Darmkrebs: Bluttest kann bei Identifizierung von Patienten helfen, die von NSAIDs profitieren

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Erkenntnisse aus einer Studie der Alliance for Clinical Trials in Oncology zur Behandlung von Darmkrebs könnten zu individualisierten Therapien und besseren Behandlungsergebnissen führen.

Welche Darmkrebspatienten können nach einem chirurgischen Eingriff zusätzlich zur Chemotherapie von entzündungshemmenden Medikamenten profitieren? Eine kürzlich in „JAMA Oncology“ veröffentlichte Arbeit gibt darüber Auskunft. Laut der American Cancer Society werden in den USA jährlich etwa 110.000 neue Fälle von Darmkrebs diagnostiziert. Selbst nach einer Operation und Chemotherapie erleiden der Fachgesellschaft zufolge bis zu 40 Prozent der Patienten mit Darmkrebs im Stadium III ein Rezidiv.

Effekt nicht steroidaler Antirheumatika bei Krebserkrankungen

Gegenstand der kürzlich publizierten Untersuchung war die Wirkung von Celecoxib aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAIDs) bei Darmkrebspatienten. Üblicherweise kommt Celecoxib vor allem zur Linderung von Schmerzen aufgrund von Rheumatoider Arthritis oder Arthrose zum Einsatz.

In der Vergangenheit hatte man bereits vermutet, dass die entzündungshemmenden Eigenschaften von NSAIDs das Wiederauftreten von Darmkrebs verhindern könnten. Der Grund für diese Annahme: Entzündungen spielen eine Rolle beim Krebswachstum. In klinischen Studien konnte man jedoch bisher keinen eindeutigen Nutzen für alle Patienten nachweisen. Daher galt es festzustellen, für wen diese Medikamente in diesem Kontext geeignet sind.

Zirkulierende Tumor-DNA als Hinweis auf möglichen Nutzen von NSAIDs

Die neue Analyse in „JAMA Oncology“ liefert laut ihren Autoren nun neue Erkenntnisse dazu. Die Forschenden untersuchten zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) in Blutproben von Patienten und analysierten diese mittels Gensequenzierung. Patienten, bei denen nach der Operation ctDNA nachgewiesen wurde, besaßen ein deutlich höheres Risiko für ein Rezidiv. Bei diesen Hochrisikopatienten verbesserte die ergänzende Gabe von Celecoxib zur Chemotherapie das Überleben signifikant. Patienten ohne ctDNA profitierten nicht, sodass sie auf die unnötige Einnahme zusätzlicher Medikamente verzichten konnten.

„Wir wissen bereits, dass NSAIDs bei einigen Patienten mit Darmkrebs ein Rezidiv verhindern können“, erläutert Studienleiter George Q. Zhang, Assistenzarzt für Allgemeinchirurgie am Brigham and Women’s Hospital (USA). „Wir wussten aber bisher nicht, wie wir diese [Patienten] identifizieren können. Die Messung der zirkulierenden Tumor-DNA nach der Operation mithilfe dieses Bluttests kann das ändern.“

Post-hoc-Analyse der Studie CALGB (Alliance) 80702 zu Celecoxib

Studienleiter Jeffrey Meyerhardt, Onkologe am Dana-Farber Cancer Institute (ebenfalls USA) ergänzt: „Das Hauptziel der CALGB (Alliance) 80702-Studie war es, festzustellen, ob die zusätzliche Gabe von Celecoxib zur Chemotherapie nach einer Darmkrebsoperation das Überleben verlängert. Die erste Studie konnte unsere Hypothese nicht eindeutig bestätigen. Wir beobachteten jedoch, dass einige Patienten von der zusätzlichen Gabe von Celecoxib profitierten und suchten daraufhin nach diesen Patienten. In dieser Studie identifizierten wir eine Patientengruppe, bei der nach der Operation ctDNA nachweisbar war und die von der zusätzlichen Gabe von Celecoxib zur Chemotherapie nach der Operation einen Nutzen hatte.“

Mit Unterstützung des National Cancer Institute schlossen die Autoren die CALGB (Alliance)-Studie 80702 mehr als 2500 Patienten mit einem Kolorektalkarzinom des Stadiums III nach Resektion desselben ein. Man untersuchte die Blutproben von 940 Personen auf ctDNA: 767 waren ctDNA-negativ und 173 ctDNA-positiv. Bei den ctDNA-positiven Patienten kam es nach der zusätzlichen Gabe von Celecoxib im Vergleich zu Placebo über drei Jahre betrachtet zu fast einer Verdoppelung des krankheitsfreien Überlebens (41% vs. 22,6%). Über einen Zeitraum von fünf Jahren betrug das Gesamtüberleben von Patienten mit positivem ctDNA-Nachweis 61,6 Prozent in der Celecoxib-Gruppe im Vergleich zu nur 39,9 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Zhang warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen: „Obwohl diese Ergebnisse sehr vielversprechend sind, sind weitere prospektive Studien erforderlich, um sie zu bestätigen.“

Ziele der Alliance for Clinical Trials in Oncology

Die Alliance for Clinical Trials in Oncology vereint mehr als 25.000 Onkologen an 115 Hauptinstitutionen und 1400 angeschlossenen Zentren in den USA und Kanada. Als Teil des National Clinical Trials Network und als nach eigenen Angaben führende Forschungseinrichtung des Community Oncology Research Program des US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI) führt die Alliance Studien durch. Deren Ziel ist es, die Behandlungsergebnisse von Patienten zu verbessern und Therapiestandards neu zu gestalten. Mehr als 40.000 Teilnehmer haben an Studien der Alliance for Clinical Trials in Oncology teilgenommen. Die stetig wachsende Biobank der Organisation umfasst mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Proben, die in den vergangenen 30 Jahren gesammelt wurden.

(ac)