Defekte Spiegelneurone bei Autismus?13. November 2018 Prof. Ahmed A. Karim, Lehrbeauftragter der SRH Fernhochschule (Foto: SRH Fernhochschule) Dass Gähnen und Lachen ansteckend sein kann, liegt an den Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Inwiefern diese Nervenzellen bei Autisten beeinträchtigt sind und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, hat Prof. Ahmed A. Karim, Lehrbeauftragter der SRH Fernhochschule Riedlingen zusammen mit einem internationalen Forscherteam aus Deutschland, Frankreich und Australien untersucht. In den 1960er-Jahren entdeckte der italienische Gehirnforscher Giacomo Rizzolatti die Spiegelneurone in den Gehirnen von Affen, die immer dann aktiv werden, wenn wir eine bestimmte Mimik sehen oder selbst zeigen. „Unsere Fähigkeit, Emotionen von Gesichtsausdrücken nicht nur zu erkennen, sondern auch nachzuempfinden, ist eine wichtige Voraussetzung für Empathie und angemessene soziale Interaktionen,“ erklärte Karim. Bei Menschen mit Autismus ist diese Fähigkeit jedoch häufig beeinträchtigt. „Kinder, die unter bestimmten Formen von Autismus leiden, vermeiden es, in die Gesichter von anderen zu schauen, sogar in das Gesicht der eigenen Mutter. Auch als Erwachsene haben Autisten oft Schwierigkeiten, Emotionen anhand von Gesichtsmimik zu erkennen,“ sagte Karim weiter. Die Studie „Social decision making in autism: On the impact of mirror neurons, motor control and imitative behaviors“, hat nun gezeigt, wie verschiedene Unterformen von Autismus erkannt und therapiert werden können. Manche Patienten, die unter Asperger-Autismus leiden, vermeiden es zum Beispiel, während der Kommunikation in das Gesicht des Gegenübers zu schauen, und haben erhebliche Schwierigkeiten damit, von der gezeigten Mimik die entsprechenden Emotionen zu erkennen. Die Arbeitsgruppe um Karim hat hierfür computerbasierte Tests entwickelt, die standardisiert messen können, wie gut Asperger-Patienten Emotionen aus Gesichtsausdrücken erkennen können. „Es gibt Patienten, die Emotionen zwar anhand der Mimik erkennen können, aber selbst keine emotionale Mimik zeigen. Bei einer weiteren Unterform von Autismus haben Patienten Defizite in der Wahrnehmung von Temperatur oder zeigen stereotype rigide Verhaltensweisen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass jede Unterform mit bestimmten neurobiologischen Veränderungen im Gehirn einhergehen,“ erklärte Karim. Das Fazit der Studie: „Das menschliche Gehirn ist plastisch veränderbar und durch entsprechendes Training können diese Defizite sowohl in den Spiegelneuronen als auch auf Verhaltensebene deutlich gelindert werden. Das haben wir bei vielen unseren Patienten erlebt. Daher gilt es für die weitere Forschung, die diversen Unterformen von Autismus intensiv zu analysieren. Je besser wir die Pathophysiologie dieser Unterformen verstehen, umso mehr können wir künftig maßgeschneiderte Therapien entwickeln,“ erklärte Karim. Originalpublikation: Khalil R. et al.: Social decision making in autism: On the impact of mirror neurons, motor control, and imitative behaviors. CNS Neurosci Ther 2018;24(8):669-676.
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