COVID-19: Offenbar letzten Endes eine Erkrankung des Endothels

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Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hält die Welt in Atem, nicht zuletzt wegen seiner extrem unterschiedlichen Verläufe und vielfältigen Auswirkungen auf mehrere Organsystemen, einschließlich Lunge, Herz, Gehirn, Niere und Gefäßsystem.

Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner untersuchen Prof. Peter Libby von der Harvard Medical School in Boston, USA, und Prof. Thomas Lüscher vom Imperial College in London, Großbritannien, die Hypothese, dass COVID-19, insbesondere in den späteren komplizierten Stadien, eine Endothelerkrankung darstellt: „Das Konzept von COVID-19 als Endothelkrankheit liefert ein einheitliches pathophysiologisches Bild dieser grassierenden Infektion und bietet auch einen Rahmen für eine rationale Behandlungsstrategie in einer Zeit, in der wir über eine in der Tat bescheidene Evidenzbasis verfügen, um unsere therapeutischen Versuche zur Bekämpfung dieser neuartigen Pandemie zu steuern.“

Das Gefäßendothel stelle die entscheidende Schnittstelle zwischen dem Blutkompartiment und dem Gewebe dar und weist eine Reihe bemerkenswerter Eigenschaften auf, die normalerweise die Homöostase aufrechterhalten, führen sie aus. Diese streng regulierte Funktionspalette umfasst die Kontrolle von Hämostase, Fibrinolyse, Vasomotion, Entzündung, oxidativem Stress, Gefäßpermeabilität und Struktur.

Diese Funktionen sind an der Regulierung des Kreislaufs von Moment zu Moment beteiligt und koordinieren viele Abwehrmechanismen des Wirts. Dennoch können sie auch zu Krankheit beitragen, wenn ihre normalerweise homöostatischen und defensiven Funktionen über das Ziel hinausschießen und sich gegen den Wirt wenden.

Zytokine, pro­inflammatorische Proteinmediatoren, dienen als wichtige Gefahrensignale, die die Endothelfunktionen vom homöostatischen in den Abwehrmodus umschalten. Die Endphase von COVID-19 beinhalte normalerweise einen Zytokinsturm, ein phlogistisches Phänomen, das von gut verstandenen positiven Rückkopplungsschleifen gespeist wird, die die Zytokinproduktion steuern und die Gegenregulationsmechanismen überwältigen, so die Autoren.

Fazit
Zusammenfassend könne man sich COVID-19 als eine Erkrankung des Endothels vorstellen, resümieren die Autoren. (sf)

Autoren: Libby P, Lüscher T.
Korrespondenz: Peter Libby; [email protected]
Studie: COVID-19 is, in the end, an endothelial disease
Quelle: Eur Heart J 2020;41(32):3038–3044.
Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa623