Darum gehört Planetary Health in jede Arztpraxis!11. August 2022 meenkulathiamma – stock.adobe.com Geht es dem Planeten schlecht, überträgt sich das auf seine Bewohnerinnen und Bewohner. Umso wichtiger ist es, das Konzept „Planetary Health” zur Richtschnur im Gesundheitssektor zu machen. „Wir müssen in allem, was wir tun, den Gesundheitszustand des gesamten Ökosystems mitdenken“, fordert Dr. Claudia Schwenzer, Medizinische Beauftragte des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Die WHO sieht im Klimawandel die größte Gesundheitsgefahr für die Menschheit. Es gilt, den Gesundheitssektor auf veränderte Krankheitsbilder und Notfallsituationen vorzubereiten, um den Auswirkungen des Klimawandels, die sich nicht mehr abwenden lassen, zu begegnen. Gleichzeitig gilt es, für den Gesundheitssektor Klimaschutzpotenziale aufzudecken, um den Klimawandel, soweit möglich, einzudämmen, so die KVWL und das Universitätsklinikum Köln in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Eine Projektgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der KVWL und des Universitätsklinikums Köln (PMV forschungsgruppe und Institut für Allgemeinmedizin) hat drei Themen mit hoher Priorität identifiziert, die die Aufmerksamkeit und das Engagement der Ärzteschaft brauchen: Monitoring und Planung, Interventionen an Patientinnen und Patienten und Nachhaltigkeit in der Arztpraxis. Aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungsberichten von Praxisteams wird die Projektgruppe konkrete Handlungsempfehlungen ableiten und zum Maßstab in der Patientenbehandlung und Praxisorganisation erklären. Zum Beispiel ist es künftig mehr als jetzt notwendig, dass Risikopatientinnen und Risikopatienten von ihrer Hausarztpraxis kontaktiert und planvoll durch Hitzeperioden begleitet werden; oder dass Ärztinnen und Ärzte zu einer gesunden, klimafreundlichen Ernährung (planetary health diet) animieren. Um die Erforschung von und die fundierte Vorbereitung auf Klimaereignisse zu ermöglichen, werden außerdem bessere und schneller verfügbare Daten gebraucht. Dafür müssen unterschiedliche Akteure des Gesundheitswesens, aber auch Städte und Gemeinden, zusammenarbeiten. „Planetary Health ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir haben aktuell aber eine Situation, in der viele Datensysteme überhaupt nicht miteinander verknüpft sind. Geschweige denn, dass die jeweiligen Organisationen und Menschen eng kooperieren“, sagt Ingo Meyer, Leiter der PMV Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Köln. Nicht zuletzt können und sollten Arztpraxen selbst nachhaltiger werden und ihren CO2-Fußabdruck minimieren. „Müll vermeiden, Energie sparen, nachhaltig bauen, aber auch der Einsatz von Pulverinhalatoren anstelle klimaschädlicher Dosieraerosole. Es gibt viele Stellschrauben, an denen Ärztinnen und Ärzte drehen können, wenn sie die notwendige Unterstützung erhalten“, meint auch Prof. Beate Müller vom Universitätsklinikum Köln. „Wir wissen, dass unsere KVWL-Mitglieder, die niedergelassenen Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten die unverzichtbaren Krisenmanagerinnen und Krisenmanager in der Corona-Pandemie waren und sind. Dieses Krisenmanagement und den herausragenden Einsatz für den Patientenschutz brauchen wir wieder!“, konstatiert Schwenzer. Sie prognostiziert, dass die kommenden Jahre noch herausfordernder als die Coronakrise werden. „Denn einer der Dauerpatienten ist unser geschwächter Planet und sein Krankheitsbild könnte komplexer nicht sein!“ Dafür seien Ärztinnen und Ärzte und Praxisteams notwendig, die mutig, vorausschauend, nachhaltig, digital und innovativ denken und handeln.
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