COVID-19: Eindämmung mit Selbstisolierung und Kontaktverfolgung18. November 2020 © Mirko Vitali – stock.adobe.com (Symbolbild) In Übereinstimmung mit früheren Modellstudien und länderspezifischen Reaktionen auf COVID-19 schätzen die Autoren einer aktuellen Analyse, dass für die Sicherstellung einer effektiven Reproduktionszahl <1 ein großer Anteil der Patienten mit Infektion eine Selbstisolation befolgen und ein großer Teil ihrer Kontakte erfolgreich verfolgt werden müsste, sofern keine anderen Maßnahmen getroffen werden. In Kombination mit moderaten Maßnahmen im Hinblick auf physische Distanzierung würden Selbstisolierung und Kontaktverfolgung mit höherer Wahrscheinlichkeit eine SARS-CoV-2-Transmissionskontrolle bewirken, schreiben die Wissenschaftler. Um die Infektionskontrolle aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Beeinträchtigung der Bevölkerung zu verringern, müsse man verstehen, welche Kombination von Maßnahmen – einschließlich neuer Ansätze einer digitalen Nachverfolgung und weniger intensiver physischer Distanzierung – erforderlich sein könnten, um Übertragungen des Virus zu reduzieren. Die Wissenschaftler führten daher eine mathematische Modellstudie durch, für die sie ein Modell der Übertragung auf Personenebene verwendeten, das nach Setting (Haushalt, Arbeit, Schule oder andere) stratifiziert war. Grundlage der Studie waren die Daten von 40.162 Teilnehmern des Projektes „BBC Pandemic“ in Großbritannien, für das mithilfe der freiwilligen Nutzung einer Tracing-App Informationen gesammelt wurden, die die Ausbreitung einer hypothetischen Influenza-Pandemie abbilden sollten. Die Autoren der aktuellen Studie simulierten an diesen Daten den Effekt einer Reihe verschiedener Test-, Isolations-, Tracing- und physischer Distanzierungsszenarien. Unter optimistischen, aber plausiblen Annahmen schätzten die Wissenschaftler die Verringerung der effektiven Reproduktionszahl und der Anzahl der Kontakte, die jeden Tag unter verschiedenen Strategien neu unter Quarantäne gestellt würden. Laut der Berechnung würden kombinierte Isolations- und Verfolgungsstrategien eine Virusübertragung stärker reduzieren als Massentests oder Selbstisolierung allein: mittlere Übertragungsreduzierung von 2% für Massen-Zufallstests bei 5% der Bevölkerung pro Woche, 29% für Selbstisolierung allein von symptomatischen Fälle innerhalb des Haushaltes, 35% für die Selbstisolation allein außerhalb des Haushalts, 37% für die Selbstisolation plus Haushaltsquarantäne, 64% für Selbstisolation und Haushaltsquarantäne plus manuelle Verfolgung aller Kontakte, 57% für Selbstisolation und Haushaltsquarantäne plus manuelle Verfolgung nur von Bekannten und 47% für Selbstisolation und Haushaltsquarantäne plus App-basierte Rückverfolgung. Würden Zusammenkünfte außerhalb von Haushalt, Schule oder Arbeit eingeschränkt, könnte sich die manuelle Kontaktverfolgung von Bekannten allein auf die Übertragungsreduzierung auswirken, ähnlich wie bei der detaillierten Kontaktverfolgung, stellten die Forscher fest. In einem Szenario, in dem 1000 neue symptomatische Fälle pro Tag auftraten, die die Definition zum Auslösen einer Kontaktverfolgung erfüllten, berechneten die Wissenschaftler, dass bei den meisten Kontaktverfolgungsstrategien täglich 15.000–41.000 Kontakte neu unter Quarantäne gestellt werden würden. Fazit Die Autoren schätzen in der Analyse, dass für die Sicherstellung einer effektiven Reproduktionszahl <1 ein großer Anteil der Patienten mit Infektion eine Selbstisolation befolgen und ein großer Teil ihrer Kontakte erfolgreich verfolgt werden müsste, sofern keine anderen Maßnahmen getroffen werden. (ac) Autoren: Kucharski AJ et al. Korrespondenz: Adam J. Kucharski; [email protected] Studie: Effectiveness of isolation, testing, contact tracing, and physical distancing on reducing transmission of SARS-CoV-2 in different settings: a mathematical modelling study Quelle: Lancet Infect Dis 2020;S1473-3099(20)30457-6. Web: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(20)30457-6
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