Charité Berlin: Erste Professur für Klinische Neurotechnologie29. November 2018 Prof. Surjo Soedakar, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin (Copyright: Peitz/Charité) Wie Neurotechnologien bei der Behandlung von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt werden können, erforscht Prof. Surjo Soekadar. An der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat er jetzt die deutschlandweit erste Professur für Klinische Neurotechnologie angetreten. Neurotechnologien sind technische und computergestützte Werkzeuge, die Hirnsignale analysieren oder in der Lage sind, die Hirnaktivität gezielt zu verändern. Dazu gehören Gehirn-Computer-Schnittstellen, mit deren Einsatz und Entwicklung sich Prof. Surjo Soekadar beschäftigt. Mit seiner bisherigen Forschung konnte er beispielsweise Querschnittsgelähmten ermöglichen, mithilfe eines hirngesteuerten Hand-Exoskeletts erstmals wieder selbstständig zu essen und zu trinken. Die neu etablierte Professur ist der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Charité Mitte zugeordnet und an das Exzellenzcluster NeuroCure angebunden. „An der Charité möchte ich innovative Neurotechnologien, die zu einer Verbesserung von Lebensqualität und sozialer Teilhabe führen, zügig in die Patientenversorgung integrieren. Dass meine Forschungsergebnisse direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommen, ist mir sehr wichtig“, erklärte Soekadar. Darüber hinaus möchte der Neurowissenschaftler die nächste Generation von Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln und erhält hierfür in den kommenden fünf Jahren rund 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC). „Bisher wurden Gehirn-Computer-Schnittstellen vorwiegend dazu eingesetzt, die Kommunikations- und Bewegungsfähigkeit von Patienten wiederherzustellen. In dem ERC-Projekt wollen wir nun Hirnfunktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionskontrolle verbessern“, erklärte Soekadar. Diese sind bei zahlreichen psychischen Erkrankungen wie Depression, Sucht oder Angststörungen beeinträchtigt. Dafür will der Forscher alltagstaugliche Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickeln, die die Hirnaktivität in Echtzeit auslesen und interpretieren. Individuelle Aktivitätsmuster, die mit einer Verbesserung gestörter Hirnfunktionen einhergehen, sollen anschließend durch elektrische oder magnetische Stimulation nicht invasiv verstärkt werden. Solche Gehirn-Computer-Schnittstellen in Kombination mit Hirnstimulationsverfahren sollen zukünftig einen wichtigen Beitrag zur effektiven und nebenwirkungsarmen Behandlung einer Reihe von psychischen Erkrankungen leisten.
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