Chronische Nasennebenhöhlen-Erkrankungen – Therapie mit Biologicals?15. Mai 2018 Foto: © decade3d – Fotolia.com Biologicals haben in den letzten Jahren die Therapie chronisch-entzündlicher Erkrankungen revolutioniert. Sie bieten aber auch neue Möglichkeiten zur individualisierten Behandlung von chronischen Nasennebenhöhlen-Erkrankungen. Gerade ist die 89. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNO-KHC) unter dem Motto „Forschung heute – Zukunft morgen“ in Lübeck zu Ende gegangen. Eines der Schwerpunktthemen waren die Möglichkeiten der personalisierten Medizin. Über die Möglichkeiten einer indiviudalisierten Therapie von chronischen Nasennebenhöhlen-Erkrankungen sprach Prof. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, auf der Eröffnungspressekonferenz zum Kongress. Biologicals (auch Biopharmazeutika oder Biologika) sind biotechnologisch hergestellte Proteine wie monoklonale Antikörper (mAk) oder Zytokine. Laut Klimek sind sie in den letzten Jahren wohl die Revolution schlechthin in der Behandlung von chronisch-entzündlichen Erkrankungen und wurden weltweit bereits bei mehr als 450 Millionen Patienten angewendet – unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen, entzündlichen Darmerkrankungen und Asthma. Wie Klimek ausführte sind Biologicals maßgeschneiderte Medikamente, die genau und zielgerichtet ein definiertes Molekül im Rahmen der Immunantwort erkennen und somit zum Beispiel entzündungsfördernde Botenstoffe abfangen und neutralisieren. Ein prominentes Beispiel für den Erfolg dieser Strategie seien Antikörper gegen den Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α), der bei rheumatologischen Erkrankungen überschießend produziert wird. Auch die chronische Rhinosinusitis (CRS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Schleimhaut. Mit circa zehn bis 15 Prozent Betroffenen in der Bevölkerung in entwickelten Ländern sei es eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt, wie Klimek erläuterte. Insbesondere beim Vorliegen von Nasenpolypen bei CRS seien frühere Behandlungsoptionen hauptsächlich in der Gabe von Antibiotika, Cortisonpräparaten und in operativen Sanierungen der Nasennebenhöhlen gewesen. „Besonders bei Vorliegen von Begleiterkrankungen wie einem Asthma bronchiale, einer Urtikaria oder einem atopischen Ekzem können Biologicals heute sehr wirksam bei Nasenpolypen eingesetzt werden“, so Klimek. Hierbei spielten IgE-gerichtete Therapien zur Reduktion von zirkulierendem IgE (Omalizumab), die Blockade von IL-5 (Mepolizumab, Reslizumab) und die Blockade des Il-4/IL-13 vermittelten Signalwegs (Dupilumab) eine wesentliche Rolle. Zur Blockade der Interleukin-5 vermittelten Entzündungsreaktion stünden zwei verschiedene Strategien zur Verfügung: Elimination des zirkulierenden IL-5 oder Blockade des IL-5-Rezeptors (IL-5R) auf Eosinophilen und Basophilen, so Klimek weiter. Es bleibe abzuwarten, welche der Biologicals nur für besonders schwere, therapierefraktäre Fälle eingesetzt werden sollen oder welche als Alternative zur aktuellen Standardtherapie verwendet werden könnten, so Klimek. Die bisherigen Studien hätten vielfach zeigen können, dass neben einer Verbesserung der Symptome der Patienten auch Operationen eingespart werden konnten. Klimek betonte: “Durch diese individualisierten Behandlungsoptionen könnte zukünftig das Prinzip der „personalisierten Medizin“ auch für die CRS realisiert werden.
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