Degenerative Netzhauterkrankungen: Internationale Auszeichnung für Bonner Augenforscherin17. Juni 2026 Kristina Pfau erforscht neue Verfahren zur frühzeitigen Erkennung degenerativer Netzhauterkrankungen. Für ihre Arbeiten wird sie mit dem Career Development Award der Foundation Fighting Blindness ausgezeichnet.Foto:©Aljoscha Haupt/Universitätsklinikum Bonn Die Bonner Augenärztin PD Dr. Kristina Pfau von der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) erhält eine Förderung für ihre Forschung zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen. Im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes von Pfau stehen neue Verfahren zur Früherkennung degenerativer Netzhauterkrankungen wie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Für ihre Arbeiten erhält sie nun den renommierten Career Development Award der US-amerikanischen Foundation Fighting Blindness, einer privaten Förderorganisation für die Erforschung von Netzhauterkrankungen. Darüber hinaus ist Pfau mit der Auszeichnung die erste deutsche Ärztin, die diesen international angesehenen Award erhält. Die AMD zählt zu den häufigsten Ursachen schwerer Sehbehinderung weltweit. Seltene erbliche Netzhautdystrophien wie Pseudoxanthoma elasticum (PXE) können sich ähnlich verhalten wie die AMD und bereits in jüngerem Lebensalter auftreten. Ein zentrales Problem in Forschung und Versorgung besteht darin, dass verfügbare Funktionstests Krankheitsveränderungen im frühen und mittleren Stadium oft nicht ausreichend sensitiv erfassen. Viele Betroffene berichten jedoch über Sehprobleme bei Dunkelheit oder in dämmrigen Umgebungen. Dies geschieht oft lange bevor sich Veränderungen mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden zuverlässig nachweisen lassen. Früherkennung von Netzhautdegeneration mit maßgeschneiderten Dunkeladaptationstests Pfaus Forschungsprojekt setzt genau hier an. Es verfolgt zwei eng miteinander verknüpfte Ziele: Erstens die Entwicklung und Validierung praxistauglicher Dunkeladaptationsprotokolle für die AMD. Das sind Tests, die zuverlässig frühe Funktionsverluste erkennen. Dabei sind sie jedoch deutlich kürzer und somit für Patienten weniger belastend. Zudem soll eine genomweite Untersuchung genetischer Modifikatoren erfolgen, die den Verlauf der Augenerkrankung bei PXE unabhängig vom bekannten Hauptgen ABCC6 beeinflussen. Dadurch könnten potenziell direkte Ansatzpunkte für die Entwicklung zielgerichteter Therapien geliefert werden. Die übergeordnete wissenschaftliche Hypothese ist, dass beide Erkrankungen, AMD und PXE, eine gemeinsame Sequenz von Funktionsveränderungen teilen. Dies reicht von einer verlangsamten Dunkeladaptation über den Verlust der Stäbchen-Photorezeptoren-Funktion bis hin zur Beeinträchtigung der Zapfen-Photorezeptoren. Dieses Verständnis könnte nicht nur frühere Diagnosen ermöglichen. Es kann auch die Entwicklung neuer Therapien sowie zukünftige klinische Studien entscheidend voranbringen. Bedeutende Förderung in der Netzhautforschung Der Career Development Award der Foundation Fighting Blindness zählt zu den renommiertesten internationalen Förderprogrammen im Bereich der Netzhautforschung. Er richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit dem Potenzial, die Erforschung von Netzhauterkrankungen nachhaltig voranzubringen. Die Förderung unterstützt Pfau über einen Zeitraum von fünf Jahren mit insgesamt 375.000 US-Dollar bei der Umsetzung ihres Forschungsprogramms am Universitätsklinikum Bonn. „Die Auszeichnung durch die Foundation Fighting Blindness ist eine außergewöhnliche Würdigung der wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Pfau und zugleich ein starkes Signal für die internationale Sichtbarkeit der Bonner Augenheilkunde. Mit ihrem Forschungsprojekt adressiert sie eine zentrale Frage der Netzhautmedizin: Wie können wir Erkrankungen früher erkennen, bevor irreversible Schäden entstehen? Die Verbindung aus klinischer Expertise, methodischer Innovation und internationaler Vernetzung macht sie zu einer herausragenden Wissenschaftlerin auf diesem Gebiet. Wir freuen uns sehr, dass sie diese Forschung am Universitätsklinikum Bonn weiter vorantreibt“, so Prof. Frank G. Holz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Bonn. Im Rahmen des geförderten Projekts entwickelt und untersucht Pfau neue Verfahren zur frühzeitigen Erkennung degenerativer Netzhauterkrankungen. Ziel ist es, Funktionsverluste der Netzhaut bereits in frühen Krankheitsstadien zuverlässig nachweisen zu können. Damit kann die Entwicklung neuer Therapien sowie klinischer Studien unterstützt werden. „Ich bin zutiefst dankbar für das Vertrauen der Foundation Fighting Blindness. Viele unserer Patientinnen und Patienten bemerken Veränderungen in ihrem Sehen – vor allem nachts oder in dämmrigen Umgebungen – lange bevor die Routineuntersuchungen etwas zeigen. Genau diese Lücke möchte ich mit meiner Forschung schließen“, erklärt Pfau, Oberärztin und Leiterin des klinischen Studienzentrums der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Bonn.
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