden. „Dies entlastet die Hausarztpraxen und führt zu einer schnelleren Versorgung von dringlichen Fällen in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Gerade bei Beschwerden, wie plötzlicher Ertaubung, Schwindel, Atemnot, Halsabszessen, schwerem Nasenbluten oder Stimmverlust, kann dies bleibende Schäden oder einen ungünstigen Krankheitsverlauf verhindern“, betont der BVNHO. BVHNO: Quote an Hausarztvermittlungsfällen zu niedrig In die Beschlussfassung des Bundesvorstandes seien auch die Erfahrungen mit den Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) eingeflossen. Im Praxisalltag zeige sich immer wieder, dass Patientensteuerung mehr als Patientenverteilung sei. Während einzelne Elemente, wie die Neupatientenregelung oder die offene Sprechstunde, zu einer spürbaren Verkürzung der Wartezeiten geführt haben, führten andere Elemente immer wieder zu Problemen, so die Darstellung des Verbandes. So zum Beispiel bei Patienten mit akuten Beschwerden: „Mit dem TSVG haben Hausärzte die Möglichkeit, einen schnellen Termin beim Facharzt zu vermitteln. Dafür muss die Hausarztpraxis eine Lotsenfunktion übernehmen und einen festen Termin beim weiterbehandelnden Facharzt organisieren. Doch statt dieses Instrument zu nutzen, werden Patienten regelmäßig in die offene Sprechstunde der Facharztpraxis geschickt“, erklärt der BVHN. Die offene Sprechstunde sei dafür jedoch nicht vorgesehen, sondern soll den Patienten direkt zur Verfügung stehen, kritisiert der Verband. Während die offene Sprechstunde in der HNO-Heilkunde voll ausgelastet sei, liege die Quote an Hausarztvermittlungsfällen bundesweit bei nur rund 0,3 Prozent aller fachärztlichen Behandlungsfälle.
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