Versorgungsprogramm für übergewichtige Kinder zeigt Wirkung

Familie bei der Ernährungsberatung (KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit Google Gemini)

Das Stufenmodell STARKIDS könnte künftig die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas bundesweit verbessern. Das zeigen die Ergebnisse der STARKIDS-Studie, die in „The Lancet Regional Health – Europe“ veröffentlicht wurden. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) hat daher empfohlen, zentrale Bestandteile des Programms in die Regelversorgung zu überführen.

STARKIDS steht für „Stufenmodell Adipositasprävention und -therapie im Kindes- und Jugendalter“. Das Programm soll betroffene Familien frühzeitig und wohnortnah unterstützen, in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Medien und Familienleben eine gesunde Gewichtsentwicklung für betroffene Kinder und Jugendliche zu ermöglichen. Ein Bestandteil sind zum Beispiel fünf Schulungstermine in der Kinder- und Jugendarztpraxis. Dabei vereinbaren die Teilnehmenden gemeinsam mit den Fachkräften der Praxis individuelle, für die jeweilige Familie wichtige Ziele für eine hilfreiche Veränderung. Ergänzend bietet ein Onlineportal Informationen, Lernangebote, lehrreiche Filme und interaktive Übungen sowie Lernspiele (serious games).

Studie mit mehr als 500 Kindern und Jugendlichen

Die Wirksamkeit des Programms wurde in einer kontrollierten Studie untersucht. An der Auswertung nahmen 559 Kinder und Jugendliche teil: 343 erhielten die Unterstützung durch STARKIDS, 216 erhielten eine einmalige Beratung im Rahmen einer optimierten Regelversorgung.

Nach zwölf Monaten (Ende der STARKIDS-Intervention) erreichten 33 Prozent der Teilnehmenden in der STARKIDS-Gruppe eine klinisch relevante Verbesserung ihres Gewichtsverlaufs. In der Vergleichsgruppe mit optimierter Regelversorgung gelang dies 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen.

In der Nachbeobachtung 18 Monate nach Interventionsbeginn hatten noch 29 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der STARKIDS-Gruppe und 27 Prozent in der Vergleichsgruppe eine medizinisch bedeutsame Verbesserung ihrer Gewichtsentwicklung erreicht. Dieser Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant.

Das Team untersuchte außerdem die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen. Ihre Modellrechnungen deuten darauf hin, dass das Programm langfristig auch einen gesellschaftlichen Nutzen haben könnte: Innerhalb von zehn Jahren könnten für jeden investierten Euro knapp zwei Euro an gesellschaftlichem Nutzen (geringeren Folgekosten der Erkrankung) entstehen.

Empfehlung mit Signalwirkung für die Versorgung

Der Innovationsausschuss beim GBA empfiehlt nun, zentrale Elemente des STARKIDS-Programms – insbesondere die Schulungen in Kinder- und Jugendarztpraxen – in die Regelversorgung zu überführen. Außerdem sollen die Ergebnisse bei der Weiterentwicklung medizinischer Leitlinien berücksichtigt und an Fachgesellschaften, Krankenkassen sowie weitere Institutionen weitergegeben werden.

Die Studie wurde im Rahmen eines vom Innovationsfonds des GBA geförderten Projektes von einem interdisziplinären Konsortium mit Partnern aus Wissenschaft, medizinischer Versorgung, öffentlichem Gesundheitsdienst sowie der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Koordiniert wurde das Projekt durch das Team der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen. Die Studienleitung lag bei Prof. Florian Junne, Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Magdeburg, und apl. Prof. Stefan Ehehalt, Leiter des Gesundheitsamts der Landeshauptstadt Stuttgart.