Darmmikrobiom: Veränderungen können das Krebswachstum bei Rauchern verlangsamen

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Veränderungen des Darmmikrobioms interagierten mit dem Immunsystem und verlangsamen so das Wachstum von Krebs bei Mäusen, die Zigarettenrauch ausgesetzt waren.

Dies geht aus Untersuchungen hervor, für eine Präsentation anlässlich der Digestive Disease Week® (DDW) 2020 ausgewählt worden waren. DDW®-Daten werden im Mai in Online-Supplementen der Zeitschrift „Gastroenterology and GIE: Gastrointestinal Endoscopy“ nachzulesen sein. Die Tagung, die Anfang Mai hätte stattfinden sollen, wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt. 

„Wenn man die gleichen Zusammenhänge in Studien an Menschen findet, könnten Behandlungen, die das Darmmikrobiom modifizieren, die Outcomes von Krebserkrankungen bei Rauchern verbessern. Raucher haben ein höheres Risiko für viele Krebsarten schneiden bei der Krebsbehandlung schlechter ab“, sagt Prateek Sharma, Postdoktorand an der Universität der Miami Miller School of Medicine (USA) und einer der Hauptautoren der Studie.

Ältere Studien haben gezeigt, dass das Darmmikrobiom beim Voranschreiten einer Krebserkrankung eine Rolle spielt. Um mehr über die spezifische Beziehung zwischen Rauchen und Darmmikrobiom zu erfahren, randomisierten die Forscher Mäuse in vier Gruppen: eine Kontrollgruppe, die nur Kochsalzlösung erhielt, eine Gruppe, die nur Antibiotika zur Sterilisation des Darms erhielt, eine Rauchergruppe, die schon vier Wochen zuvor exponiert war, und eine Gruppe, die sowohl Zigarettenrauch als auch Antibiotika ausgesetzt wurde. Allen Gruppen wurden Krebszellen injiziert. Im Verlauf der über zwei Monate anhaltenden Exposition gegenüber Zigarettenrauch in den entsprechenden Gruppen, wurden die Tumoren vermessen.

Dabei stellten die Forscher fest, dass die Exposition gegenüber Zigarettenrauch allein das Tumorwachstum bei allen untersuchten Krebsarten förderte – dies waren Krebserkrankungen des Kolons, des Pankreas und der Harnblase. Wurde aber das Darmmikrobiom bei den rauchexponierten Mäusen mittels Antibiotika geschädigt, verschwand die krebsfördernde Wirkung von Zigarettenrauch. Tatsächlich fiel das Krebswachstum bei rauchexponierten Mäusen unter Antibiotikaeinfluss und dessen Folgen für das Mikrobiom ähnlich aus wie in der Gruppe mit den Krebsarten, die am langsamsten voranschritten – also bei den Mäusen mit Antibiotika und ohne Rauchexposition.

Das gleiche Experiment wurde unter Verwendung von Mäusen durchgeführt, die gentechnisch so verändert waren, dass sie über keine adaptive Immunantwort verfügten. Bei diesen Mäusen verlangsamten Veränderungen des Mikrobioms die Krebswachstumsrate nicht, wenn die Tiere Rauch ausgesetzt wurden. Dieser Befund legt den Wissenschaftlern zufolge nahe, dass die Wechselwirkung des Mikrobioms mit dem Immunsystem das Krebswachstum beeinflusst.

Gegenstand zukünftiger Studien könnte es sein herauszufinden, ob diese Beziehung auch bei Menschen besteht, und welche spezifischen „schlechten“ Bakterien im Darm von Rauchern das Immunsystem und das Krebswachstum beeinflussen, sagte Sharma. Dies könnte die Beseitigung von Bakterien mit Antibiotika oder die Einführung spezifischer Mikroben mittels Probiotika oder die Übertragung von Mikroben mittels Stuhtransplantation beinhalten.