COPD: Bedeutung von Infektionen der unteren Atemwege vor Diagnose12. Oktober 2023 In einer Untersuchung unter 215.234 Patienten mit Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) in England haben Wissenschaftler den Zusammenhang von Infektionen der unteren Atemwege (LRTIs) vor dem Auftreten einer COPD mit nachfolgenden Exazerbationen und der Mortalität erforscht. Für ihre Analyse hatten die Studienautoren Daten des Clinical Practice Research Datalink Aurum, der Hospital Episode Statistics und des Office of National Statistics verwendet. Den Beginn des Follow-up markierte das Datum der 1. COPD-Diagnose. Mild verlaufende LRTIs (definiert als Behandlung durch den Hausarzt/keine Antibiotika) sowie mittelschwere LRTIs (Behandlung durch den Hausarzt/Therapie mit Antibiotika) und schwere LRTIs (Hospitalisierung) wurden für das Jahr vor dem Beginn des Follow-up (also der 1. COPD-Diagnose) ermittelt. Die Forschenden teilten die in ihre Analyse aufgenommenen COPD-Patienten in verschiedene Kategorien ein: keine vorherigen LRTIs, 1 nur leichte LRTI, ≥2 nur leichte LRTIs, 1 mittelschwere LRTI, ≥2 mittelschwere LRTIs sowie ≥1 schwere LRTI. Die Forschenden stellten bei ihrer Auswertung der Daten fest, dass die zunehmende Häufigkeit und der Schweregrad leichter und mittelschwerer LRTIs im Vergleich zu keinen LRTIs mit einer höheren Rate nachfolgender COPD-Exazerbationen verbunden war. Für 1 nur leichte LRTI ergab sich ein adjustiertes Inzidenzratenverhältnis (aIRR) von 1,16 (95%-KI 1,14–1,18 und für ≥2 nur leichte LRTIs ein aIRR von 1,51 (95%-KI 1,46–1,55). Im Falle von 1 mittelschweren LRTI im Vorfeld der COPD-Diagnose errechneten die Studienautoren ein aIRR von 1,81 (95%-KI 1,78–1,85) und für ≥2 mittelschwere LRTIs ein aIRR von 2,55 (95%-KI 2,48–2,63). Patienten, die vor der COPD-Diagnose ≥1 schwere LRTI erlitten hatten, zeigten im Vergleich zu solchen ohne vorangegangene LRTI auch eine erhöhte Rate zukünftiger Exazerbationen (aIRR 1,75; 95%-KI 1,70–1,80). Dieses Muster der Assoziation beurteilten die Wissenschaftler für das Risiko der Mortalität insgesamt und der Sterblichkeit im Zusammenhang mit der COPD als ähnlich. Dabei waren laut der Analyse allerdings Patienten mit ≥1 schweren LRTI mit dem höchsten Risiko für Gesamtmortalität und COPD-Mortalität belastet. Fazit Eine zunehmende Häufigkeit und ein höherer Schweregrad von LRTIs vor der COPD-Diagnose waren mit einer steigenden Exazerbationsrate und einem erhöhten Risiko für Gesamtmortalität und COPD-bedingte Mortalität assoziiert. (ac) Autoren: Whittaker H et al. Korrespondenz: Hannah Whittaker; [email protected] Studie: Frequency and severity of respiratory infections prior to COPD diagnosis and risk of subsequent postdiagnosis COPD exacerbations and mortality: EXACOS-UK health care data study Quelle: Thorax 2023;78(8):760–766. Web: https://doi.org/10.1136/thorax-2022-219039
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