Darmbakterien könnten ein Indikator für das Risiko für Kolonkarzinome sein21. September 2021 Abbildung: © ag visuell/stock.adobe.com Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass das vermehrte Vorhandensein bestimmter Bakterien im Darmmikrobiom eine größere Wahrscheinlichkeit anzeigt, dass sich aus Dickdarmpolypen eine Krebserkrankung entwickelt. In ihrer Studie beobachteten Prof. William DePaolo von der University of Washington School of Medicine (USA) und sein Forschungsteam 40 Patientinnen und Patienten, die sich routinemäßigen Koloskopien unterzogen und bei denen Biopsien in der Nähe der Polypen entnommen wurden. Dabei stellten sie bei Personen mit Polypen relativ höhere Konzentrationen fest als bei solchen ohne Polypen. Alle untersuchten Patientinnen und Patienten waren zwischen 50 und 75 Jahre alt, 60 Prozent von ihnen waren Frauen. „Die steigende Inzidenz von Darmkrebs stellt ein großes Gesundheitsproblem dar“, heißt es in der Veröffentlichung, „aber über die Zusammensetzung und Rolle der Mikrobiota im Zusammenhang mit präkanzerösen Polypen ist wenig bekannt.“ DePaolos Forschungsteam fand heraus, dass in den Mukosabiopsien von Patientinnen und Patienten mit Polypen die Menge eines häufig vorkommenden Bakteriums – nichtenterotoxigenes Bacteroides fragilis – erhöht war. Beobachtet wurden auch unterschiedliche mikrobielle Signaturen, die Patientinnen und Patienten mit Polypen von denen ohne Polypen unterscheiden sowie eine Korrelation zwischen der Menge an B. fragilis in den Proben und der Entzündung kleiner Polypen. Bei näherer Untersuchung stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass sich B. fragilis bei Personen mit Polypen in seiner Fähigkeit zur Induktion von Entzündungen von der bei Personen ohne Polypen unterschied. „Während die meisten Menschen beim fortgeschrittenen Darmkrebs an das Mikrobiom denken, ist es schwer zu bestimmen, ob sich das Mikrobiom verändert hat und wann dies geschehen ist“, sagt DePaolo. “Also haben wir uns die Erkrankung zu einem früheren Zeitpunkt angesehen und uns gefragt, wann das Mikrobiom möglicherweise einen Polypen in Richtung einer Krebserkrankung treibt.” Wenn an das Mikrobiom und seine Rolle bei Krankheiten gedacht werde, bestehe häufig die Vorstellung von Veränderungen in der Zusammensetzung und dass dabei ein potenziell gefährliches Bakterium die Kontrolle übernimmt, fügt der Mediziner hinzu. „Unsere Daten legen nahe, dass sich ein normalerweise gesunder Darm und damit assoziierte Bakterien, um in einer Umgebung zu überleben, in der metabolische und inflammatorische Veränderungen auftreten, so anpassen können, dass sie zur Entzündung beitragen, anstatt sie zu unterdrücken,“ erklärt DePaolo. Er geht davon aus, dass neue Screening-Verfahren auf bestimmte wichtige Bakterien im Mikrobiom abzielen und eingesetzt werden könnten, noch bevor präkanzeröse Polypen überhaupt erst entstehen. Der nächste Schritt sei die Ausweitung der Studie auf 200 Patientinnen und Patienten, um festzustellen, ob eine Stuhlprobe als Ersatz für die Mukosabiopsie verwendet werden könnte.
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