Das Human Brain Project startet in die finale Phase7. Juli 2020 Überblicksdarstellung der digitalen EBRAINS-Forschungsinfrastruktur mit ihren Angeboten für Wissenschaft und Industrie (©HBP) Das Europäische Human Brain Project (HBP) startet in den letzten, dreijährigen Abschnitt seiner Förderung als Flaggschiff-Projekt. Die Europäische Kommission stellt hierfür Mittel in Höhe von 150 Millionen Euro bereit. Im HBP verknüpfen Wissenschaftler die Erforschung der Funktionsweise des menschlichen Gehirns und seiner Erkrankungen mit der Entwicklung neuer Methoden und dem Bau einer neuartigen digitalen Forschungsinfrastruktur für die Neurowissenschaften, „EBRAINS“. Auch über die zehnjährige Laufzeit des HBP hinaus wird EBRAINS der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft zur Verfügung stehen. Im Projekt arbeiten WissenschaftlerInnen aus 131 Partnerinstitutionen in Europa zusammen. In der nun beginnenden letzten Förderphase konzentriert sich HBP darauf, die Forschungsinfrastruktur EBRAINS noch leistungsfähiger und attraktiver zu gestalten. Im Fokus der wissenschaftlichen Aktivitäten stehen Netzwerke, die über die verschiedenen räumlichen und zeitlichen Skalen hinweg untersucht werden, ihre Bedeutung für das Bewusstsein und Bewusstseinsstörungen, sowie die Entwicklung künstlicher neuronaler Netzwerke und der Neurorobotik. Diese wissenschaftlichen Themen werden Hand in Hand mit der Forschungsinfrastruktur EBRAINS entwickelt. Für neurowissenschaftliche Fragen profitieren Forscher zunehmend von den vielfältigen Methoden, die bei EBRAINS nahtlos ineinandergreifen. EBRAINS stellt Forschern schon heute ein breites Spektrum ausgereifter Dienstleistungen, Ressourcen und Technologien bereit. Über ein Webportal erhalten Wissenschaftler Zugriff auf die bisher umfassendste Datenbasis zum menschlichen Gehirn, sowie direkt darauf aufsetzende leistungsstarke, digitale Werkzeuge, etwa für Simulation oder KI-basierte Analysemethoden. Auch extrem hochauflösende 3D-Hirnatlanten, speziell für Neurowissenschaftler entwickelte Supercomputing-Verfahren und vom Gehirn inspirierte, „neuromorphe“ Computer gehören zu den Angeboten. Die Wissenschaftslandschaft rund um Neurowissenschaften, Computing und Technologie soll sich dadurch nachhaltig verändern. “Wir brauchten das ganze Spektrum an neurowissenschaftlichen Disziplinen, um der Komplexität des Gehirns gerecht zu werden, und permanente Abstimmung mit den Ingenieuren, um passgenaue technische Lösungen für die Wissenschaftler zu entwickeln“, sagt Prof. Katrin Amunts vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1) am Forschungszentrum Jülich. Die bisherigen Erfolge des Projekts schlagen sich in mehr als 1200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und einer schnell wachsenden Zahl an Nutzern und Partnern nieder. In der Abschlussphase des HBP werden auch die entscheidenden organisatorischen Schritte gemacht, um die Infrastruktur für eine eigenständige Zukunft aufzustellen. So wurde die EBRAINS AISBL in Brüssel gegründet, eine non-profit Organisation nach belgischem Recht, die die Koordination von der Schweizer Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), übernehmen wird. Als Gründungs-CEO konnte ein erfahrener Experte für EU-Forschungsfragen innerhalb der Europäischen Kommission gewonnen werden: Paweł Świeboda kam im Mai 2020 von seinem Posten als stellvertretender Direktor und Leiter des Bereichs Forschung am European Political Strategy Center, eines internen Thinktanks, der die Kommission in strategischen Fragen berät, um die Infrastruktur zu führen. Im Juni wurde er darüber hinaus als neuer Generaldirektor des HBP bestätigt.
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