CD47 schützt pathogene T-Zellen nach Stammzelltransplantation6. Oktober 2025 Alloreaktive T-Zellen regulieren CD47 hoch und schützen sich so vor der Phagozytose durch Makrophagen. Hier sind alloreaktive T-Zellen aus einer Patientenbiopsie dargestellt, die in den Darmtrakt eindringen und eine akute Graft-versus-Host-Disease auslösen. (Bild: © Flamann & Shaikh et al., Blood 2025) In einer Studie aus Würzburg wurde das Oberflächenprotein CD47 als Schlüsselfaktor identifiziert, der es alloreaktiven T-Zellen ermöglicht, sich der Beseitigung durch Makrophagen zu entziehen und die Graft-versus-Host-Disease (GvHD) zu verschlimmern. Eine gezielte Bekämpfung von CD47 durch eine Antikörpertherapie könnte die Beseitigung pathogener T-Zellen verbessern und somit die GvHD nach einer allogenen Stammzelltransplantation verhindern. Eine allogene Stammzelltransplantation kann für Patienten, deren eigenes Knochenmark keine gesunden Blutzellen mehr bilden kann, lebensrettend sein. Doch die Therapie birgt auch Risiken: T-Zellen des Spenders können den Körper des Empfängers als fremd erkennen und eine überschießende Abwehrreaktion auslösen, auch als Graft-versus-Host-Disease (GvHD) bezeichnet. Im Rahmen des SFB/TRR 221 untersuchen die Unikliniken Erlangen, Regensburg und Würzburg gemeinsam Strategien zur Steuerung der GvHD- und Transplantat-Leukämie-(GvL)-Effekte. Ziel ist es, die Sicherheit und Wirksamkeit der allogenen hämotopoetischen Stammzelltransplantation zu verbessern. So wurde beispielsweise untersucht, warum die entzündlichen Spender-T-Zellen, die eine GvHD antreiben, von Makrophagen nicht wirksam entfernt werden. Dabei enthüllten die Forschenden einen versteckten Überlebenstrick der schädlichen Spender-T-Zellen. T-Zellen senden mit CD47 ein „Don’t eat me“-Signal an das Immunsystem Die schädlichen Spender-T-Zellen exprimieren ungewöhnlich hohe Konzentrationen des Proteins CD47. Dabei handelt es sich um ein Oberflächenprotein, das den Makrophagen signalisiert: „Don’t eat me“. Diese Überexpression wurde sowohl bei Patienten mit GvHD als auch in Mausmodellen beobachtet. „Damit bringen wir CD47 erstmals eindeutig mit der Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion in Verbindung“, sagt Dr. Haroon Shaikh von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg. Der Immunologe aus der Arbeitsgruppe von Prof. Andreas Beilhack publizierte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Blood. Die Erstautorenschaft teilt er sich mit Dr. Cindy Flamann aus der Gruppe von Privatdozent Dr. Heiko Bruns vom Uniklinikum Erlangen. Blockierung des CD47-Signals hilft bei Eliminierung schädlicher T-Zellen „Spannend wurde es, als wir CD47 mit Antikörpern blockiert haben“, berichtet Shaikh. „Denn durch die Blockierung wurde die Fähigkeit der Makrophagen wiederhergestellt, die alloreaktiven T-Zellen zu phagozytieren und somit zu eliminieren. Bei unseren Mäusen konnten wir beobachten, dass die schädlichen Zellen effektiver beseitigt wurden, die Entzündung im Darm zurückging und sich ihre Überlebenschancen verbesserten. Darüber hinaus verursachten Spender-T-Zellen ohne CD47 deutlich weniger Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankungen und führten zu besseren Ergebnissen.“ „Unsere Ergebnisse eröffnen ein vielversprechendes klinisches Potenzial für die Blockade von CD47 zur Behandlung von GvHD“, betont Bruns. Auf dieser Basis bereitet das Team bereits erste klinische Studien vor. Langfristiges Ziel ist es, durch gezielte Bekämpfung von CD47 die Eliminierung pathogener T-Zellen zu verbessern und so die GvHD nach einer allogenen Stammzelltransplantation zu verhindern.
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