COVID-19-Impfungen: US-Amerikaner billigen Priorisierung weitestgehend

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Bei der Verteilung von COVID-19-Impfstoffen standen die politischen Entscheidungsträger vor dem Problem zu entscheiden, welche Bevölkerungsgruppen bei einer Impfung vorrangig berücksichtigt werden sollten.

Um die Präferenzen der Bevölkerung in Bezug auf die Priorisierung bei COVID-19-Impfungen zu ermitteln, führten US-Forschende eine Umfragestudie durch. Diese bestand aus 2 voneinander unabhängigen Online-Befragungen unter US-amerikanischen Erwachsenen: eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes Gallup (14.–27.09.2020) sowie der COVID Collaborative Survey (19.–25.09.2020). Die Stichproben waren gewichtet, um soziodemografische Merkmale der US-Bevölkerung widerzuspiegeln.

Man bat die Teilnehmer, Gruppen für COVID-19-Impfungen zu priorisieren bzw. ihre Gründe in eine Reihenfolge zu bringen. Die Studie bewertete neben den Priorisierungspräferenzen auch die Haltung gegenüber den Vorgaben für die gerechte Zuteilung von COVID-19-Impfstoffen durch die National Academies of Science, Engineering and Medicine im Rahmen des Preliminary Framework for Equitable Allocation of COVID-19 Vaccine.

Insgesamt nahmen 4735 Personen teil: 2730 (1474 Männer [54,1%]; mittleres Alter: 59,2 [SD 14,5] Jahre) an der Gallup-Umfrage und 2005 (944 Männer [47,1%]; 203 Teilnehmer [21,5%] im Alter von 55–59 Jahren) am COVID Collaborative Survey. In beiden Umfragen wurden in den 4 höchsten Prioritätengruppen medizinisches Personal (Gallup: 93,6%; 95%-KI 91,2–95,3; COVID Collaborative Survey: 80,0%; 95%-KI 78,0–81,9) und Erwachsene jeden Alters mit schwerer Komorbidität eingeordnet (Gallup: 78,6%; 95%-KI 75,2–81,7; COVID Collaborative: 72,9%; 95%-KI 70,7–74,9).

Die Befragten aller politischen Lager stimmten der Priorisierung von Personen afro- und lateinamerikanischer Abstammung sowie von Native Americans und weiteren Bevölkerungsgruppen zu, die überproportional stark von COVID-19 betroffen sind (Gallup: 74,2%; 95%-KI 70,6–77,5; COVID Collaborative: 84,9%; 95%-KI 83,1–86,5). Die Befragten der COVID Collaborative waren bereit, Lehrern und Erziehern (92,5%; 95%-KI 91,2–93,7) und Beschäftigten in der Lebensmittelbranche (85,9%; 95%-KI 84,2–87,5) den Vortritt zu lassen. Ältere Befragte in beiden Umfragen ordneten deutlich seltener als jüngere Befragte gesunde Erwachsene im Alter >65 Jahre in ihre 4 höchsten Prioritätengruppen ein.

Personen aus der Umfrage der COVID Collaborative waren der Ansicht, dass die 4 wichtigsten Aspekte für die Priorisierung darin bestanden, die Verbreitung von COVID-19 zu unterbinden (78,4%; 95%-KI 76,3–80,3), möglichst viele Todesfälle (72,1%; 95%-KI 69,9–74,2) sowie Langzeitkomplikationen zu verhindern (68,9%; 95%-KI 66,6–71,9) und Beschäftigte an vorderster Front zu schützen (63,8%; 95%-KI 61,5–66,1).

Fazit
Die Studienautoren fassen zusammen, dass US-amerikanische Erwachsene die bestehende Priorisierung weitestgehend billigen. Befürwortet werde im Allgemeinen außerdem die Priorisierung besonders betroffener ethnischer Gruppen. Die Zurückhaltung Älterer gegenüber einer Priorisierung von Personen im Alter von >65 Jahren gebe Anlass zur Vorsicht gegenüber Plänen zur Verteilung von COVID-19-Impfstoffen, bei denen gesunden Erwachsenen über einem bestimmten Cut-off-Alter Priorität eingeräumt wird, ohne Jüngere mit Vorerkrankungen einzubeziehen, und die ausschließlich darauf abzielen, möglichst viele Todesfälle zu verhindern oder die Beschäftigten an vorderster Front und überproportional betroffenen Bevölkerungsgruppen keinen Vorrang einräumen. (mm)

Autoren: Persad G et al.
Korrespondenz: Ezekiel J. Emanuel; [email protected]
Studie: Public Perspectives on COVID-19 Vaccine Prioritization
Quelle: JAMA Netw Open 2021;4(4):e217943.
Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2021.7943