Chiara Falcomatà erhält Helmholtz-Doktorandenpreis 202318. Juli 2023 Chiara Falcomatà. Quelle: privat Lassen sich mit ausgeklügelten Kombinationen von Krebsmedikamenten die Behandlungsergebnisse verbessern? Chiara Falcomatà hat dazu in ihrer Doktorarbeit eine herausragende Entdeckung gemacht: Sie entwickelte an Mäusen einen neuartigen Ansatz für eine Kombinationstherapie gegen eine hochaggressive Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs, die den Tumor immunologisch angreifbar macht. Die Helmholtz-Gemeinschaft würdigt diese exzellente Leistung und hat die Forscherin dafür mit dem jährlichen Doktorandenpreis im Bereich Gesundheit ausgezeichnet. Mit den Doktorandenpreisen zeichnet sie jährlich in jedem ihrer sechs Forschungsbereiche Nachwuchswissenschaftler aus, die ihre Promotion an einem Helmholtz-Zentrum durchgeführt und mit hervorragendem Ergebnis abgeschlossen haben. Falcomatà, die diesjährige Preisträgerin im Bereich Gesundheit, forschte am Standort des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Technischen Universität München (TUM) im Labor von Prof. Dieter Saur. Sie erhält die Auszeichnung für die Entwicklung eines neuartigen kombinierten Therapieansatzes gegen das mesenchymale Pankreaskarzinom. Die Krebsart ist resistent gegen alle heute verfügbaren Standardtherapien, so dass selbst starke Kombinations-Chemotherapien versagen. Auch Immuntherapien führen meist nicht zum Erfolg, da das Pankreaskarzinom generell für Abwehrzellen sehr schwer zugänglich ist. Falcomatà hat in einem Tiermodell in Mäusen eine Möglichkeit gefunden, solche immunologisch „kalten” Pankreastumoren durch gezielte Kombination zweier Krebsmedikamente für die Immuntherapie angreifbar zu machen. In einem umfangreichen Screening an mehr als 400 Wirkstoffen entdeckte Falcomatà zwei Medikamente, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken und zum Zelltod der Krebszellen führen. Mithilfe der Genschere CRISPR untersuchte die Biologin an Patientenzellen und an Mäusen detailliert, welche molekularen Vorgänge durch die Medikamentenkombination beeinflusst werden. Dabei fand sie heraus, dass unter der Kombinationstherapie T-Zellen besser in den Tumor einströmen können. Diese Beobachtung brachte die Forscherin auf die Idee, die Kombinationstherapie durch die Gabe von Immuncheckpoint-Inhibitoren zu ergänzen, die die Immunabwehr gegen Krebs verstärken. Diese Dreifachbehandlung verbesserte tatsächlich das Ansprechen des Tumors deutlich. Mäuse, die den hochaggressiven mesenchymalen Subtyp des Pankreaskarzinoms trugen, zeigten unter der Dreifachtherapieeinen klaren Überlebensvorteil . Sollte sich das im Tiermodell erzielte Ergebnis auf den Menschen übertragen lassen, könnte es zum ersten Mal eine potenzielle Behandlungsoption für die Betroffenen darstellen, die sich möglicherweise auch bei anderen Tumorarten bewähren könnte. Falcomatà hat in Turin Molekulare Biotechnologie studiert. Nach Abschluss ihrer Doktorarbeit forschte sie zunächst als Postdoc im Labor von Saur und wechselte vor Kurzem an die Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York, wo sie ihre Arbeit am Pankreaskarzinom fortführt. Die Preisträger erhalten ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro und zusätzlich eine Reise- und Sachkostenpauschale für einen Forschungsaufenthalt im Ausland von bis 12.000 Euro.
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