Strahlentherapie: DEGRO stellt wichtige Ergebnisse aus aktuellen Studien vor20. Februar 2026 Bild: ©Thomas Hecker – stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) hat eine Übersicht über einige wichtige Studien der letzten Monate veröffentlicht: Eine moderne Strahlentherapie erweise sich zunehmend als schonende Alternative zu Operationen, oft sei dadurch ein Organerhalt möglich. Seit Jahrzehnten werde dies bei Brustkrebs, Kehlkopfkrebs, Weichgewebstumoren oder Analkarzinomen praktiziert, bei denen Amputationen oder Radikaloperationen kaum noch nötig seien, so die DEGRO. Neuere Beispiele ▪ HPV-positive Oropharynxkarzinome: Diese Tumorentität nimmt, vor allem in den Industrienationen, seit einigen Jahren stark zu. Neben der Heilung kommt es auch auf den Erhalt von Schluck- und Sprechfunktion an. HPV-positive Tumoren reagieren sehr empfindlich auf Strahlen- oder Radiochemotherapie. Die ORATOR-Studien zeigen, dass eine Bestrahlung bzw. Radiochemotherapie mindestens so effektiv ist wie eine Operation bei besserem Erhalt der Schluckfunktion (1). ▪ Lokalisiertes Prostatakarzinom: Die britische PACE-A-Studie ist ein direkter Vergleich von moderner Operation (mit dem DaVinci-Roboter) und hochpräziser stereotaktischer Bestrahlung. Erste Ergebnisse zeigen deutlich bessere Kontinenz und Sexualfunktion nach Strahlentherapie, sogar mit wesentlich größerem Unterschied als erwartet (2). ▪ Beim Harnblasenkarzinom gibt es zwar keine randomisierten Studien, die radikale Zystektomie mit organerhaltender Radiochemotherapie vergleichen, aber alle Meta-Analysen prospektiver Studien zeigen identische Überlebensraten und etwa 70−80 Prozent der mit Strahlentherapie behandelten Patienten behalten eine normal funktionierende Harnblase ▪ Tief sitzende Enddarmtumoren: Wenn Rektumkarzinome sehr nah am Schließmuskel liegen, werden sie bisher mit einer präoperativen Radiochemotherapie und anschließenden Entfernung des Enddarms und Anlegen eines dauerhaften künstlichen Darmausgangs behandelt. Neuere Studien zeigen, dass auf die Operation oft verzichtet werden kann, wenn nach der präoperativen Behandlung eine komplette Remission eingetreten ist (3). ▪ Hochpräzise stereotaktische Bestrahlungen zeigen in prospektiven Studien eine hohe Effektivität bei Tumoren, die bisher als strahlenresistent galten, z. B. Nierenkarzinome (FASTRACK-II-Studie, 70 Patienten mit T1-Nierenkarzinomen, stereotaktische Einzeitbestrahlung mit 26 Gy, 100 Prozent lokale Kontrolle über ein medianes Follow-up von 43 Monaten, keine Grad-4-NW oder therapieassoziierten Todesfälle) oder Lebertumoren (NRG-Oncology/RTOG-1112-Studie, 193 Patienten mit inoperablen Lebertumoren und Standardtherapie mit Sorafenib, signifikante Verbesserungen von progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben durch zusätzliche stereotaktische Strahlentherapie) (4, 5). Strahlentherapie von Oligometastasen Bei Patienten mit einer begrenzten Zahl von Metastasen kann die Strahlentherapie der Metastasen (meistens als Ergänzung zur üblichen medikamentösen Therapie) den Krankheitsverlauf verbessern; für bestimmte Patientengruppen ist dadurch sogar eine Langzeitremission möglich. Dies betrifft vor allem Patienten mit nicht kleinzelligen Lungentumoren und Prostatakarzinomen. Die Strahlentherapie kann auch dazu beitragen, eine belastendere medikamentöse Therapie zu vermeiden oder hinauszuzögern und die Lebensqualität zu verbessern, z. B. bei Prostatakrebs (6) oder oligometastasierten Kopf-Hals-Tumoren (7). Referenzen: Palma DA, Prisman E, Berthelet E et al. Radiation vs. trans-oral surgery for treatment de-escalation in HPV-related oropharyngeal cancers: Primary analysis of the ORATOR2 randomized. Eur J Cancer 2025; 220: 115343. doi: 10.1016/j.ejca.2025.115343 van As N, Yasar B, Griffin C et al. Radical prostatectomy versus stereotactic radiotherapy for clinically localised prostate cancer: Results of the PACE-A randomised trial. Eur Urol. 2024. doi: 10.1016/j.eururo.2024.08.030 Williams H, Fokas E, Diefenhardt M et al. Survival among patients treated with total mesorectal excision or selective watch-and-wait after total neoadjuvant therapy: a pooled analysis of the CAO/ARO/AIO-12 and OPRA randomized phase II trials. Ann Oncol. 2025; 36: 543-547; doi: 10.1016/j.annonc.2025.01.006 Siva S, Bressel M, Sidhom M et al. Stereotactic ablative body radiotherapy for primary kidney cancer (TROG 15.03 FASTRACK II): a non-randomised phase 2 trial. Lancet Oncol 2024;25:308-331; doi: 10.1016/S1470-2045(24)00020-2 Dawson LA, Winter KA, Knox JJ et al. Stereotactic Body Radiotherapy vs Sorafenib Alone in Hepatocellular Carcinoma: The NRG Oncology/RTOG 1112 Phase 3 Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol 2025;11:136-144; doi: 10.1001/jamaoncol.2024.5403 Niazi T, Saad F, Tisseverasinghe S et al. Metastases-directed therapy in addition to standard systemic therapy in oligometastatic castration-resistant prostate cancer in Canada (GROUQ-PCS 9): a multicentre, open-label, randomised, phase 2 trial. Lancet Oncol 2025; 26: 1158-1167; doi: 10.1016/S1470-2045(25)00351-1 Thariat J, Bosset M, Falcoz A et al. Survival without quality-of-life-deterioration in the GORTEC-201404 “OMET” randomized phase 2 trial in patients with head and neck cancer with oligometastases using stereotactic ablative radiation therapy (SABR) alone or chemotherapy and SABR. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2025 Apr 1;121(5):1194-1206. doi: 10.1016/j.ijrobp.2024.11.084
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