DKK 2026 Darmkrebsvorsorge ab 45 – sinnvoll oder nicht?20. Februar 2026 Die Koloskopie ist fester Bestandteil der Darmkrebsvorsorge, die allen Erwachsenen ab 50 Jahren empfohlen wird. Symbolbild: Wolfilser/stock.adobe.com Laut Zahlen des RKI gibt es für eine „Darmkrebs-Pandemie“ in Deutschland aktuell keine Evidenz. Eine Darmkrebsvorsorge sei für Erwachsene unter 50 Jahren nur in einem risikoadaptierten Setting sinnvoll, erörterte Dr. Dietrich Hüppe auf dem Deutschen Krebskongress. von Dr. Milo Klesse Derzeit ist oft die Rede davon, dass immer mehr junge Erwachsene von Darmkrebs betroffen sind. Damit einher geht auch vermehrt die Forderung, das Alter für entsprechende Vorsorgeuntersuchungen herabzusetzen und Früherkennungsprogramme auszuweiten. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) verdeutlicht jedoch: In Deutschland gibt es derzeit keine Evidenz für eine dramatische Zunahme von Darmkrebs bei unter 50-Jährigen. Ist Darmkrebs bei jungen Menschen auf dem Vormarsch? Dr. Dietrich Hüppe ist Gastroenterologe im Ruhestand, jedoch weiterhin leidenschaftlich an der Wissenschaft rund um den Darmkrebs interessiert. Auf dem Deutschen Krebskongress 2026 sprach er über die epidemiologische Entwicklung von Darmkrebs in Deutschland und beschäftigte sich mit der Frage, ob Darmkrebs bei jüngeren Menschen eine reale Bedrohung und die Forderung nach früheren Vorsorgeuntersuchungen gerechtfertigt ist. Seit 2022 würde auch in deutschen Medien verstärkt davon geredet, dass Darmkrebs bei jungen Menschen unter 50 Jahren zunehme, erklärte Hüppe. „Die weitere Behauptung, die dann aufgestellt wird: Auch die Mortalität nimmt zu. Weil der Krebs ja bei diesen jungen Leuten erst spät festgestellt wird“, ergänzt er. Auch aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamtes suggerierten, dass junge Menschen häufiger betroffen seien. Allerdings handelt es sich bei den zum Weltkrebstag am 4. Februar veröffentlichten Zahlen um Behandlungsfälle, nicht Neuerkrankungen. „Das ist etwas völlig anderes“, betonte Hüppe und kritisierte außerdem die Zusammenführung verschiedener Kodierungen, namentlich der ICD-Nummern 17 bis 21. Damit würden der Dünndarmkrebs, Dickdarmkrebs und das Analkarzinom in einer Rubrik zusammengefasst, obwohl sich unterschiedliche Entwicklungen abzeichneten. Inzidenz und Mortalität sind rückläufig Für Deutschland zeigen die Daten des RKI tatsächlich einen deutlichen Rückgang sowohl der Inzidenz als auch der Mortalität des kolorektalen Karzinoms (KRK) seit 1999. Die Inzidenz sei bis zum Jahr 2023 bei Männern und Frauen um etwa 30 Prozent gesunken – die Mortalität sogar noch stärker, so Hüppe. Auch in absoluten Zahlen ergibt sich eine deutliche Reduktion für die Zahl der Neuerkrankungen (2023: 55.320) sowie Todesfälle (2024: 22.085). Diesen Rückgang schreibt Hüppe primär der Vorsorge zu, insbesondere der Entfernung von Adenomen im Rahmen der Koloskopie. Ergänzt würde dies durch Fortschritte beispielsweise bei der Chirurgie und onkologischen Behandlung. Auf die Altersgruppe der unter 50-Jährigen entfallen laut RKI-Daten nur etwa 5,5 Prozent der Darmkrebs-Neuerkrankungen. Seit 2012 sind die Zahlen in der Gruppe der 20- bis 49-Jährigen rückläufig. Bei der Mortalität ist dieser Rückgang mit mehr als 25 Prozent noch eindrücklicher. Der leichte Anstieg in den Jahren 2022/2024 könnte laut Hüppe durch die Corona-Pandemie bedingt sein. Als Ursache vermutet der Gastroenterologe eine Unterdiagnostik, was jedoch in den nächsten Jahren erst noch untersucht werden müsse. Blickt man nur auf die Gruppe der 20- bis 34-Jährigen, so ergibt sich von 2003 bis 2023 zwar ein prozentualer Anstieg von bis zu 30 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht dies jedoch einer Zunahme von nur rund 50 Fällen. „Das suggeriert einen dramatischen Zuwachs. In realen Zahlen sind das aber nur ganz wenige Fälle“, betonte Hüppe. Risikoadaptiertes Screening – aber wie? Die vielfach medial diskutierte „Zunahme“ von Darmkrebs bei unter 50-Jährigen lässt sich für Deutschland somit nicht bestätigen. Daten aus den USA sind zudem aufgrund struktureller Unterschiede im Gesundheitssystem nur eingeschränkt übertragbar. Eine Herabsetzung des Alters für Vorsorgeuntersuchungen hält Hüppe nur in einem risikoadaptierten Setting für sinnvoll. So seien chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, genetische Prädispositionen und eine positive Familienanamnese bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit einem vier- bis sechsfach erhöhten Risiko verbunden. Alternativ könnte auch ein Stuhltest-basiertes Screening-Verfahren in das Check-up ab 35 integriert werden. Große Hoffnungen für eine bessere Darmkrebsvorsorge ruhen hier beispielsweise auf dem Mikrobiom. Blutbasierte Tests scheinen hingegen bislang keine ernsthafte Alternative zu etablierten Früherkennungsmethoden zu sein. Hier lässt derzeit die Sensitivität insbesondere für Adenome noch zu wünschen übrig.
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