Zerebrale Kavernome können künftig möglicherweise medikamentös behandelt werden

Fehlgebildete Netzhautblutgefäße (magenta) und extravasiertes Immunglobulin G (cyan) bei endothelspezifischen Ccm3-Knockout-Mäusen. (Quelle: © Maximiliano Arce)

Kavernome sind für etwa zehn Prozent der spontanen Hirnblutungen bei Kindern verantwortlich. Forschende haben nun eine Substanz identifiziert, die die Blutgefäßläsionen im Gehirn reduzieren kann.

Die derzeit einzige Behandlungsmöglichkeit für zerebrale Kavernome (Cerebral Cavernous Malformation, CCM) ist eine Operation zur Entfernung der Läsionen. Da Patienten häufig aber mehrere Läsionen aufweisen, besteht ein dringender Bedarf an der Entwicklung nicht invasiver Therapiestrategien. Forschende der Universität Uppsala (FInnland) haben nun eine Substanz identifiziert, die nachweislich sowohl die Anzahl als auch die Größe der Gefäßfehlbildungen verringert.

„Wir haben mehr als 5000 bioaktive Moleküle an kultivierten CCM-Gefäßzellen von Mäusen getestet, um Verbindungen zu identifizieren, die deren pathogenen Phänotyp normalisieren könnten. Die vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten wurden anschließend an kultivierten menschlichen Hirngefäßzellen und in CCM-Tiermodellen untersucht. Die vielversprechendsten Ergebnisse lieferte Dabrafenib, ein BRAF-Inhibitor, der den pathologischen Phänotyp in vitro wirksam umkehrte und das Fortschreiten des Kavernoms in vivo stoppte. Bemerkenswerterweise zielte Dabrafenib auf zwei pathologische Signalwege ab, die zur Entstehung und zum Fortschreiten von CCM beitragen“, erklärt Maximiliano Arce, Erst- und Mitautor der Studie.

Rasche klinische Umsetzung möglich

In einem Mausmodell mit CCM reduzierte Dabrafenib nicht nur die Anzahl und Größe der Läsionen, sondern stabilisierte auch die Gefäße und die unterdrückte Läsionsleckage. Zudem konnte es abnormale strukturelle Defekte im Gefäßsystem der Netzhaut beheben, die in einigen Fällen auch bei CCM-Patienten auftreten können.

Ein Vorteil von Dabrafenib besteht darin, dass es sich um einen Wirkstoff handelt, der bereits als Medikament eingesetzt wird, derzeit zur Behandlung von niedriggradigen Gliomen, einer Form von Hirntumoren bei Kindern. Die Ergebnisse der neuen Studie sprechen für die Umwidmung von Dabrafenib als Therapeutikum für CCM.

„Da Dabrafenib bereits von der US-amerikanischen Food and Drug Administration und der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen ist und über ein etabliertes Sicherheitsprofil verfügt, stellt es einen vielversprechenden Kandidaten für eine rasche klinische Umsetzung dar, um das Wachstum und das Fortschreiten von Hirn-Kavernomen zu stoppen“, betont Peetra Magnusson, die die Studie leitete. (ej/BIEMANN)