Darmkrebs: Acetylsalicylsäure schützt wahrscheinlich nicht, erhöht aber das Blutungsrisiko2. März 2026 Foto: © fizkes/stock.adobe.com In Fachkreisen gibt es unterschiedliche Auffassungen dazu, ob Acetylsalicylsäure (ASS) vor Darmkrebs schützen könnte. Ein neuer Cochrane-Review zeigt jetzt: Bei Menschen ohne erhöhtes Darmkrebsrisiko spielt die tägliche Einnahme von ASS offenbar keine Rolle bei der Prävention. „Eine breite Anwendung von ASS in der Allgemeinbevölkerung zur Darmkrebsprävention wird durch die aktuelle Evidenz nicht gestützt“, sagt Dan Cao von der Sichuan-Universität im chinesischen Chengdu, einer der Seniorautoren des Reviews. Die Vorstellung, ASS könne langfristig vor Darmkrebs schützen, sei zwar interessant, ergänzt Zhaolun Cai, ebenfalls von der Sichuan-Universität und einer der beiden Erstautoren des Reviews. „Unsere Analyse zeigt jedoch, dass ein solcher Nutzen nicht gesichert ist – und mit nachgewiesenen Risiken einhergeht. Nicht nur zur Schlaganfall-, sondern auch zur Darmkrebsprävention? Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen ASS aufgrund seiner blutverdünnenden Wirkung oft über einen längeren Zeitraum ein, um Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu vermeiden. Studien mit solchen Patienten haben Hinweise darauf geliefert, dass ASS möglicherweise einen gewissen Schutz vor Darmkrebs bieten könnte. Vor diesem Hintergrund haben Cochrane-Forschende untersucht, wie sich die Einnahme von ASS im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung auf das Auftreten von Darmkrebs, dessen Vorstufen und die Darmkrebssterblichkeit auswirkt. Die Wissenschaftler werteten dafür zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 124.837 Teilnehmenden im mittleren oder höheren Alter ohne besonderes Darmkrebsrisiko aus. Die meisten Teilnehmenden nahmen täglich 75 bis 100 mg ASS ein. Einige ältere Studien testeten deutlich höhere Dosen. Die eingeschlossenen Studien waren ursprünglich darauf angelegt, die Wirksamkeit von ASS bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu untersuchen. Deshalb wurde Darmkrebs in den einzelnen Studien nicht einheitlich erfasst. Häufigkeit von Darmkrebs Der Review zeigt: In den ersten fünf bis 15 Jahren der Einnahme senkte ASS die Häufigkeit von Darmkrebs wahrscheinlich nicht. In einzelnen Studien deutete sich ein möglicher Schutz vor Darmkrebs erst nach mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung an: Das Neuauftreten von Darmkrebs lag bei 15 von 1000 ohne ASS und bei zwölf von 1000 mit ASS (Daten aus drei Studien mit 47.464 Teilnehmenden.) Die Vertrauenswürdigkeit dieser Langzeit-Evidenz wird in dem Cochrane-Review als sehr gering eingestuft (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation [GRADE]: sehr niedrig). Das bedeutet laut den Review-Autoren: Dieses Teilergebnis könnte sich durch weitere Studien noch verändern. Erkenntnisse zur Darmkrebs-Sterblichkeit Die Ergebnisse zur Sterblichkeit durch Darmkrebs stellen sich laut den Verfassern des Cochrane-Reviews als komplex dar. So verstarben in den ersten zehn Jahren möglicherweise sogar mehr Menschen, die ASS einnahmen, an Darmkrebs (vier von 1000 mit ASS vs. zwei von 1000 ohne ASS; Daten aus einer Studie mit 19.114 Teilnehmenden; GRADE: niedrig). Bei einer Einnahmedauer zwischen zehn und 15 Jahren gebe es möglicherweise keinen Unterschied, berichtet das Team um Cai. Erst nach mindestens 15 Jahren ASS-Einnahme zeigte sich möglicherweise ein kleiner Vorteil: Die Darmkrebssterblichkeit könnte dem Review zufolge von acht pro 1000 (ohne ASS) auf sechs pro 1000 (mit ASS) sinken. Allerdings seien diese langfristigen Ergebnisse sehr unsicher (GRADE: sehr niedrig), unterstreichen Cai et al. Sie beruhten auf Beobachtungen über längere Zeiträume und nicht auf kontrollierten Studien. Deshalb könnten andere Faktoren – und nicht die Behandlung selbst – die Ergebnisse beeinflusst haben. Erhöhtes Risiko für schwerwiegende Blutungen Gleichzeitig zeigt der Review, dass das Risiko schwerwiegender Blutungen außerhalb des Gehirns deutlich erhöht ist, wenn man ASS täglich einnimmt. Dazu zählen etwa Magen-Darm-Blutungen, die so stark waren, dass die Betroffenen in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten oder eine Bluttransfusion benötigten. Dieser Effekt ist laut Cai und seinen Koautoren so gut belegt, dass er als sicher gelten könne (GRADE: hoch). Über den Studienzeitraum erlitten zwölf von 1000 Personen, die ASS einnahmen, schwerwiegende Blutungen. Zum Vergleich: Von jenen, die kein ASS verwendeten, waren es acht von 1000. Durch ASS kommt es also zu vier zusätzlichen schweren Blutungen pro 1000 Personen. Auch das Risiko für einen hämorrhagischen Schlaganfall steigt laut Cai et al. wahrscheinlich – nämlich von zwei Fällen pro 1000 ohne ASS auf drei Fälle pro 1000 mit ASS (GRADE: moderat).Die Autoren des Reviews betonen daher, dass ein etwaiger langfristiger Nutzen einer täglichen ASS-Einnahme sorgfältig gegen das bestehende, gut belegte Risiko schwerwiegender Blutungen abgewogen werden müsse. Die Forschenden raten dringend davon ab, ASS ohne ärztliche Beratung allein zur Krebsprävention einzunehmen. Derzeit läuft noch mindestens eine Studie, die in einem zukünftigen Update des vorliegenden Reviews berücksichtigt werden könnte. Zudem werden in Zukunft weitere Daten aus Langzeitnachbeobachtungen aus bereits eingeschlossenen Studien erwartet.
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