CD38-Antikörper gegen Immunthrombozytopenie: CM313 hebt Thrombozytenzahlen schnell und anhaltend

TIANJIN (Biermann) – Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist durch eine Zerstörung von Thrombozyten gekennzeichnet, die durch Auto­antikörper vermittelt wird. Inwieweit der neuartige monoklonale CD38-Antikörper CM313 zu einer gezielten Beseitigung CD38-positiver Zellen inkl. Plasmazellen bei ITP-Patienten führt und sicher ist, überprüften Dr. Yunfei Chen von den Tianjin Institutes of Health Science in China und Kollegen.

In ihrer aktuellen unverblindeten Phase-I/II-Studie steigerte die gezielte Anti-CD38-Therapie die Thrombozyten-Werte rasch, indem sie die Antikörper-abhängige zellvermittelte Zytotoxizität hemmte, die langfristige Wirksamkeit durch Beseitigung der Plasmazellen aufrechterhielt und mit meist geringfügigen toxischen Wirkungen verbunden war.

Im Rahmen der Studie hatten die Teilnehmer CM313 über 8 Wochen wöchentlich in einer Dosis von 16 mg/kg Körpergewicht intravenös erhalten, gefolgt von einer 16-wöchigen Nachbeobachtungsphase. Die primären Endpunkte waren unerwünschte Ereignisse und die Dokumentation von ≥2 aufeinanderfolgenden Thrombozytenzahlen von ≥50×109/l innerhalb von 8 Wochen nach der 1. Dosis CM313. Überwacht wurden auch der Status der Immunzellen im peripheren Blut bei Patienten und Veränderungen im mononukleär-phagozytären System in passiven Mausmodellen der ITP, die eine Anti-CD38-Therapie erhielten.

Wie den Ergebnissen zu entnehmen ist, hatten von 22 Studienteilnehmern 21 (95 %) während des Behandlungszeitraums 2 aufeinanderfolgende Thrombozytenzahlen von ≥50×109/l, bei einer medianen kumulativen Ansprechdauer von 23 Wochen (IQR 17–24). Die mediane Zeit bis zur 1. Thrombozytenzahl von ≥50×109/l betrug 1 Woche (Spanne 1–3).

Als häufigste unerwünschte Ereignisse, die während der Studie auftraten, nennen die Autoren infusionsbedingte Reaktionen (bei 32 %) und Infektionen der oberen Atemwege (bei 32 %). Nach der gezielten CD38-Therapie seien der Anteil der CD56dimCD16+-Natürlichen Killerzellen, die Expression von CD32b auf Monozyten im peripheren Blut und die Anzahl der Makrophagen in der Milz der passiven Mausmodelle für ITP gesunken, ergänzen die Autoren. (sf)

Autoren: Chen Y et al.
Korrespondenz: Dr. Lei Zhang; [email protected]
Studie: A Novel Anti-CD38 Monoclonal Antibody for Treating Immune Thrombocytopenia
Quelle: N Engl J Med 2024;390(23):2178–2190.
Web: doi.org/10.1056/NEJMoa2400409