Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Betroffene haben auch ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen6. August 2026 Abbildung/KI-generiert: Flash memory/stock.adobe.com Die Autoren einer aktuellen Studie stellten bei Patienten mit Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CEDs) langfristige Risiken für Depressionen, Angsterkrankungen und Substanzmissbrauch fest, die sich nicht allein durch familiäre Faktoren erklären ließen. Bereits zwei bis drei Jahre vor der Diagnose sowie bis zu zehn Jahre danach wiesen die untersuchten CED-Patienten ein erhöhtes Risiko für verschiedene psychische Störungen auf, wie die Wissenschaftler im „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ berichten. Untersuchung schwedischer Daten Das Team um Hauptautor Dr. Jiangwei Sun von der School of Public Health an der Sun Yat-Sen University in Shenzhen (China) analysierte Daten von mehr als 40.000 schwedischen CED-Patienten aus dem Zeitraum von 2007 bis 2023. Dabei wurden deren Daten mit denen von fast 180.000 Personen aus der Allgemeinbevölkerung sowie mit 26.000 Vollgeschwistern verglichen, die nicht an einer CED litten. Als bemerkenswert heben die Forschenden hervor, dass die Risiken für die psychische Gesundheit kurz nach der Diagnose ihren Höhepunkt erreichten und langfristig erhöht blieben. Dies habe sich auch beim direkten Vergleich mit den CED-freien Vollgeschwistern der Patienten gezeigt. Die Wissenschaftler werten dies als Hinweis darauf, dass gemeinsame genetische Faktoren oder frühe Umwelteinflüsse den Zusammenhang nicht allein erklären können. Wissenschaftler vermuten, dass Faktoren wie ein langwieriger Krankheitsverlauf, eine gestörte Kommunikation zwischen Darm und Gehirn (Darm-Hirn-Achse), eine eingeschränkte soziale Funktionsfähigkeit, eine verminderte Lebensqualität sowie gemeinsame genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten. Studienautor Sun betont: „Es ist an der Zeit, psychiatrische Erkrankungen bei CED-Patienten aktiv zu behandeln.“ Zeitlicher Verlauf des Risikos und Verschreibungen In der nun vorgelegten Studie stieg das Risiko für psychische Erkrankungen bei den Betroffenen bereits zwei bis drei Jahre vor der CED-Diagnose an, erreichte seinen Höhepunkt innerhalb der ersten sechs Monate (ein Anstieg um 50%) und blieb auch nach zehn Jahren noch erhöht (ein Anstieg um 19%). Dieser Anstieg des Risikos war den Autoren zufolge maßgeblich auf eine schwere depressive Störung, Angststörungen und Substanzmissbrauch zurückzuführen. Die Verschreibungen von Antidepressiva und Anxiolytika nahmen in der Auswertung der schwedischen Daten bereits im Jahr vor der Diagnose zu und blieben auch mindestens fünf Jahre nach der Diagnose auf einem erhöhten Niveau. Auswirkungen auf die CED-Subtypen Die Ergebnisse waren bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und nicht näher klassifizierter CED konsistent, wie die Forschenden berichten. Dabei erwiesen sich die absoluten Risiken bei Patienten mit bereits im Kindesalter begonnener CED sowie bei Patienten mit einer familiären Vorbelastung durch psychische Erkrankungen am als am höchsten. Obwohl Angsterkrankungen und Depressionen als die häufigsten psychischen Probleme bei CED-Patienten gelten, habe sich die bisherige Forschung fast ausschließlich auf die Zeit nach der Diagnose konzentriert, erklären die Studienautoren. Indem sie die entscheidenden, bislang kaum untersuchten Jahre vor der CED-Diagnose in den Fokus rücke, verdeutliche ihre Studie, wie unbehandelte psychische Probleme die medizinische Versorgung erschweren, Krankheitsschübe verschlimmern und die Lebensqualität beeinträchtigen können. Die Forschenden appellieren an Behandler, frühzeitig – bereits bei der ersten gastroenterologischen Abklärung – auf psychische Symptome zu achten, und fordern die Integration einer psychologischen Betreuung in die routinemäßige CED-Behandlung. (ac/BIERMANN)
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