Datengesteuertes, harmonisiertes Klassifizierungssystem für Myelodysplastische Syndrome vorgestellt

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Für Myelodysplastische Syndrome (MDS) existieren eine Klassifikation der WHO und die International Consensus Classification 2022.

Wie Wissenschaftler um Erstautor Prof. Rami S. Komrokji erläutern, verbessern diese Klassifikationen die diagnostische Präzision und verfeinern die Entscheidungsprozesse. Allerdings bestünden noch einige Diskrepanzen, die möglicherweise zu Inkonsistenzen bei ihrer Anwendung in einem klinischen Setting führten.

Um diese beiden Klassifizierungssysteme zu harmonisieren, wählten die Autoren einen datengesteuerten Ansatz. Was bedeuten genomische Merkmale und wie wirken sie sich auf den Prozess der Zuordnung zu einem Cluster aus? Diesen Fragen gingen die Autoren nach, um harmonisierte Entitätsbezeichnungen zu definieren.

Um morphologisch definierte Kategorien ohne eindeutiges genomisches Profil zu harmonisieren, wurde ein Gremium gebildet. Beteiligt waren Experten für Hämatologie, Hämatopathologie und Datenwissenschaftler, die Mitglieder des Inter­national Consortium for Myelodysplastic Syndromes sind. Es folgte ein modifizierter Delphi-Konsens­prozess. So traf sich das Gremium regelmäßig online und nahm mithilfe eines Online-Abstimmungstools an einer 2-stufigen Umfrage teil.

Merkmale der drei wichtigsten Cluster

Auf diese Weise hätten die Wissenschaftler 9 Cluster mit unterschiedlichen genomischen Merkmalen identifizieren können, berichten Komrokji et al. Als Merkmal für das Cluster mit der höchsten hierarchischen Bedeutung nennen sie die biallelische TP53-Inaktivierung. Die Clusterzuordnung erfolgte unabhängig von der Blastenzahl. Personen mit monoallelischer TP53-Inaktivierung wurden anderen Clustern zugewiesen.

In hierarchischer Hinsicht umfasste die 2.-wichtigste Gruppe MDS mit del(5q). Isoliertes del(5q) und <5 % Blastenzellen im Knochenmark nennt das Team als die wichtigsten die Bezeichnung definierenden Merkmale. Das 3.-wichtigste Cluster umfasste MDS mit mutiertem SF3B1. Das Fehlen von isoliertem del(5q), del(7q)/-7, abn3q26.2, eines komplexen Karyotyps, RUNX1-Mutationen oder biallelischem TP53 waren die Grundlage für eine harmonisierte Bezeichnung dieser Kategorie.

Morphologisch definierte MDS-Entitäten zeigten eine große genomische­ Heterogenität, die nicht effizient durch Ein- oder Mehr­linien-Dysplasie, Knochenmarkblasten, Hypozellularität oder Fibrose erfasst werden konnte. Bei der Untersuchung des biologischen Kontinuums zwischen MDS mit >10 % Knochenmarkblasten und Akuter myeloischer Leukämie fand das Team nur eine teilweise Überlappung der genetischen Merkmale. Nach der Untersuchung wurden MDS mit niedrigen Blasten (d. h. <5 %) und MDS mit erhöhten Blasten (d. h. ≥5 %) als Krankheitsentitäten anerkannt.

„Unser daten­gesteuerter Ansatz kann die aktuellen MDS-Klassifikationen effizient harmonisieren und eine Referenz für die Patientenbehandlung in einem realen Setting bieten“, bilanziert das Team um Seniorautor Prof. Matteo G. Della Porta vom IRCCS Humanitas Research Hospital in Mailand, Italien. (sf)

Autoren: Komrokji RS et al.
Korrespondenz: Prof. Matteo G. Della Porta; [email protected]
Studie: Data-driven, harmonised classification system for myelodysplastic syndromes: a consensus paper from the International Consortium for Myelodysplastic Syndromes
Quelle: Lancet Haematol 2024;11(11):e862–e872.
Web: doi.org/10.1016/S2352-3026(24)00251-5