Gelungenes Comeback in der analogen Kongresswelt

Gongschlag zum Ende eines erfolgreichen Präsenzkongresses: Arnulf Stenzl, Margit Fisch (v.l.). Foto: Schmitz

Während andere medizinische Großveranstaltungen noch im Netz verharren, kann die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) nach ihrem ersten physischen Kongress seit Beginn der Corona-Pandemie ein positives Fazit ziehen.

Gut 4600 Teilnehmende aus dem In- und Ausland haben den 73. DGU-Kongress vom 15.-18.09.2021 vor Ort im Internationalen Congresscenter Stuttgart (ICS) besucht und die Gelegenheit zum persönlichen fachlichen Dialog genutzt. Da die anderen großen urologischen Kongresse dieses Jahr online stattfanden, war der DGU-Kongress der weltweit größte Präsenzkongress für Urologie 2021. Gleichzeitig wurde der Kongress auch virtuell angeboten. Die reinen Online-Teilnehmer bezifferte Präsident Prof. Arnulf Stenzl beim Abschlussplenum auf 195. Dies zeige, dass die weitaus meisten Kongressteilnehmer den Austausch vor Ort dem virtuellen Informationsangebot vorgezogen hätten.

Wissenschaftlicher Austausch in persönlichem Rahmen

„Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, dem wissenschaftlichen Austausch in unserem Fach wieder den gewohnt konstruktiven und persönlichen Rahmen zu geben und haben mit dem Livestream das Beste aus zwei Welten zusammengeführt. Damit hat die DGU ein Veranstaltungsmodell der Zukunft umgesetzt, das den Anforderungen zeitgemäßer Medizinkongresse entspricht“, resümiert Stenzl. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Urologie, Tübingen, hatte unter dem Kongressmotto „eUrologie“ sowohl die „Eurologie“ im Sinne der europäischen Zusammenarbeit in der Urologie, etwa bei der Erstellung europäischer Leitlinien, als auch die Digitalisierung im urologischen Alltag und mit der €urologie außerdem das Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie in den Fokus gestellt (wir berichteten). Zum Kongress-Auftakt richtete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Video-Botschaft an die Urologen.

Das wissenschaftliche Programm des 73. DGU-Kongresses bildete aktuelle Erkenntnisse aus den verschiedenen Bereichen der Urologie ab: Updates zu allen urologischen Tumoren, zu uroonkologischen Leitlinien, neue Erkenntnisse zu personalisierten onkologischen Therapien und zu minimalinvasiven Therapien von Harnsteinen, der gutartigen Prostatavergrößerung und der Harninkontinenz gehörten dazu. Auch die Virologie mit dem Urologen als Impfarzt und dem Appell zur HPV-Impfung für Jungen, Antibiotikaresistenz in Europa und interdisziplinäre Leitlinien in der Kinderurologie standen auf der Agenda. Genetische Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches beim Mann, Kryokonservierung von Spermien und Hodengewebe als Kassenleistung sowie männliche Infertilität als Spiegel der Gesundheit lauteten aktuelle Themen aus der Andrologie. Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen und der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Kommissar Günter Oettinger zählten zu den prominenten Referenten vor Ort in Stuttgart.

Ebenfalls in prominenter Besetzung mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, diskutierten die Urologen in Stuttgart die fachärztliche Weiterbildung und forcierten die Implementierung des neuen DGU-zertifizierten transsektoralen Weiterbildungscurriculums Urologie (WECU), mit dem die Fachgesellschaft mehr gut ausgebildete Fachärztinnen und -ärzte für Urologie generieren will. Das sei in der prosperierenden Urologie mit einem Plus von rund 20 Prozent beim Versorgungszuwachs eine zentrale Zukunftsaufgabe, so WECU-Initiator und DGU-Generalsekretär Prof. Maurice Stephan Michel.

Mit der „Arbeitsgemeinschaft sektorenübergreifende fachärztliche urologische Versorgung“ sowie der „Arbeitsgemeinschaft Urologinnen“ stellte der Generalsekretär auf dem Kongress zwei weitere Bausteine aus der „Zukunftsoffensive Urologie“ vor. Die „AG Urologinnen“ soll eine strukturelle Frauen-Förderung in der Urologie voranbringen und beging ihre Gründungsveranstaltung in Stuttgart.

Auszeichnungen und Wahlen

Mit der höchsten Auszeichnung der DGU, der Maximilian-Nitze-Medaille für besondere Verdienste für das Fach Urologie, wurde in Stuttgart Prof. Urs Studer, Bern (Schweiz), geehrt. Prof. Derya Tilki, Hamburg, erhielt mit dem Maximilian Nitze-Preis die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Fachgesellschaft. Zu korrespondierendemn Mitgliedern ernannte die DGU Prof. Peter Black, Vancouver (Kanada) und Prof. James Catto, Sheffield (Großbritannien).

Mit der Vergabe des Medienpreises Urologie 2021 an den Autor und Filmemacher Marco Giacopuzzi für seine Langzeit-Dokumentation „Max – Leben mit der neuen Niere“, die im “hr fernsehen” ausgestrahlt wurde, hebt die DGU als Vertretung eines transplantierenden Fachgebiets auch die Bedeutung der Organspende hervor, denn die Corona-Pandemie hat die Zahl der Organtransplantationen weltweit gesenkt.

Bei den turnusgemäßen DGU-Neuwahlen wurde Prof. Jürgen Gschwend, München, als 2. DGU-Vizepräsident gewählt; Prof. Martin Kriegmair, München, rückte damit zum 1. Vizepräsidenten auf.

Schatzmeister Prof. Christian Bolenz, Ulm, wurde im Amt bestätigt, ebenso wie Prof. Daniela Schultz-Lampel, Villingen-Schwenningen, und Dr. Thomas Speck, Berlin, für das Vorstandsressort Wissenschaft und Praxis sowie Prof. Marc-Oliver Grimm, Jena, für das Ressort Fort- und Weiterbildung. Neu in den DGU-Vorstand gewählt wurde Prof. Axel Haferkamp, Mainz, für das Ressort Forschungsförderung.

(DGU/ms)