DEGAM warnt vor kardiologischer Überdiagnostik17. Juni 2024 Symbolfoto: ©Svitlana/stock.adobe.com Die DEGAM begrüßt die im Januar getroffene G-BA-Entscheidung, dass die nichtinvasive CCTA bei Verdacht auf chronische KHK Kassenleistung werden soll. Das neue diagnostische Verfahren dürfe aber nicht als Add-on eingesetzt werden, warnt die Fachgesellschaft. Deutschland ist weltweit führend in der invasiven Diagnostik von kardiologischen Erkrankungen – allerdings ohne eine messbare Verbesserung der Herzgesundheit, wie die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in einer aktuellen Mitteilung betont. Am 18. Januar 2024 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass die nichtinvasive koronare Computertomografie (CT-Koronarangiografie/CCTA) bei Verdacht auf chronische/stabile koronare Herzkrankheit (KHK) auch ambulant Kassenleistung werden soll (wir berichteten). Der Beschluss wurde am 26. April im Bundesanzeiger veröffentlicht und trat somit in Kraft. „Die Entscheidung ist nachvollziehbar“, lobt die DEGAM den Schritt. Die Untersuchungsqualität sei im Vergleich zu invasiven Koronarangiografien bei CCTA mindestens gleichrangig, außerdem gebe es weniger Komplikationen. Strahlenbelastung gebe es jedoch bei beiden Verfahren. „Die Entscheidung des G-BA kann zu einer echten Weichenstellung in der Koronar-Diagnostik werden. Damit können wir neue Versorgungswege beschreiten, die nicht zwangsläufig über das invasive Katheterlabor führen müssen“, kommentiert Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM. „Allerdings kann es sich in zwei Richtungen entwickeln: Entweder wird die CCTA als Add-on zusätzlich zum Herzkatheter eingesetzt (wie in Dänemark zu beobachten) oder die CCTA ersetzt zunehmend die invasive Koronarangiografie (wie in England). Das dänische Beispiel sollte Warnung für uns sein, die bereits jetzt bestehende Überdiagnostik nicht weiter zu verstärken. Andernfalls wird sich die gegenwärtige Unterversorgung im Bereich von anderen und insbesondere rasch zugänglichen kardiologischen Leistungen weiter verschlechtern.“ Prof. Erika Baum, Pastpräsidentin der DEGAM, ergänzt: „Bisher wird nur in 25 Prozent der Fälle ein nichtinvasives Verfahren gemäß den aktuellen Leitlinien angewendet, wie auch die Studie ENLIGHT kürzlich gezeigt hat. Damit wird erneut deutlich: Im Bereich der Koronarangiografien leistet sich Deutschland eine klare Überversorgung – das bindet Ressourcen und gefährdet die Patientensicherheit, auch in Hinblick auf den Strahlenschutz.“ Die Diagnostik und Therapie von KHK liegt an der Schnittstelle von Kardiologie und hausärztlicher Praxis. Die DEGAM verweist auf ihre langjährigen Anstrengungen, „die Versorgung der Herzpatientinnen und -patienten zielgerichteter anzulegen und gleichzeitig die bestehende Überdiagnostik abzubauen“, wie es in der Mitteilung heißt. Das Thema wurde auch in ihrer Leitlinie „Schutz vor Über- und Unterversorgung“ aufgegriffen. Eigenen Angaben zufolge hatte die DEGAM im vergangenen Herbst an Anhörungen im G-BA teilgenommen. „Die hohe Zahl der Koronarangiografien in Deutschland ist – vor allem im internationalen Vergleich – medizinisch nicht zu erklären“, betont Präsidiumsmitglied Dr. Günther Egidi, der das Thema innerhalb der DEGAM federführend begleitet. „Mit dem nichtinvasiven Verfahren haben wir eine neue Option, die Versorgung zu verbessern. Dabei ist es unsere Aufgabe als Hausärzte, im Sinn des Strahlenschutzes dafür zu sorgen, dass die Patientinnen und Patienten nach CCTA nicht routinemäßig auch noch einen Herzkatheter bekommen. Die ambulante CCTA soll für Betroffene mit intermediärem Risiko (Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 und 50 Prozent) und ohne Kontraindikationen zum Goldstandard werden – wie es auch in der Nationalen VersorgungsLeitlinie steht.“ Für Hausärztinnen und Hausärzte sei – neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung – der Marburger Herz-Score ein wichtiges Instrument, um die betroffenen Patientinnen und Patienten mit mittlerem KHK-Risiko zu identifizieren, erläutert die Fachgesellschaft.
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