Cochrane Review zu Nutzen von hochintensivem Intervalltraining bei Gesunden

Ein aktueller Cochrane Review hat den Nutzen von hochintensivem Intervalltraining zur Reduktion des kardiometabolischen Risikos bei gesunden Erwachsenen untersucht. Symbolbild: nextzimost/stock.adobe.com

Ein aktueller Cochrane Review hat untersucht, ob hochintensives Intervalltraining (HIIT) bei gesunden, aber bislang körperlich inaktiven Erwachsenen das kardiometabolische Risiko reduziert. Im Vergleich zu keiner Trainingsintervention zeigen sich deutliche, im Vergleich zu klassischem Ausdauertraining wahrscheinlich nur leichte Vorteile.

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung bewegt sich weniger als die WHO empfiehlt – also pro Woche weniger als 150 Minuten in moderater Intensität bzw. weniger als 75 Minuten intensiv. Ein aktueller Cochrane Review hat jetzt untersucht: Inwiefern profitieren gesunde Menschen, denen es nach WHO-Standards bislang an Bewegung mangelte, von hochintensivem Intervalltraining (HIIT)?

HIIT möglicherweise mit Vorteilen

Der Review zeigt knapp zusammengefasst: HIIT hat im Vergleich zu „keiner Trainingsintervention“ wahrscheinlich deutliche Vorteile mit Blick auf die kardiorespiratorische Fitness (gemessen über die maximale Sauerstoffaufnahme, VO₂max). Auch verglichen mit klassischem, also moderat anstrengendem Ausdauertraining ohne Pause hat HIIT möglicherweise Vorteile – jedoch nur leichte.

„Allerdings: Bei wichtigen Markern für die Herz-Kreislaufgesundheit – dem Blutdruck zum Beispiel – gibt es möglicherweise keinen Unterschied zwischen HIIT und klassischem Ausdauertraining“, ergänzt Prof. Lukas Schwingshackl. Er ist Arbeitsgruppenleiter am Institut für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg und einer der Autoren des neuen Reviews. „Für manche Menschen könnte HIIT aber aus einem anderen Grund attraktiv sein: Diese Trainingsform ist kompakter und abwechslungsreicher und könnte deshalb für den einen oder anderen interessanter sein als das klassische, für manche vielleicht etwas monotone Ausdauertraining.“

Studien oft nur mit kleinen Kohorten

Die Cochrane-Autor:innen haben 58 Studien mit insgesamt mehr als 2.000 Männern und Frauen in ihren Review eingeschlossen – darunter sowohl Menschen mit Übergewicht als auch Normalgewichtige. Einige Studien untersuchten nur Männer oder Frauen und etwa die Hälfte der Studien untersuchte beide Geschlechter gleichzeitig. Die meisten Studien waren mit 14 bis 90 Teilnehmenden klein. Untersucht wurde, ob HIIT die kardiorespiratorische Fitness, den Blutdruck, die Triglycerid-Spiegel im Blut und den Bauchumfang – als Maß für abdominale Fettverteilung – verbessert. Diese Kenngrößen hängen mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen.

Die HIIT-Programme, die in den 58 Studien untersucht wurden, unterschieden sich stark: Sie reichten von sehr kurzen Maximalsprints bis zu mehreren vierminütigen Belastungsphasen und fanden je nach Studie über 4 bis 16 Wochen an zwei bis fünf Tagen pro Woche statt.

Vergleich zu klassischem Ausdauertraining

Im Vergleich zu klassischem Ausdauertraining verbessert HIIT möglicherweise die kardiorespiratorische Fitness etwas stärker (37 Studien, GRADE: niedrig). Laut einer Subgruppeanalyse könnte dieser Vorteil bei Frauen größer sein als bei Männern. Bei den Triglycerid-Spiegeln im Blut und dem Blutdruck gibt es dagegen möglicherweise keinen Unterschied zwischen HIIT und herkömmlichem Ausdauertraining (18 Studien, GRADE: niedrig). Auch die Wirkung auf den Bauchumfang ist bei HIIT und herkömmlichen Ausdauertraining wahrscheinlich ähnlich (5 Studien, GRADE: moderat).

„Es ist überraschend, dass sich in zahlreichen Studien kaum Unterschiede zwischen HIIT und klassischem Ausdauertraining zeigen und wichtige klinische Endpunkte wie Herzinfarkte, die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes und Sterblichkeit gar nicht untersucht wurden. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die meisten Studien klein, kurz und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt sind – belastbare Aussagen zu langfristigen Effekten fehlen“, ordnet Schwingshackl diese Ergebnisse ein.

Keine Daten zur Sicherheit

Einige eingeschlossene Studien, die allesamt zwischen 4 und 16 Wochen liefen, verglichen HIIT auch mit „keiner Trainingsintervention“. Dabei zeigte sich: HIIT sorgt nicht nur wahrscheinlich für eine bessere kardiorespiratorische Fitness, sondern auch der Bauchumfang schrumpft – und zwar durchschnittlich um rund 3,6 cm. Mit Blick auf Blutdruck und Triglyceride war die Datenlage beim Vergleich von HIIT und „keiner Trainingsintervention“ nicht gut genug, um belastbare Aussagen ableiten zu können.

Der Review liefert ebenfalls keine belastbaren Informationen zur Sicherheit von HIIT, etwa zu Verletzungen oder Überlastung. Keine der 58 eingeschlossenen Studien berichtete über unerwünschte Ereignisse, und es ist unklar, ob diese überhaupt systematisch erfasst wurden. „Aus dem Review lässt sich daher nicht schließen, dass HIIT für gesunde Menschen mit Bewegungsmangel sicher ist – sondern nur, dass die Studien dazu kaum verwertbare Daten liefern“, erläutert Schwingshackl. „Zudem wurden alle HIIT-Programme unter Aufsicht durchgeführt. Ob Erwachsene, die sich bisher zu wenig bewegen, HIIT auch im Alltag alleine sicher und praktikabel umsetzen können, bleibt also offen.“

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