Die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen beginnt bereits in der Pubertät

KI-generiertes Symbolbild, erstellt mit Google Gemini

Vier führende US-amerikanische Fachgesellschaften stellen im Fachjournal „Circulation“ ein multidisziplinäres Rahmenkonzept vor, um die frühzeitige Prävention, Diagnostik und interdisziplinäre Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen zu verbessern.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle stellen weltweit eine erhebliche Gesundheitsbelastung für Frauen dar, doch Präventionsansätze setzen traditionell erst im späteren Erwachsenenalter an. Mit einem gemeinsamen Rahmenkonzept wollen die American Heart Association (AHA), die American Academy of Pediatrics (AAP), das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) sowie die Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM) nun einen Paradigmenwechsel einleiten. Die Experten betonen, dass die Weichen für die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen bereits in der Kinder- und Jugendmedizin gestellt werden müssen, um Risiken früher zu erkennen und eine kontinuierliche Versorgung über die gesamte Lebensspanne hinweg zu gewährleisten.

Vier biologische Lebensphasen

Das neu entwickelte Modell gliedert die kardiovaskuläre Vorsorge bei Frauen entlang von vier biologischen Schlüsselphasen, die jeweils an spezifische hormonelle Übergänge gekoppelt sind:

  1. Perimenarche (ca. 8–15 Jahre): Die Jahre um die erste Regelblutung, in denen die hormonellen Zyklen reifen.
  2. Ovarieller Zyklus (ca. 15–44 Jahre): Etablierung regulärer Eisprung- und Hormonzyklen sowie Phase potenzieller Schwangerschaften.
  3. Perimenopause (ca. 45–51 Jahre): Übergang zu variablen Zykluslängen, ausfallenden Blutungen und hormonellen Schwankungen.
  4. Postmenopause (ab ca. 51 Jahren): Die Lebensjahre nach Eintritt der Menopause bzw. 12 Monate nach der letzten Menstruation.

Eine Schwangerschaft wird phasenübergreifend als biologischer „Stresstest“ definiert, der zuvor unerkannte kardiovaskuläre Risiken frühzeitig zu Tage fördern kann.

Menstruationszyklus als geschlechtsspezifisches Vitalzeichen

Ein zentraler Pfeiler der Leitlinie ist die Einordnung von Zyklusmustern als weibliches Vitalzeichen. Unregelmäßige Zyklen könnten auf Störungen wie das Polyendokrine metabolische Ovarsyndrom (PCOS) hinweisen, das mit deutlichen kardiovaskulären Risiken verbunden ist. Zudem gelten starke Menstruationsblutungen als häufigste Ursache für Eisenmangel bei jungen Frauen, was sich negativ auf Energie, körperliche Aktivität und Herzgesundheit auswirke, erklärte Dr. Marma Perak, Kinderkardiologin am Lurie Children’s und außerordentliche Professorin für Pädiatrie und Präventivmedizin an der Feinberg School of Medicine der Northwestern University (USA).

Aufbau interdisziplinärer Exzellenzzentren

Neben der Grundsatzerklärung umfasst die Veröffentlichungsreihe in „Circulation“ auch klinische Konsensusrichtlinien sowie eine wissenschaftliche Empfehlung zum Aufbau nationaler Exzellenzzentren für die weibliche Herzgesundheit.

Um bestehende Evidenzlücken zu schließen, fordern die Fachgesellschaften zudem eine verstärkte Aufnahme von Mädchen und Frauen in klinische Studien, erweiterte Forschungsgelder sowie die rasche Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Versorgungsalltag. (ej/BIERMANN)