Dekompensierte Leberzirrhose: Neuer Risiko-Score mit Adolf-Kußmaul-Preis gewürdigt

Übergabe des Adolf-Kußmaul-Preises 2023 an PD Dr. Dominik Bettinger (links) durch Dr. Lara Gnügge von der Falk Foundation e.V. (© Falk Foundation e.V.)

Für seine wissenschaftliche Arbeit zu einem neuen Risiko-Score für Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose ist PD Dr. Dominik Bettinger, Oberarzt und wissenschaftlicher Leiter der Sektion TIPS am Universitätsklinikum Freiburg, mit dem Adolf-Kußmaul-Preis 2023 ausgezeichnet worden.

Bettinger erhielt den von der Falk Foundation e.V. gestifteten und mit 5000 Euro dotierten Preis im Rahmen der 33. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Gastroenterologie in Ludwigsburg.

Für Patienten mit portaler Hypertension und damit assoziierten Komplikationen ist die Implantation eines Transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) ein effektiver interventioneller Eingriff. In den drei Jahrzehnten seit Einführung dieser Behandlungsmethode ist nicht nur die Implantationstechnik weiterentwickelt worden, auch die Indikationen haben sich deutlich verändert: Ist TIPS früher bevorzugt zur Sekundärprophylaxe von Ösophagusvarizenblutungen eingesetzt worden, sind es heute mit einem Anteil von bis zu 69 Prozent Patienten mit refraktärem Aszites. [1,2]

Das bedeutet: Die Betroffenen befinden sich in einem in Vergleich zu früher oft weit fortgeschrittenen Stadium der Leberzirrhose. Daher ist es für die Indikationsstellung wichtig einzuschätzen, inwiefern Patienten tatsächlich von der Anlage eines Shunts profitieren oder ob die frühe Lebertransplantation in Betracht gezogen werden sollte.

FIPS zur individuellen Einschätzung der Prognose

Bettinger und sein Team konnten in einer großen nationalen, multizentrischen Beobachtungsstudie mit 1871 Patienten Risikofaktoren für eine erhöhte Mortalität nach Anlage eines TIPS identifizieren.

Mithilfe dieser prognostischen Faktoren entwickelten sie den neuen Risiko-Score FIPS (Freiburg Index of Post-TIPS Survival). Mit FIPS kann die individuelle Prognose vorhergesagt werden, Hochrisiko-Patienten lassen sich zuverlässig identifizieren. Der neue Risiko-Score erwies sich etablierten Prognosemodellen überlegen. [2] Die prognostische Bedeutung von FIPS ist in mehreren unabhängigen Kohorten bestätigt worden. [37] Außerdem erwies sich der neue Risiko-Score als geeignet für die Allokation für eine Lebertransplantation. [8]

Damit leistet FIPS einen wesentlichen Beitrag zur optimierten Patienten-Auswahl und zur hepatologischen Nachsorge bei Betroffenen mit Leberzirrhose und portaler Hypertension.