Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Zunahme in „jungen“ Industrieländern mit westlichem Lebensstil24. Mai 2018 © Adiano – fotolia.com Mit Beginn des 21. Jahrhunderts haben sich entzündliche Darmerkrankungen zu einem weltweit auftretenden Problem entwickelt, das eine beschleunigte Inzidenz in erst jüngst stärker industrialisierten Ländern zeigt, in denen sich die Gesellschaft immer mehr westlichen Lebensgewohnheiten annähert. Zu diesem Fazit kommt eine chinesische Arbeitsgruppe in einer aktuellen Studie. Die IBD-Inzidenz stabilisiere sich zwar in westlichen Ländern, doch bleibe die Last mit mindestens 0,3 % hoch. Eine Literatursuche in Medline und Embase (Veröffentlichungen bis Ende 2016) ergab 147 Studien, davon 119 zur Inzidenz und 69 zur Prävalenz. Die höchsten Prävalenzwerte fanden die Wissenschaftler um Erstautor Prof. Siew C. Ng von der Chinese University of Hong Kong und Kollegen in Europa (Colitis ulcerosa: 505/10.000 Einwohner in Norwegen; Morbus Crohn: 322/10.000 in Deutschland) und Nordamerika (C. ulcerosa: 286/100.000 in den USA; M. Crohn: 319/100.000 in Kanada). Die IBD-Inzidenz lag über 0,3 % in Nordamerika, Ozeanien und vielen europäischen Ländern. Insgesamt berichteten 16 von 22 Studien (72,7 %) zu M. Crohn sowie 15 von 18 Studien (83,3 %) zur C. ulcerosa von einer stabilen oder sinkenden IBD-Inzidenz in Nordamerika und Europa. Im Gegensatz dazu ist die IBD-Inzidenz in neu industrialisierten Ländern in Afrika, Asien und Südamerika seit 1990 gestiegen: So in Brasilien (jährliche prozentuale Veränderung [annual percentage change (APC)] für M. Crohn +11,1 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 4,8–17,8 bzw. ACP für C. ulcerosa +14,9 %; 95 %-KI 10,4–19,6) und Taiwan (APC für M. Crohn +4,0 %; 95 %-KI 1,0–7,1 bzw. APC für C. ulcerosa +4,8 %; 95 %-KI 1,8–8,0). Fazit Obwohl sich die Inzidenz in den westlichen Ländern stabilisiert, bleibt die Belastung hoch, da die Prävalenz 0,3% übersteigt. Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit der Erforschung der Prävention von entzündlichen Darmerkrankungen, um diese komplexe Krankheit zu bewältigen, so das Fazit der Autoren. (ac) Autoren: Ng SC et al. Korrespondenz: Prof. Siew C. Ng, Department of Medicine and Therapeutics, Institute of Digestive Disease, State Key Laboratory of Digestive Diseases, Li Ka Shing Institute of Health Science, The Chinese University of Hong Kong, Hong Kong Special Administrative Region, China; [email protected] Studie: Worldwide incidence and prevalence of inflammatory bowel disease in the 21st century: a systematic review of population-based studies Quelle: Lancet 2018;390(10114):2769–2778. Web: www.thelancet.com/journals/lancet
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