BVKJ: Zukunft der pädiatrischen Versorgung in Deutschland gefährdet19. Juni 2018 Neben einer unflexiblen Bedarfsplanung und starren Budgetgrenzen gefährdet auch die Überalterung des Berufsstandes die pädiatriasche Versorgung in Deutschland. (Foto: © New Africa – Fotolia.com) Angesichts des spürbaren Mangels an Kinder- und Jugendärzten appelliert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) an die Gesundheitsminister der Länder, die Pädiatrie durch eine flexiblere Bedarfsplanung und Aufhebung von Budgetgrenzen zukunftsfest zu machen. Wenn sich am 20. Juni die Gesundheitsminister der Länder in Düsseldorf treffen, müsse das Thema “Kinder- und Jugendärztemangel ganz oben auf die Agenda”, sagte BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach. Viel zu lange habe die Politik untätig zugeschaut, wie immer weniger Kinder- und Jugendärzte immer mehr Kinder und Jugendliche versorgten. Deutschland verzeichne seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg der Geburtenrate. Allein 2016 wurden 776.883 Kinder in Deutschland geboren, 18,7 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Vor allem in den großen Städten steigen die Geburtenraten stark. Krankheiten, die früher in der Kinderklinik behandelt wurden, würden zudem heute ambulant behandelt. “Wir versorgen immer mehr chronisch kranke Kinder und Jugendliche und eine wachsende Zahl von Patienten mit sozial bedingten Entwicklungsstörungen. Auch das System der Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen wird immer umfangreicher. Die Zahl der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte hat mit diesen Entwicklungen nicht Schritt gehalten – ein Fehler der starren Bedarfsplanung. Wir haben also zu wenig Kinder- und Jugendärzte”, sagte Fischbach. Zudem sei der Berufsstand überaltert: Derzeit verabschiede sich ein großer Teil der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in den Ruhestand, ein weiteres Viertel aller Kinder- und Jugendärzte werde in den kommenden fünf Jahren in Rente gehen. Mögliche Nachfolger – sofern sie sich fänden – seien außerdem nicht mehr bereit, 60 Wochenstunden und mehr zu arbeiten, erklärte der BVKJ-Präsident. Wie die Politik die Pädiatrie zukunftsfest machen kann “Wir brauchen eine neue, bessere und flexiblere Bedarfsplanung. Kinder- und Jugendarztpraxen müssen dort sein, wo Eltern sie brauchen, vor allem in den dicht besiedelten Großstadtvierteln oder auch auf dem Land. Wo es zu wenige Kassensitze gibt, müssen mit neuen Budgets neue Sitze geschaffen werden!”, forderte Fischbach. Ein weiterer wichtige Punkt sei die Aufhebung der starren Budgetgrenzen. Kolleginnen und Kollegen, die bereit seien, mehr zu arbeiten, müssten dafür auch entsprechende Honorare bekommen, forderte Fischbach. “Wir brauchen außerdem auch mehr Freiheit, Ärzte in unseren Praxen anstellen zu können, und die Mehrarbeit durch mehr neue Vorsorgen und Impfungen muss ebenfalls entsprechend vergütet werden”, so der Präsident des Berufsverbandes weiter. Im Bereich der Ausbildung müsse die Kinder- und Jugendheilkunde als Teil der Primary Care genau wie die Allgemeinmedizin ein zu vertiefender Teil im „Masterplan Medizinstudium 2020“ werden. Darüber hinaus benötige das Fach die finanzielle Förderung der Weiterbildung in den ambulanten Kinder- und Jugendarztpraxen. Hierzu habe der BVKJ ein Forderungspapier an die Politik erstellt und den verantwortlichen Politikern bereits übersendet. “Wir bitten die Gesundheitsminister dringend: Nutzen Sie Ihre Konferenz in Düsseldorf, um die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Zukunft zu sichern, denn unsere Kinder und Jugendlichen warten nicht mit dem Aufwachsen und wir Kinder- und Jugendärzte arbeiten heute schon am Limit”, appellierte Fischbach abschließend. Weitere Informationen: BVKJ-Papier zur Bedarfsplanung
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