Mikrobiom in Mund und Dünndarm schützt vor schweren allergischen Reaktionen12. März 2026 Wie stark Menschen mit Erdnussallergie auf das Allergen reagieren, hängt auch von ihrem Mikrobiom ab. (Foto: © Jelena Stanojkovic – stock.adobe.com) Eines der großen Rätsel bei Lebensmittelallergien ist, warum zwei Personen mit ähnlichen Spiegeln an Erdnuss-spezifischen Antikörpern ganz unterschiedlich auf das Allergen reagieren können. Die Antwort könnte im Mikrobiom von Mund und Darm liegen. Forschende der McMaster University in in Hamilton, Kanada, konnten nämlich zeigen, dass Darmbakterien Teile eines allergenen Lebensmittels abbauen und die Reaktion einer Person auf Erdnüsse beeinflussen. Die Ergebenisse wurden in „Cell Host & Microbe“ veröffentlicht. „Erdnussallergien können schwerwiegende Reaktionen wie Atembeschwerden verursachen und in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich sein. Einige Menschen mit Erdnussallergien können jedoch kleine Mengen der Frucht essen, ohne eine Reaktion zu zeigen. Wir waren neugierig, warum dies geschieht, und haben die Antwort bei der Untersuchung der Mikroben in unserem Mund entdeckt“, erklärt Liam Rondeau, Postdoktorand am Farncombe Family Digestive Health Research Institute der McMaster University. Bakterien bauen Erdnussallergene ab Die Forscher untersuchten Speichel- und Dünndarmproben von gesunden Freiwilligen und identifizierten mehrere Bakterienarten, die wichtige Erdnussallergene abbauen können. Unter diesen Bakterien stach die Gattung Rothia hervor, da sie die Fähigkeit von Erdnussproteinen, sich an Antikörper zu binden, reduzieren konnte – ein Prozess, der allergische Reaktionen auslöst. Die Forscher untersuchten auch eine Gruppe von Teilnehmern mit Erdnussallergien und stellten fest, dass diejenigen, die eine größere Menge an Bakterien hatten, die Allergene abbauen und höhere Mengen an Erdnüssen vertragen konnten, bevor eine Reaktion auftrat. „Mikroben im Mund und Darm spielen eine wichtige Rolle bei der Verdauung. Unsere Ergebnisse deuten auf einen neu entdeckten Zusammenhang zwischen dem Mund- und Darmmikrobiom und Nahrungsmittelallergien hin und könnten als Grundlage für zukünftige Arbeiten zur Vorhersage und Behandlung dienen“, erklärte Co-Autor Alberto Caminero Fenandez, außerordentlicher Professor am McMaster Department of Medicine. Neue Möglichkeiten zur Allergieprävention und -therapie Das Forschungsteam validierte diese Ergebnisse in einem externen Datensatz von 120 Kindern und zeigte, dass Rothia-Arten bei Kindern mit höheren Erdnussreaktionsschwellenwerten signifikant häufiger vorkamen. In präklinischen Experimenten fanden die Forscher heraus, dass Rothia die Menge der Erdnussallergene, die in den Blutkreislauf gelangen, reduzierte, die Aktivierung der Immunzellen, die eine Anaphylaxie verursachen, bremste und nach der Exposition eine deutlich mildere allergische Reaktion auslöste. Den Forschenden zufolge eröffenen die Ergebnisse neue Möglichkeiten für zur Allergieprävention und -behandlung, wie mikrobielle oder probiotische Therapien und verbesserte orale Immuntherapiestrategien. (ej/BIERMANN)
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