Charité-Studie: Keuchhusten-Impfung in der Schwangerschaft stärkt die Abwehr bei Neugeborenen

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Wie eine neue Studie erstmals zeigt, sind mütterliche Antikörper gegen den Keuchhusten-Erreger, das Bakterium Bordetella pertussis, nicht nur im Blut, sondern auch in der Nasenschleimhaut von Neugeborenen zu finden.

Keuchhusten kann für Neugeborene tödlich sein. In Deutschland erhalten sie frühestens ab dem zweiten Lebensmonat die erste von drei notwendigen Impfdosen. Ab der zweiten Impfung, die Säuglinge mit ungefähr vier Monaten verabreicht bekommen, verfügen sie über einen ersten eigenen Schutz. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wird Schwangeren in Deutschland und den meisten europäischen Ländern empfohlen, sich gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Die werdenden Mütter geben ihre schützenden Antikörper über die Plazenta an das ungeborene Kind weiter. Diese indirekte Immunisierung ist eine sichere und effektive Methode, die von Geburt an wirksam ist.

Ein Forschungsteam um Prof. Beate Kampmann von der Charité in Berlin konnte nun erstmals nachweisen, dass die von der Mutter übertragenen Antikörper nicht nur im Blut, sondern auch in der Nasenschleimhaut der Neugeborenen vorhanden sind – also genau dort, wo die Erreger in den Körper eindringen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „The Lancet Mircobe“ erschienen.

„Wir wussten, dass mütterliche Antikörper über die Plazenta weitergegeben werden. Überraschend war allerdings, dass wir sie auch auf der Nasenschleimhaut der Neugeborenen – auf für die Kinder schonende Weise – nachweisen konnten. Das unterstreicht die Wirksamkeit der indirekten Impfung“, kommentiert Kampmann.

Unterschiedliche Immunantwort je nach Impfstofftyp

Im Rahmen der Studie wurden 343 schwangere Frauen im westafrikanischen Gambia entweder mit einem Keuchhusten- oder einem Tetanus-Impfstoff geimpft. Mütterliche Antikörper gegen Keuchhusten waren sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut der Säuglinge nachweisbar, wenn ihre Mütter die entsprechende Impfung erhalten hatten. Die Forschenden der Medical Research Council Unit The Gambia der London School of Hygiene and Tropical Medicine (Vereinigtes Königreich) untersuchten weiterhin Blut und Nasensekrete von rund 160 Neugeborenen vor und nach deren routinemäßiger Keuchhustenimpfung mit unterschiedlichen Impfstoffarten.

Wie die Studie zeigte, entwickelten Babys, die im Alter von acht, zwölf und 16 Wochen einen Ganzzell-Keuchhustenimpfstoff erhalten hatten, im Durchschnitt eine stärkere Immunantwort als diejenigen, denen ein azellulärer Impfstoff verabreicht wurde. „Ein Ganzzellimpfstoff enthält das vollständige, aber inaktivierte Keuchhustenbakterium, während ein azellulärer Impfstoff nur wenige gereinigte Bestandteile des Bakteriums beinhaltet“, erklärt Beate Kampmann. „Azelluläre Impfstoffe verursachen in der Regel weniger Nebenwirkungen, bieten aber meist einen kürzer anhaltenden Schutz. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch der Keuchhusten-Ganzzellimpfstoff länger schützt.“

Bedeutung für die Impfstrategie

Was die aktuellen Ergebnisse für den klinischen Schutz und die Impfstrategie in unterschiedlichen Situationen bedeuten, muss weiter untersucht werden, unterstreicht das Forschungsteam. In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, während die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin den Ganzzellimpfstoff einsetzen.

„Länder, die Ganzzellimpfstoffe bei den Kindern verwenden, sollten unseren Ergebnissen zufolge dabei bleiben“, folgert Kampmann. „Entscheidend aber bleibt die Impfung von Schwangeren mit dem azellularem Impfstoff, unabhängig davon welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern”, fügt sie hinzu.

Öffentliche Gesundheit im Fokus

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission seit 2020 die Keuchhustenimpfung für Schwangere zu Beginn des letzten Drittels der Schwangerschaft. Dennoch liegt die Impfquote mit etwa 50 Prozent deutlich unter dem empfohlenen Zielwert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung in der Schwangerschaft Säuglinge in ihrer anfälligsten Lebensphase doppelt schützt. Angesichts steigender Fallzahlen ein starkes Argument, das Impfangebot zu nutzen“, betont Kampmann.

In vielen Teilen der Welt bleibt Keuchhusten auch heute noch eine tödliche Krankheit. Jedes Jahr sterben zwischen 200.000 und 300.000 Menschen daran, vor allem Kleinkinder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen gute Impfstoffe nicht immer verfügbar sind. Das Forschungsteam plant daher weitere Studien, die dazu beitragen sollen, vorhandene Keuchhustenimpfstoffe zu verbessern und die Wirksamkeit neuer Vakzine zu prüfen.

Über die Studie

Die immunologische Studie ist Teil der Gambian Pertussis Study (GaPs), einer am Medizinischen Forschungszentrum The Gambia durchgeführten, randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie der Phase-IV. Beteiligt waren neben der MRC Unit The Gambia der London School of Hygiene and Tropical Medicine Forschende der niederländischen Radboud University und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.