Darmmikrobiom, Metabolom und Immunsignatur bei Divertikelkrankheit

Darmmikrobiom
Illustration: Darmmikrobiom © Alex – fotolia.com

Patienten mit Divertikelkrankheit besitzen laut einer kürzlich veröffentlichten Studie weniger Darmbakterien mit antientzündlicher Aktivität im Zusammenhang mit einer Infil­tration der Mucosa durch Makro­phagen. Die hier untersuchten ­Metabolomprofile seien mit Entzündungs-Pathways und einer neuromotorischen Dysfunktion des Darmes verbunden gewesen und hätten zudem eine Unterscheidung zwischen Patienten mit Divertikeln und Kontrollen ermöglicht.

Die Wissenschaftler sehen in ihren Ergebnissen die ersten Schritte auf einem Weg hin zu größeren Studien, in denen gezielt nach Mikrobiom­signaturen gesucht wird, die bei Patien­ten mit Divertikalkrankheit potenziell einen diagnostischen Wert besitzen. Es sei oft angenommen worden, dass das Darmmikrobiom an der Entwicklung sowohl von Symptomen als auch Komplikationen der Divertikelkrankheit beteiligt ist, schreiben die Studienautoren. Die Arbeitsgruppe untersuchte daher in einer beschreibenden Querschnittstudie Immunozyten im Kolon sowie Darmbakterien und das Metabolom bei Patienten mit Divertikelkrankheit. Über ihre Ergebnisse berichten sie in der Zeitschrift „Gut“.

Nach einer Koloskopie und anschließender Phänotypisierung anhand von Biopsien und Frage­bögen wurden die Patienten in Gruppen mit Divertikulitis oder symptoma­tischer unkomplizierter Divertikelkrankheit eingeteilt. Asympto­matische Probanden dienten als Kontrollpersonen.

Im Vergleich zu den Kontrollen wiesen Patienten mit Divertikeln – unabhängig davon, ob sich Symptome zeigten oder nicht – einen Anstieg von Makrophagen im Kolon um >70 % auf. Bei den Bakterien im Stuhl zeigte sich ein Schwund von Clostridium Cluster IV. Clostridium cluster IX, Fusobacterium und Lactobacillaceae waren im Vergleich zu asymptomatischen Patienten bei symptomatischen Studienteilnehmern ebenfalls reduziert. Die Studienautoren beobachteten einen negativen Zusammenhang zwischen Makrophagen und Clostridium Cluster IV sowie Akkermansia in der Mucosa. Veränderungen des Metaboloms in Harn und Stuhl bei Divertikelkrankheit betrafen die Hippurat- und Kynurenin-Pathways. Sechs Harnmoleküle erlaubten die Unterscheidung zwischen Patienten mit Divertikelkrankheit und Kontrollen mit einer Genauig­keit von >95 %.


Autoren:
Barbara G et al.
Korrespondenz: Dr. Giovanni Barbara, St. Orsola-Malpighi Hospita, Via Massarenti, 9/Building #5, Bologna 40138, Italien; [email protected]
Studie: Gut microbiota, metabolome and immune signatures in patients with uncomplicated diverticular disease
Quelle: Gut 2017;66(7):1252–1261.
Web: www.gut.bmj.com