Darmkrebs: Colibactin-produzierende Bakterien als Mutationstreiber entdeckt10. Oktober 2025 © SewcreamStudio – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Inzidenzraten von Darmkrebs variieren geografisch und haben sich im Laufe der Zeit verändert. So hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten in vielen Ländern besonders die Inzidenz von früh auftretendem Darmkrebs, von dem Personen unter 50 Jahren betroffen sind, verdoppelt. Die Gründe für diesen Anstieg waren bislang weitgehend unbekannt. Um dies zu ändern, untersuchten Forscher unter Leitung von Wissenschaftlern der University of California San Diego nun 981 Darmkrebs-Genome von Patienten aus 11 Ländern. Ihre in „Nature“ publizierte Studie zeigt geografische und altersbedingte Unterschiede in den Mutationsprozessen bei Darmkrebs. Insbesondere die mutagene Exposition gegenüber Colibactin-produzierenden Bakterien in jungen Jahren könnte demnach zur steigenden Inzidenz von früh auftretendem Darmkrebs beitragen. Erstautor Marcos Díaz-Gay und Kollegen entdeckten keine wesentlichen Unterschiede bei mikrosatelliteninstabilen Krebsarten, aber bei den 802 mikrosatellitenstabilen Fällen beobachteten sie Variationen in der Mutationslast und den Mutationssignaturen. Mehrere Signaturen, deren Ätiologie größtenteils unbekannt ist, wiesen in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Russland und Thailand eine unterschiedliche Prävalenz auf. Den Forschern zufolge deutet das auf geografisch unterschiedliche Grade der Mutagenbelastung hin. Die Signaturen SBS88 und ID18, die durch das von Bakterien produzierte Mutagen Colibactin verursacht werden, wiesen in Ländern mit höheren Darmkrebsinzidenzraten eine höhere Mutationslast auf. SBS88 und ID18 waren auch vermehrt bei früh auftretenden Darmkrebserkrankungen zu finden, wobei sie bei Personen, die vor dem 40. Lebensjahr diagnostiziert wurden, 3,3-mal häufiger waren als bei Personen über 70 Jahren. Des Weiteren entdeckten die Forscher, dass der mutagene Einfluss durch das bakterielle Colibactin schon in einem frühen Tumorstadium Mutationssignaturen hinterlässt. Die Colibactin-Exposition wurde von den Forschern außerdem mit Treibermutationen im Tumorsuppressorgen APC in Verbindung gebracht. Dabei war ID18 für etwa 25% der kleinen Insertionen und Deletionen im APC-Treibergen bei Colibactin-positiven Fällen verantwortlich. (ah) Autoren: Díaz-Gay M et al. Korrespondenz: Ludmil B. Alexandrov; [email protected] Studie: Geographic and age variations in mutational processes in colorectal cancer Quelle: Nature 2025;643(8070):230–240. Web: https://doi.org/10.1038/s41586-025-09025-8
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