Ovarialkarzinom: Diagnose erfolgt häufig erst nach Notfalleinweisung

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Rund 40 Prozent der Frauen mit Ovarialkarzinom erhalten die Diagnose erst nach einer Notfalleinweisung ins Krankenhaus. Bei ihnen wird der Tumor häufiger in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, was mit einem vierfach erhöhten Sterberisiko in den ersten zwei Monaten nach der Diagnose einhergeht.

In der ersten Studie dieser Art untersuchte Prof. Agnieszka Michael, Ärztin an der University of Surrey und tätig für das „National Ovarian Cancer Audit“, die Patienten- und Tumormerkmale von Frauen, bei denen ein Ovarialkarzinom nach einer Krankenhauseinweisung als Notfall diagnostiziert worden war.

Gemeinsam mit Kollegen der London School of Hygiene & Tropical Medicine und der University of Birmingham analysierte das Team Daten von mehr als 28.000 Frauen, bei denen zwischen 2017 und 2021 ein Ovarialkarzinom diagnostiziert wurde, um die Merkmale der Frauen zu untersuchen, deren Ovarialkarzinom im Rahmen einer Notfalleinweisung diagnostiziert wurde. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „BMJ Oncology“ veröffentlicht.

Michael erklärt: „Das Ovarialkarzinom ist weltweit die achthäufigste Krebserkrankung bei Frauen; jährlich sterben fast 200.000 Frauen daran. Die Überlebensraten bei dieser Krebsart sind niedrig, da die Diagnose oft erst spät gestellt wird; die Symptome sind unspezifisch und werden häufig übersehen. Dies, gepaart mit dem Fehlen eines wirksamen Screening-Programms, erschwert die Diagnosestellung für die betroffenen Frauen erheblich. Infolgedessen sind Frauen, die in die Notaufnahme kommen, oft bereits in einem sehr schlechten Gesundheitszustand, da der Krebs weiter fortgeschritten ist und rasch voranschreitet; viele sind dann zu krank, um sich einer wirksamen Behandlung zu unterziehen. Dies muss sich ändern. Es ist entscheidend, dass wir sowohl bei Frauen als auch in der Ärzteschaft das Bewusstsein für diese Krebsart schärfen, um Verdachtsfälle früher abzuklären und Diagnosen rechtzeitiger zu stellen.“

Späte Diagnose verschlechtert die Prognose

Nach einer eingehenden Datenanalyse stellte das Team fest, dass bei 40 Prozent der Frauen (11.377) Eierstockkrebs innerhalb von 28 Tagen nach einer Krankenhauseinweisung als Notfall diagnostiziert wurde. Auch die Überlebensraten waren betroffen: Die Ein-Jahres-Überlebensrate lag bei dieser Gruppe niedriger (50 Prozent) als bei Frauen, deren Diagnose auf anderem Wege gestellt wurde (83,3 Prozent).

Zudem befand sich der Tumor bei Frauen mit Diagnose nach einer Notfalleinweisung deutlich häufiger bereits in einem fortgeschrittenen Stadium: Nur bei 14 Prozent wurde der Krebs in einem frühen Stadium (Stadium 1 oder 2) festgestellt. Bei Frauen, deren Diagnose nach einer Notfalleinweisung ins Krankenhaus erfolgte, war die Wahrscheinlichkeit, einen langsam wachsenden Tumor zu haben, zudem dreimal niedriger als bei Frauen, die nicht als Notfall aufgenommen wurden.

Darüber hinaus erfolgte eine Diagnose nach einer Notfalleinweisung häufiger bei jüngeren Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren (43 Prozent) sowie bei Frauen über 80 Jahren (54,9 Prozent) auf als bei Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren (36,2 Prozent). Auch bei Frauen aus sozial benachteiligten Wohngebieten war die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose nach einer Notfalleinweisung um 10 Prozent höher als bei Frauen aus wohlhabenderen Gegenden.

Forderung nach besserer Früherkennung

Michael fügt hinzu: „Es ist sehr besorgniserregend, dass 40 Prozent der Frauen mit Ovarialkarzinom die Diagnose erst nach einer Notfalleinweisung ins Krankenhaus erhalten. Dies deutet darauf hin, dass der Diagnoseprozess für diese Krebsart nicht effektiv ist; hier muss Abhilfe geschaffen werden. Auch wenn die Symptome unspezifisch sind und auf andere Erkrankungen zurückgeführt werden könnten, sollte ein Ovarialkarzinom stets in Betracht gezogen und umfassend abgeklärt werden. Eine frühzeitige Diagnose rettet Leben, und sowohl medizinisches Fachpersonal als auch Patientinnen müssen stärker auf die Symptome achten. Da wir nun wissen, welche Frauen das höchste Risiko für eine späte Diagnose tragen, ist es unerlässlich, gezielte Maßnahmen für diese Gruppe zu ergreifen.“

(lj/BIERMANN)

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