CAR-T-Zelltherapie: Denkt an das Herz!

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Wie andere Therapieformen birgt auch die CAR-T-Zelltherapie – eine der modernsten Formen der Krebsbehandlung – Risiken, unter anderem für Menschen, die bereits unter Bluthochdruck, Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz leiden. Das bestätigt eine kürzlich im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie amerikanischer Forscher. 

Die Verwendung von körpereigenen, gentechnisch so veränderten T-Zellen, dass sie einen chimären Antigenrezeptor tragen (CAR-T-Zellen), hat die Therapie von Blut- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen revolutioniert. Bei dieser Art der Immuntherapie wird das körpereigene Immunsystem darauf trainiert, den Kampf gegen die Tumorzellen wieder aufzunehmen. 

Das US-amerikanische Forschungsteam um Syed S. Mahmood vom Weill Cornell Medical College und dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (USA) hat anhand der Daten von 202 Patienten retrospektiv untersucht, wie sich die CAR-T-Zelltherapie auf das Herz-Kreislaufsystem auswirkt. Über einen medianen Zeitraum von 297 Tagen (Interquartilsabstand 104–647) erlebten 33 Patienten (16 %) ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis (SCE), definiert als eine Kombination aus Herzinsuffizienz, kardiogenem Schock oder Myokardinfarkt. Wenig überraschend war ein SCE mit einer erhöhten Gesamtmortalität im Vergleich zu den Patienten ohne SCE assoziiert (Hazard Ratio 2,8; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,6–4,7) sowie mit einer gesteigerten nichtrückfallbedingten Sterblichkeit (Hazard Ratio 3,5; 95%-KI 1,4–8,8). Außerdem wiesen die Patienten mit SCE erhöhte Spitzenwerte für Interleukin-6, C-reaktives Protein, Ferritin und Troponin auf. Die Autoren entdeckten, dass kardiovaskuläre Risikofaktoren (insbesondere Bluthochdruck) und eine Vorgeschichte von Vorhofflimmern oder Herzinsuffizienz mit einem erhöhten Risiko für SCEs assoziiert sind, während die Gesamttumorbelastung bei SCE- und Nicht-SCE-Patienten ähnlich war.

In einem begleitenden Editorial fordern kardioonkologische Experten der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen daher: „Denkt an das Herz!“ Die vorliegende Studie unterstreiche die Bedeutung von frühzeitigen kardioprotektiven Maßnahmen. „Wir sollten deshalb in Erwägung ziehen, sowohl die kardiologischen Voruntersuchungen als auch die Nachsorge bei Patient:innen, die eine CAR-T-Zelltherapie erhalten, zu intensivieren“, betont Prof. Tienush Rassaf, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum (WHGZ) Essen und einer der Verfasser des Editorials.

Konkret bedeutet das für die Essener Experten, bei allen Patienten vor der Therapie eine Bewertung von Biomarkern, EKG und Echokardiographie vorzunehmen. „Bei Anzeichen, die auf ein SCE und/oder CRS [Zytokin-Freisetzungssyndrom; Anm. d. Red.] hindeuten, sollten diese Parameter erneut untersucht werden, und die Patienten sollten angesichts der hohen Assoziation mit der Gesamtmortalität und der Sterblichkeit ohne Rezidiv zu einer intensiven kardiologischen Untersuchung überwiesen werden“, schreiben sie in ihrem Kommentar. Des Weiteren gehen sie davon aus, dass CAR-T-Zell-Empfänger zumindest im ersten Jahr nach Therapiebeginn von einer intensiven Nachsorge profitieren könnten, wie sie für andere spezifische Anthrazyklin-Protokolle empfohlen wird.

„In den letzten zehn Jahren wurden neue Wirkstoffe und zellbasierte Therapien zugelassen, die einen großen Fortschritt für die Tumortherapie bedeuten, aber deren kardiotoxisches Spektrum bisher nur unvollständig bekannt ist“, meint auch der Erstautor des Editorials, Prof. Matthias Totzeck vom WGHZ in Essen. „Diese Studie erlaubt einige Einblicke in das Feld, führt uns aber auch deutlich den intensiven Forschungsbedarf vor Augen.“

(ah)