Porokeratose erhöht das Risiko für weißen Hautkrebs

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Wie beeinflusst eine Porokeratose das Hautkrebsrisiko? Bisherige Studien zeigten ein erhöhtes Risiko vor allem für Keratinozyten-Karzinome (KC), wobei der stärkste Zusammenhang für das Plattenepithelkarzinom (SCC) beobachtet wurde. 

Wissenschaftler um William Liu von der Yale School of Medicine, New Haven, haben daher nun in einer gematchten Kohortenstudie den Zusammenhang zwischen genetischer Porokeratose und Hautkrebs quantifiziert.

Zum Hintergrund erläutern sie, es handele sich bei der Porokeratose um eine epidermale Differenzierungsstörung, die durch pathogene Keimbahnvarianten in Genen des Mevalonat-Signalwegs verursacht werde, wobei es in der betroffenen Haut zu einem Second Hit komme. So haben japanische Forscher das Ausschalten des ansonsten intakten FDFT1-Gens durch epigenetisches Silencing beschrieben (s.u.).

Das Team um Liu bediente sich der AoURP (kurz für „All of Us Research Program“), einer in den USA ansässigen biomedizinischen Datenbank, die elektronische Gesundheitsakten (EHRs), demografische Daten sowie Daten zur Gesamtgenomsequenzierung (WGS) dokumentiert. Dabei ordneten die Wissenschaftler Personen, die (wahrscheinlich) pathogene Varianten in den Genen MVK, PMVK, MVD, FDPS oder FDFT1 aufwiesen, die Diagnose einer genetischen Porokeratose zu. Als Kontrollgruppe dienten Personen mit WGS-Daten, die weder Porokeratose-Varianten noch eine klinische Diagnose dieser Erkrankung hatten. Insgesamt wiesen 2684 Personen genetische Porokeratose-Varianten, von denen zu 2563 (95,5%) vollständige Daten zu den Kovariaten vorlagen und die mit 12.815 Kontrollpersonen gematcht wurden.

Genetische Porokeratose erhöht das Risiko für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome

Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „JAMA Dermatology“ berichten, war die genetische Porokeratose unabhängig von der klinischen Diagnose mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko assoziiert: Die OR für KC lag bei 1,37 (95%-KI 1,14–1,63; p<0,001), jene für Basalzellkarzinome bei 1,28 (95%-KI 1,04–1,57; p=0,02) und die OR für Plattenepithelkarzinome bei 1,61 (95%-KI 1,23–2,11; p<0,001). Hingegen unterschied sich die Prävalenz von Melanomen nicht.

Wurden Personen mit einer genetischen Prädisposition für Hautkrebs ausgeschlossen, veränderten sich die Kohortengrößen nicht signifikant (65/2498 Personen fielen aus der Porokeratose-Kohorte heraus, 4925/301.041 Personen aus der Gruppe der nicht gematchten Kontrollen). Damit unterschieden sich die Odds durch diesen Ausschluss nicht wesentlich (KC: OR 1,36; 95%-KI 1,13–1,62; p=0,001).

Ferner beobachtete das Team, dass die Zusammenhänge zwischen Porokeratose und Hautkrebs signifikant zwischen den Strata der aktinischen Keratose (AK) variierten. Bei Personen ohne AK war die genetische Porokeratose signifikant mit den Odds für ein SCC assoziiert (OR 1,83; 95%-KI 1,10–3,05; p=0,02), jedoch nicht mit den Odds für KC insgesamt (OR 1,34; 95%-KI 0,99–1,79; p=0,05). Bei jenen mit einer klinischen AK-Diagnose, die im Laufe des Lebens vermutlich eine höhere Lichtschädigung erlitten hatten und besser überwacht wurden, ergab die Stratifizierung nach AK hingegen keine statistisch signifikanten Unterschiede bei den Odds für irgendein Ergebnis.

Bei der Analyse nach dem Alter war die Porokeratose bei Personen ab 60 Jahren mit KC (OR 1,36; 95%-KI 1,12–1,65; P = 0,002) und SCC (OR 1,66; 95%-KI 1,26–2,19; P < 0,001) assoziiert. Unter den Jüngeren gab es so wenige Hautkrebsdiagnosen, dass eine aussagekräftige Subgruppenanalyse nicht möglich war. Nach Geschlecht stratifizierte Analysen zeigten keine signifikanten Unterschiede bei den Odds für Hautkrebs zwischen Männern und Frauen.

Unterschiede je nach Gen beobachtet, aber eventuell statistisch bedingt

Außerdem untersuchte das Team die Zusammenhänge mit pathogenen Varianten in einzelnen Mevalonat-Genen. Personen mit MVD-Varianten (1860 [72,6 %]) zeigten eine Assoziation mit KC (OR 1,51; 95%-KI 1,24–1,84; p < 0,001) sowie mit SCC (OR 1,82; 95%-KI 1,36–2,44; p<0,001). Hingegen wiesen Personen mit MVK– (440 [17,2%]) und PMVK-Varianten (232 [9,1%]) keine signifikanten Assoziationen mit KC auf (MVK: OR 0,82; 95%-KI 0,51–1,33; P=0,43; PMVK: OR 1,33; 95%-KI 0,79–2,27; P=0,29), was den Autoren zufolge wahrscheinlich auf eine begrenzte statistische Aussagekraft zurückzuführen ist. Für FDPS (28 [1,1%]) und FDFT1 (n<20) hätten keine ausreichenden Stichprobengrößen für eine aussagekräftige Subgruppenanalyse vorgelegen, ergänzen sie.

Liu et al. vermuten, dass das überwiegende Auftreten von SCC eher auf eine intrinsische Anfälligkeit der Keratinozyten als auf UV-Strahlung allein zurückzuführen sein könnte. Kongenitale und früh einsetzende lineare Porokeratose habe eine hohe Neigung zu SCC gezeigt, selbst ohne chronische Lichtschädigung.

Zu den Einschränkungen ihrer Studie zählen die Autoren die auf elektronischen Patientenakten basierenden Diagnosen, mögliche Fehlklassifizierungen und das Fehlen von Daten auf Läsionsebene, um festzustellen, ob Karzinome innerhalb von Porokeratose-Läsionen entstanden sind.

„Insgesamt bekräftigen diese Daten die Notwendigkeit eines proaktiven Lichtschutzes, regelmäßiger Hautuntersuchungen und konsensbasierter Überwachungsleitlinien, die auf Porokeratose zugeschnitten sind“, bilanziert das Team. (sf/BIERMANN)

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