Den Erfolg der Depressionstherapie vorhersagen2. November 2021 Mithilfe einer Schlaf-EEG-Untersuchung lässt sich das Therapieansprechen auf Antidepressiva vorhersagen. (Foto: ©slayer87 – stock.adobe.com) Schlafveränderungen können als Biomarker für Diagnosestellung und Therapieverlauf psychischer Erkrankungen genutzt werden. Das zeigen aktuelle Forschungsdaten, die auf der 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) präsentiert wurden. Depression gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Zwar existieren verschiedene Behandlungsansätze, jedoch sprechen nicht alle Betroffenen gleichermaßen auf die vorhandenen Therapien an. Bei den meisten Behandlungsoptionen ist der Therapieerfolg nicht sicher und tritt erst nach mehreren Wochen ein. Forscher sind nun auf der Suche nach verlässlichen Biomarkern, die frühzeitig Hinweise auf die am besten geeignete und erfolgversprechendste Therapieform bieten könnten. Nun haben Forschende Hinweise darauf gefunden, dass sich im Schlaf Indikatoren für die jeweilige Depressionsform finden lassen. Besonders interessant sind hier die in der Depression veränderten REM-Schlaf-Parameter. So zeigen Menschen nach belastenden Lebensereignissen häufig mehr REM-Schlaf beziehungsweise der REM-Schlaf tritt früher in der Nacht auf. Diese möglichen Zusammenhänge zwischen REM-Schlaf-Regulation und der Behandlung depressiver Erkrankungen untersuchte eine Studie des Schlaflabors des Zentrums für Integrative Psychiatrie Kiel. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Patientinnen und Patienten mit einer scheinbar ausgeprägteren Fehlregulation des Traumschlafs besser auf Antidepressiva ansprechen, während Personen mit scheinbar besserer REM-Regulation tendenziell mehr von der psychotherapeutischen Behandlung profitierten“, berichtet Dr. Julia Lechinger, Diplompsychologin und an dieser Studie beteiligte wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie hofft, dass die Studienergebnisse einen Beitrag in Richtung personalisierter Medizin liefern können, um dadurch perspektivisch den Erfolg der Depressionsbehandlung zu verbessern. Diese Hoffnung teilt auch PD Dr. Thorsten Mikoteit. Er ist an einer aktuellen Untersuchung zur präzisen Steuerung einer Antidepressiva-Therapie beteiligt. „Wenn man eine Depression mit einem Antidepressivum behandelt, muss man in der Regel vier bis fünf Wochen abwarten, bis klar ist, ob eine Response oder eine Non-Response vorliegt. Andererseits liegt die Ansprechrate nur bei 50 Prozent. Für Non-Responder bedeutet das einen Therapiewechsel nach vier Wochen mit wiederum Wartezeit und ungewissem Ausgang. Mit einer Schlaf-EEG-Untersuchung nach einer Woche Therapie lässt sich anhand der Präfrontalen Theta-Cordance im REM-Schlaf (PTC-R) zuverlässig das Therapieansprechen vorhersagen“, erklärt der Leitende Arzt der Psychiatrischen Dienste und des Schlafmedizinischen Zentrums der Solothurner Spitäler AG. Seine Studie ergab, dass durch die biomarkergeleitete Therapie die Rate der Therapieversager signifikant reduziert werden konnte. Die Präfrontale Theta Cordance ist ein Biomarker, der bereits nach einer Woche das Ansprechen auf eine Antidepressivatherapie zuverlässig vorhersagt. So ist es möglich, ungünstige Verläufe zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu identifizieren und durch sofortige Änderung der Therapie ein Nicht-Ansprechen auf die Therapie zu vermeiden.
Mehr erfahren zu: "Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei" Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei Multiple Sklerose wird durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus mitverursacht. Daneben spielen aber auch bestimmte Genvarianten eine wichtige Rolle. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, führt erst das molekulare Zusammenspiel […]
Mehr erfahren zu: "Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet" Projekt für Umgang mit psychisch belasteten Schülern startet Verhaltensauffälligkeiten nehmen auch im Schulalltag zu. Nach langer Planung startet in Sachsen nun ein Projekt, das Lehrkräfte sowie Schulleitungen entlasten soll.
Mehr erfahren zu: "Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken" Pandemie-Folgen: Tausende Teenager mit Angststörungen und Panikattacken Auch mehrere Jahre nach Ende der Corona-Pandemie prägt diese Zeit noch Tausende Teenager in Baden-Württemberg in Form psychischer Erkrankungen.