Darmkrebsmonat März: Vorsorgekoloskopie gehört zu effektivsten Maßnahmen in der Medizin11. März 2020 Foto: © Wolfilser/Adobe Stock Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) dazu auf, die Vorsorgekoloskopie besser zu nutzen. Das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Angebot gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die in der Medizin zu Verfügung stehen: In den ersten zehn Jahren nach Einführung der gesetzliche Darmkrebsfrüherkennung sank die Darmkrebssterblichkeit bei Männern ab 55 Jahren um fast 21 Prozent, bei Frauen dieser Altersgruppe sogar um mehr als 26 Prozent. Zukünftig werden Systeme Künstlicher Intelligenz (KI) die Darmkrebsvorsorge noch verlässlicher machen. Offen ist derzeit jedoch noch, welche der KI-Anwendungen für Patienten entscheidende Vorteile bringen und wann diese in die breite Anwendung gehen werden. Jedes Jahr erkranken laut der DGVS in Deutschland etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs. Ein Großteil dieser Fälle wäre vermeidbar, wenn mehr Menschen zu Vorsorgeuntersuchungen gehen würden. „Die Vorsorgekoloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs gehört zu den effektivsten Früherkennungsmaßnahmen, die wir in der gesamten Medizin haben“, sagt Prof. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen. Computergestützte lernfähige Systeme, die derzeit zunehmend in die klinische Anwendung gehen, unterstützen Ärzte, indem sie während der Untersuchung Live-Bilder aus dem Darm analysieren und mit hoher Treffsicherheit verdächtige Stellen auf dem Monitor markieren. Sie könnten die Darmkrebsvorsorge zukünftig noch verlässlicher machen, so Dr. Ulrich Rosien, Vorsitzender der Sektion Endoskopie der DGVS und Leiter der Endoskopie am Israelitischen Krankenhaus Hamburg. Er schränkt jedoch ein: „Aktuell sind diese Systeme Ärzten vor allem beim Aufspüren sehr kleiner Polypen unter 5 mm überlegen, bei denen unklar ist, ob sie jemals überhaupt entarten – deshalb können wir derzeit nicht sagen, ob sich aus deren besseren Erkennung mittels Künstlicher Intelligenz (KI) tatsächlich ein Vorteil für Patienten im Sinne der Krebsvermeidung oder einer höheren Überlebensrate ergibt.“ Auch sei aktuell noch offen, welche der KI-Anwendungen – diese arbeiten mit unterschiedlichen Mechanismen, etwa Algorithmen- oder aber „Deep-learning“-basiert – in der klinischen Praxis tatsächlich die besten Ergebnisse liefern. Die Systeme seien noch nicht oder nicht lange genug in der regulären Versorgung etabliert, um diese Frage zu beantworten. Dies müssten Untersuchungen der Zukunft zeigen. Doch schon heute ist die Koloskopie zur Darmkrebsfrüherkennung ein hocheffektives Instrument. „Deren Qualität hängt nicht allein von technischer Unterstützung des Arztes durch KI ab – ebenso wichtig ist beispielsweise, dass der Arzt über ausreichend Erfahrung verfügt, und sich für die Untersuchung Zeit lässt“, sagt Prof. Helmut Messmann, Sekretär der Sektion Endoskopie der DGVS und Direktor der III. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Augsburg. Auch Patienten selbst können zur Qualität der Untersuchung beitragen: „Je sorgfältiger die Darmreinigung vorab durchgeführt wurde und je sauberer der Darm ist, desto besser können wir die Strukturen der Darmwand beurteilen und Polypen entdecken und entfernen.“ Anlässlich des Darmkrebsmonats März ruft die DGVS dazu auf, die Darmkrebsfrüherkennung stärker in Anspruch zu nehmen. Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen mit dem immunologischen Stuhltest (iFOBT) jährlich ihren Stuhl auf verstecktes Blut untersuchen lassen. Zudem bietet das Früherkennungsprogramm Männern ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung an, die zuverlässigste Methode der Früherkennung. Sie sollte alle zehn Jahre wiederholt werden. Wer die Früherkennungskoloskopie nicht in Anspruch nehmen möchte, kann alternativ alle zwei Jahre einen iFOBT-Test durchführen lassen.
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