Krebsimmuntherapie: Schlüsselprotein gegen Immunzell-Ermüdung entdeckt20. Mai 2026 Bild: ©rosifan19 – stock.adobe.com Forschende aus New York und Tübingen haben das Protein NFIL3 als entscheidenden Faktor identifiziert, der zur Erschöpfung von CAR-T-Zellen beiträgt. Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Prof. Michel Sadelain von der Columbia University in New York hat − in Zusammenarbeit mit Prof. Judith Feucht vom Universitätsklinikum Tübingen − nun in Tiermodellen herausgefunden, wie sich dieser Effekt möglicherweise verbessern lässt. Sadelain gilt als einer der Pioniere der CAR T-Zelltherapie, da seine Forschung maßgeblich zur Entwicklung und klinischen Anwendung der neuen Therapie beigetragen hat. NFIL3 – ein Schlüsselfaktor bei Zellermüdung In einem systematischen Screening testeten die Forschenden rund 400 Transkriptionsfaktoren. Dabei zeigte sich, dass das Protein NFIL3 (Nuclear factor, interleukin 3 regulated) maßgeblich daran beteiligt ist, dass CAR-T-Zellen im Laufe der Zeit „ermüden“ und ihre Wirksamkeit verlieren. Wird NFIL3 in den Zellen deaktiviert, bleiben sie länger funktionsfähig, können sich besser vermehren und Tumorzellen nachhaltiger bekämpfen. Dies geschieht durch den Einsatz der CRISPR/Cas9-Technologie. Diese als Genschere bekannte Methode erlaubt es, das NFIL3-kodierende Gen präzise zu durchtrennen und so NFIL3 zu deaktivieren. „Das Ausschalten von NFIL3 könnte ein entscheidender Schritt sein, um die anhaltende Stärke von CAR-T-Zellen deutlich zu verbessern“, erklärt Feucht. Von der Grundlagenforschung zur Anwendung am Patienten In mehreren Mausmodellen bestätigte sich, dass CAR-T-Zellen ohne NFIL3 Tumore effektiver bekämpfen und so das Überleben der Tiere verlängern. Damit liefert die Studie einen wichtigen Ansatzpunkt, um die Behandlungsmöglichkeiten für bislang schwer therapierbare Tumorarten zu erweitern. „Das Ziel ist, die Wirksamkeit der CAR T-Zellen künftig auch bei soliden Tumoren zu verbessern“, erläutert Celina May, die als Co-Erstautorin an der Studie beteiligt und Mitglied von Feuchts Forschungsgruppe ist. Forschung am Puls der Klinik Feucht verbindet in ihrer Arbeit Forschung und Klinik auf einzigartige Weise: Sie forscht im einzigen deutschen Exzellenzcluster für Onkologie, dem iFIT (Image guided and Functionally Instructed Tumor Therapies), und behandelt gleichzeitig Kinder und Jugendliche an der Kinderklinik des Universitätsklinikums Tübingen. Ihr Ansatz folgt dem „Bench-to-Bedside“-Prinzip – wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in neue Therapien für junge Krebspatienten zu überführen. Bis die neue Erkenntnis ihren Weg in die klinische Anwendung findet, wird es noch etwas Zeit benötigen – doch die Ergebnisse geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass sich dieser Ansatz künftig auch beim Menschen bewähren könnte.
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