Cochrane Review: Bewegung lindert motorische Symptome bei Parkinson23. März 2023 Foto: © Christian Northe – Pixabay „Hauptsache Bewegung!“ – so lautet das Fazit eines aktuellen Cochrane-Reviews, der die Wirksamkeit von Bewegungsangeboten für Menschen mit Morbus Parkinson untersucht hat. Die Art der Bewegung scheint dabei zweitrangig zu sein. Die Autoren des Reviews konnten 156 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) auswerten, die ein Bewegungsangebot mit keiner Bewegung oder mit anderen Bewegungsangeboten verglichen. Insgesamt wurden 7939 Personen aus der ganzen Welt in die Übersichtsarbeit eingeschlossen, was sie zum größten und umfassendsten systematischen Review über die Auswirkungen verschiedener Bewegungsangebote bei Menschen mit Morbus Parkinson macht. Die Arbeit an dem Review wurde von Elke Kalbe, Professorin für Medizinische Psychologie an der Universität zu Köln, geleitet. Die Auswertung der verfügbaren Evidenz aus RCTs ergab, dass strukturierte Bewegungsangebote – von Tanzen, Bewegung im Wasser (z. B. Gangtraining oder Wassergymnastik), Krafttraining und Ausdauertraining bis hin zu Tai Chi, Yoga und Physiotherapie – leichte bis starke Verbesserungen des Schweregrads von Bewegungssymptomen und der Lebensqualität bewirken. „Parkinson kann nicht geheilt, aber die Symptome können gelindert werden, wobei auch Physiotherapie oder andere Bewegungsangebote helfen können. Bislang war unklar, ob bestimmte Arten von Bewegung besser wirken als andere. Wir wollten herausfinden, welche Bewegungsangebote am besten geeignet sind, um den Schweregrad der Bewegungssymptome und die Lebensqualität zu verbessern”, sagte Kalbe. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer in den eingeschlossenen Studien lag zwischen 60 und 74 Jahren. Die meisten von ihnen waren leicht bis mittelschwer erkrankt und hatten keine schweren kognitiven Beeinträchtigungen. Die statistische Auswertung der Studienergebnisse ergab, dass den Teilnehmer die meisten Bewegungsangebote im Vergleich zu keiner Bewegung halfen. „Wir beobachteten klinisch bedeutsame Verbesserungen im Schweregrad motorischer Symptome für die meisten Bewegungsangebote. Dazu gehörten Tanzen, Gang-, Gleichgewichts- und Funktionstraining, multimodales Training, also eine Kombination mehrerer Bewegungsformen, und Körper-Geist-Training wie Tai Chi oder Yoga”, sagte Erstautor und stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe für evidenzbasierte Medizin am Uniklinikum Köln, Moritz Ernst. Ähnliche Verbesserungen beim Schweregrad der Bewegungssymptome erzielten Bewegung im Wasser, Krafttraining und Ausdauertraining. Die Datenlage reiche jedoch nicht aus, um das genaue Ausmaß der Symptomverbesserungen zu bestimmen. Somit sei auch nicht gesichert, inwieweit diese Verbesserungen klinisch bedeutsam seien. „Was die Lebensqualität betrifft, beobachteten wir klinisch bedeutsame positive Effekte für Bewegung im Wasser und wahrscheinlich auch für andere Arten von Übungen, wie Ausdauertraining, Körper-Geist-Training, Gang-, Gleichgewichts- und Funktionstraining sowie multimodales Training. Auch hier reichte die Datenlage jedoch nicht, um das genaue Ausmaß der Verbesserungen zu bestimmen“, sagte Ernst. Die Autoren räumen ein, die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für diese Ergebnisse sei in vielen Fällen nicht groß. Dies liege vor allem daran, dass viele Studien sehr klein waren und häufig nicht alle Informationen über den Schweregrad motorischer Symptome und die Lebensqualität aller Teilnehmer berichtet wurden. In ihrem Fazit betonen die Autoren jedoch, dass die Daten dennoch darauf hinweisen, dass die meisten Bewegungsangebote zu bedeutenden Verbesserungen führen, und dass es dabei kaum Anzeichen von Unterschieden zwischen den verschiedenen Übungsarten gibt. „Unsere Ergebnisse sind eine gute Nachricht, denn sie zeigen, dass Patienten mit Morbus Parkinson von verschiedenen strukturierten Bewegungsprogrammen profitieren können, um den Schweregrad der motorischen Symptome und die Lebensqualität zu verbessern“, sagte Kalbe. „Unsere Übersichtsarbeit unterstreicht die Bedeutung von strukturierter körperlicher Bewegung im Allgemeinen, während die genaue Art der Bewegung zweitrangig sein könnte. Deshalb sollten die persönlichen Vorlieben von Menschen mit Parkinson besonders berücksichtigt werden, um sie zu motivieren, überhaupt an einem Bewegungsprogramm teilzunehmen. Hauptsache Bewegung!“ Kalbe weist darauf hin, die Ergebnisse schlössen nicht aus, dass bestimmte motorische Symptome am wirksamsten durch speziell für Menschen mit Parkinson konzipierte Programme wie Physiotherapie behandelt werden können. Die Aussagen der aktuellen Arbeit bezögen sich eben auf den insgesamt eingeschätzten Schweregrad von Bewegungssymptomen. „Auf diesem Gebiet wird bereits viel geforscht. Wir möchten die Forscher aber ermutigen, größere Studien mit klar definierten Stichproben durchzuführen. Auf diese Weise könnten wir in Zukunft Schlussfolgerungen mit noch größerer Vertrauenswürdigkeit ziehen“, sagte Ernst. „Außerdem sollten sich Studien vermehrt auf Menschen mit fortgeschrittener Krankheit und mit kognitiven Einschränkungen konzentrieren, damit wir beurteilen können, inwieweit strukturierte Bewegungsangebote auch für diese Menschen von Vorteil ist.“
Mehr erfahren zu: "Früher Treiber der Hirnalterung identifiziert" Früher Treiber der Hirnalterung identifiziert Forschende haben einen zentralen molekularen Mechanismus der Hirnalterung entschlüsselt. Die Studie zeigt, dass bestimmte Enzyme im Alter nicht verschwinden, sondern durch oxidative Veränderungen inaktiviert werden – ein Prozess, der sich […]
Mehr erfahren zu: "Myelinbildung durch Glukosesspiegel reguliert: Neue Ansatzpunkte für neurologische Erkrankungen" Myelinbildung durch Glukosesspiegel reguliert: Neue Ansatzpunkte für neurologische Erkrankungen Eine neue Studie aus den USA hat entdeckt, dass der Glukosespiegel im Gehirn die Myelinbildung beeinflusst. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für eine breite Palette von Pathologien, die durch eine […]
Mehr erfahren zu: "Hitzige Debatten zum Spargesetz beim Gesundheitskongress des Westens" Hitzige Debatten zum Spargesetz beim Gesundheitskongress des Westens Der diesjährige Gesundheitskongress des Westens am 7. und 8. Mai in Köln kam genau zur richtigen Zeit: Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz ist vom Kabinett beschlossen, aber noch nicht in Stein gemeißelt. Die […]