COPD: Positionspapier macht konkrete Vorschläge für bessere Diagnostik und benennt umfassend Risikofaktoren15. September 2022 Wolfram Windisch (li., Foto: © privat) und Diana Stolz (Foto: © Uniklinik Freiburg) Ein neues Positionspapier gibt Denk- und Handlungsanstöße zu neuen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und zu damit zusammenhängenden Risikofaktoren: Mehr als vier Jahre hat eine Kommission aus 29 internationalen COPD-Experten daran gearbeitet. „Dieses Positionspapier ist mutig und wegweisend in vielerlei Hinsicht. Es macht die enorme epidemio-logische, gesellschaftliche und auch volkswirtschaftliche Bedeutung von COPD klar. Es zeigt, auch im Vergleich mit anderen Volkskrankheiten, wie wenig wir dennoch in der Bekämpfung bisher geschafft haben. Und das Wichtigste: Es macht konkrete Lösungsvorschläge, wie wir es schaffen könnten“, sagt Prof. Wolfram Windisch, Stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sowie Chefarzt der Lungenklinik Köln-Merheim.„COPD wird von vielen Menschen sehr stark mit Tabakrauchen assoziiert. Das ist auch ein wesentlicher Risikofaktor, aber es gibt eben auch nennenswerte andere Faktoren, die wir genau beobachten müssen. Deswegen haben wir eine neue Klassifizierung von fünf COPD-Typen entwickelt“, erklärt Prof. Daiana Stolz, Erstautorin des Positionspapiers und Ärztliche Direktorin der Klinik für Pneumologie des Universitätsklinikums Freiburg. Demzufolge gibt es genetische Risikofaktoren sowie Faktoren, die mit frühkindlichen Ereignissen zusammenhängen und die COPD-Wahrscheinlichkeit erhöhen, beispielsweise Frühgeburtlichkeit. Auch durchgemachte Infektionen lassen das Risiko dafür, an COPD zu erkranken, ansteigen – ebenso wie Umweltfaktoren (z.B. Luftverschmutzung). Nach wie vor auf der Experten-Liste der Risikofaktoren steht natürlich auch das Rauchen. Dabei können Betroffene auch mehreren Risikofaktoren gleichzeitig ausgesetzt sein – zum Beispiel wenn sie rauchen und haben eine genetische Prädisposition besitzen –, was die Lungengesundheit noch mehr schädigen kann. In Abhängigkeit von diesen jeweiligen Risikofaktoren gilt es dann, auch die individuelle COPD-Therapie zu finden.Gezielter behandeln: Empfindlichere Diagnostik-Tools sind nötig„Seit Jahrzehnten beruht die COPD-Diagnostik fast ausschließlich auf der Spirometrie. Das Problem ist, dass dieser Lungenfunktionstest frühe COPD-Stadien nicht zuverlässig erkennen kann, sondern nur fort-geschrittene – und damit irreversible – Krankheitsstadien“, unterstreicht Stolz. Die Autoren des Positionspapiers plädieren daher unter anderem für sensitivere Lungenfunktionstests, die Berücksichtigung von individuellen Risikofaktoren in der Anamnese und auch unterstützende bildgebende Verfahren in der Diagnostik. Was die akute Verschlimmerung einer COPD, als die Exazerbation, angeht, schlagen die Experten eine neue Definition vor. Anhand objektiver, messbarer Kriterien, wie zum Beispiel bestimmten Entzündungen, ließen sich Betroffene so viel gezielter behandeln als aktuell.COPD-Bekämpfung braucht globale und koordinierte Kraftanstrengung„COPD ist eine globale Erkrankung, die auch mit Armut korreliert: Länder mit geringerem Einkommen haben auch mehr Fälle. Deswegen sollten alle Gesellschaftsschichten Zugang zu Diagnostik und Behandlung haben“, fordert Stolz. Die Vision, COPD langfristig zu eliminieren, bedarf einer weltweiten Kraftanstrengung, bei der alle Stakeholder konsequent und koordiniert zusammenarbeiten – nicht nur medizinische Fachkräfte, sondern auch staatliche Behörden, die Privatwirtschaft und die breite Öffentlichkeit. „COPD geht alle Menschen an, nicht nur Raucher. Wir müssen uns als Gesellschaft darum kümmern, denn diese Volkskrankheit ist bedrohlich und kostet viel Geld und Lebensqualität. Durch Vermeiden von Rauchen und Umweltverschmutzung sowie Armutsbekämpfung können wir aktiv Einfluss darauf nehmen“, ergänzt Windisch.
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