CNTD1-Mutationen als genetische Ursache für eine verminderte ovarielle Reserve31. Juli 2026 Symbolbild © Anat art/stock.adobe.com Integrierte genetische und funktionelle Analysen haben CNTD1 als essenziellen Regulator für die Aufrechterhaltung der ovariellen Reserve identifiziert. Eine verminderte ovarielle Reserve ist eine häufige Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit und betrifft etwa 10 Prozent der Frauen, die sich in Kinderwunschbehandlung begeben. Sie ist durch eine verringerte Anzahl und Qualität der Ovarialfollikel gekennzeichnet, was das reproduktive Potenzial beeinträchtigt und häufig einer prämaturen Ovarialinsuffizienz vorausgeht. Obwohl Umweltfaktoren, endokrine Einflüsse und das Alter zur Entstehung der Erkrankung beitragen, bleibt ein erheblicher Teil der Fälle genetisch ungeklärt, was die Möglichkeiten für eine Früherkennung, genetische Beratung und gezielte Interventionen einschränkt. In einer in der Fachzeitschrift „Genes & Diseases“ veröffentlichten Studie identifizierten Forschende der Chongqing Medical University (China) das Gen für „Cyclin N-terminal domain containing 1“ (CNTD1) als einen bislang unbekannte genetische Ursache für eine verminderte ovarielle Reserve. Zudem untersuchten sie die molekularen und funktionellen Auswirkungen einer neuartigen homozygoten, verkürzenden Mutation in diesem mit der Meiose assoziierten Gen. Mutation stört Follikelentwicklung und Meiose Die Forschenden führten eine Whole-Exome-Sequenzierung bei einer Patientin mit diagnostizierter verminderter ovarieller Reserve durch und identifizierten eine homozygote Spleißstellenmutation im CNTD1-Gen (c.823-2A>G). Um die Pathogenität dieser Variante zu belegen, kombinierten sie die Transkriptsequenzierung aus primären Leukozyten der Patientin mit einem Minigen-Spleiß-Assay. Dabei zeigten sie, dass die Mutation zu einem vollständigen Überspringen der Exons 6 und 7, einer teilweisen Deletion der 3′-UTR sowie dem abnormalen Verbleib eines Teilsegments des Introns 5 führte. Dies resultierte letztlich in einer Deletion mehrerer Basenpaare, die ein verkürztes CNTD1-Protein entstehen ließ. Um die physiologische Bedeutung eines CNTD1-Mangels zu erforschen, erstellten die Wissenschaftler ein mittels CRISPR/Cas9 generiertes Cntd1-Knockout-Mausmodell. Weibliche Knockout-Mäuse wiesen eine deutlich verringerte Ovariengröße sowie eine drastische Abnahme der Pools an primordialen und wachsenden Follikeln auf, was auf eine vorzeitige Erschöpfung der ovariellen Reserve hindeutet. Histologische Analysen zeigten eine schwere Beeinträchtigung der Follikulogenese, was mit dem bei der Patientin beobachteten, mit Unfruchtbarkeit einhergehenden Phänotyp übereinstimmt. Diese In-vivo-Ergebnisse bestätigen, dass CNTD1 eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Ovarialfunktion und der Bewahrung der für die weibliche Fertilität erforderlichen Follikelreserve spielt. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass CNTD1 vorwiegend in den Oozyten und nicht in den umgebenden Granulosazellen exprimiert wird, was seine zentrale Bedeutung für die Reifung weiblicher Keimzellen unterstreicht. Auf mechanistischer Ebene konnte die Studie nachweisen, dass funktionelles CNTD1 durch seine Interaktion mit PRR19 für die erfolgreiche Bildung meiotischer Crossover unerlässlich ist. Strukturelle und funktionelle Analysen zeigten zudem, dass das verkürzte CNTD1-Protein nicht mit PRR19 interagieren kann. Dies führt zu einer gestörten meiotischen Progression, einer beeinträchtigten Chromosomenrekombination und einer gestörten Oozytenentwicklung, was letztlich einen beschleunigten Verlust der Ovarialfollikel zur Folge hat. Diese Ergebnisse legten die molekulare Grundlage dafür offen, wie die identifizierte Mutation die normale meiotische Funktion stört. Neue Ansatzpunkte für Diagnostik und Risikobewertung Durch die Kombination humangenetischer Analysen mit molekularer Validierung und Tiermodellen konnten die Forschenden einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen einer CNTD1-Dysfunktion und verminderter ovarieller Reserve nachweisen. Die Studie ergänzt zudem frühere Beobachtungen aus Tiermodellen, indem sie erstmals klinische Belege für einen Zusammenhang zwischen einem CNTD1-Mangel und einer reproduktionsmedizinischen Erkrankung beim Menschen liefert. Zusammenfassend identifiziert dies Studie die Mutation CNTD1 c.823-2A>G als neue genetische Ursache für eine verminderte ovarielle Reserve und liefert mechanistische Einblicke in die Rolle der regulatorischen CNTD1-PRR19-Achse für den Erhalt der ovariellen Reserve. Diese Erkenntnisse erweitern das genetische Spektrum von verminderter ovarieller Reserve, verbessern das Verständnis der molekularen Mechanismen, die den Erhalt der ovariellen Reserve steuern, und heben CNTD1 als vielversprechenden Kandidaten für die genetische Diagnostik sowie die Einschätzung reproduktiver Risiken bei Frauen mit ungeklärter Ovarialinsuffizienz hervor. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Immuntherapie könnte die Fruchtbarkeit bei prämaturer Ovarialinsuffizienz vorübergehend wiederherstellen
Mehr erfahren zu: "Köln: Neues Zentrum für Rezidivtumoren im weiblichen Becken" Köln: Neues Zentrum für Rezidivtumoren im weiblichen Becken Die Uniklinik Köln hat das Centrum zur Behandlung und Erforschung von Rezidivtumoren im weiblichen Becken (CRB) gegründet.
Mehr erfahren zu: "Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend?" Sind Ärzte-Siegel des „Focus“ irreführend? Testsiegel für Ärzte unterliegen strengen Anforderungen sowohl in Bezug auf das zugrundeliegende Testverfahren als auch die Gestaltung der Test-Logos. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil zu Ärzte-Siegeln der […]
Mehr erfahren zu: "Neue App zur personalisierten Unterstützung bei erblichem Brust- und Eierstockkrebs" Neue App zur personalisierten Unterstützung bei erblichem Brust- und Eierstockkrebs Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover haben eine neue App entwickelt, die Frauen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs nach genetischer Beratung mit personalisierten Informationen und Unterstützung begleiten soll. zur Unterstützung. Jetzt […]