COVID-19: Vor- und Nachteile virtueller Besuche auf der Intensivstation

© guerrieroale – stock.adobe.com (Symbolbild)

Die COVID-19-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen haben auf Intensivstationen zu erheblichen Problemen bei der Kommunikation zwischen Patientinnen und Patienten und deren Verwandten sowie in der familien- und patientenzentrierten Versorgung geführt. In einer multizentrischen Untersuchung haben Forschende ermittelt, welche Lösungen verschiedene Krankenhäuser dafür gefunden haben und welche Vor- und Nachteile diese hatten.

Die Studienautorinnen und -autoren luden im Juni 2020 alle 217 britischen Krankenhäuser mit ≥1 Intensivstation zu einer Umfrage ein. Die Rücklaufquote betrug 54%: 117 der angesprochenen Krankenhäuser (182 Intensivstationen) nahmen daran teil. In allen Einrichtungen waren vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie und zum Infektionsschutz Besuchsbeschränkungen verhängt worden. Dabei waren Besuche in 16% der Krankenhäuser (28 Intensivstationen) unter keinen Umständen erlaubt, während in 63% der Häuser (112 Intensivstationen) die Anwesenheit von Familienmitgliedern bei sterbenden Patientinnen und Patienten gestattet war.

In 50% der Einrichtungen (106 Intensivstationen) wurde ein eigenes Team für die Betreuung von Familienmitgliedern von intensivmedizinisch versorgten Personen eingerichtet. Bis auf 3 führten alle Krankenhäuser die Möglichkeit für virtuelle Besuche ein, wobei aber die dafür eingesetzten Videokonferenzplattformen (u. a. Zoom, WhatsApp, Skype, Microsoft Teams, FaceTime) sehr heterogen waren. Auf 23% der an der Befragung teilnehmenden Intensivstationen wurden bewusstlose oder sedierte Intensivpatientinnen und -patienten als für virtuelle Besuche nicht geeignet angesehen, ebenso wie sterbende Patientinnen und Patienten auf 7% der Intensivstationen.

Eine Verringerung der psychischen Belastung der Patientinnen und Patienten gehörte zu den häufig berichteten Vorteilen virtueller Besuche (78%), ebenso wie die Verbesserung der Arbeitsmoral beim Pflegepersonal (68%) und die Reorientierung von Personen mit Delir (47%).

Zeitmangel seitens des Personals und die rasche Implementierung von Videokonferenztechnologien wurden als häufige Hindernisse für virtuelle Besuch empfunden. Auch Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Fähigkeit von Familienmitgliedern, Videokonferenztechnologien zu nutzen oder auf ein Gerät zuzugreifen, gehörten dazu.

Fazit
Die Studienautorinnen und -autoren schlussfolgern, dass ein besserer Zugang zu den Möglichkeiten virtueller Besuche von Familienangehörigen sowie ein einheitlicherer Ansatz dafür die Qualität der Versorgung nicht nur während der Pandemie verbessern könnte. (ac)

Autoren: Rose L et al.
Korrespondenz: Louise Rose; [email protected]
Studie: Communication and Virtual Visiting for Families of Patients in Intensive Care during the COVID-19 Pandemic: A UK National Survey
Quelle: Ann Am Thorac Soc 2021;18(10):1685–1692.
Web: https://doi.org/10.1513/AnnalsATS.202012-1500OC