Depression und Suizidgefahr im Alter oft nicht erkannt

Etwa 35  Prozent aller Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Um ambulante Altenpflegekräfte und pflegende Angehörige für das Thema Altersdepression und Umgang mit Suizidalität zu sensibilieren und zu stärken, entwickelt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ein spezielles E-Learning-Programm zum Thema.

Fast 90 Prozent der jährlich circa 10.000 Suizide und 150.000 Suizidversuche in Deutschland erfolgen vor dem Hintergrund einer oft nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung, am häufigsten einer Depression. Mehr als ein Drittel der Suizide werden von Menschen über 65 verübt. Deshalb ist eine Aufklärung über die Erkrankung Depression und die Suizidprävention für diese Zielgruppe besonders wichtig. Ambulanten Pflegekräften und pflegenden Angehörigen kommt hier eine große Bedeutung zu, da 73 Prozent der 2,9 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden und die Pflegekräfte oft der einzige regelmäßige Ansprechpartner sind.

Suizidraten (je 100.000 Einwohner) in Deutschland 2015 Quelle: Todesursachenstatistik, Statistisches Bundesamt; www.gbe-bund.de, Zugriff April 2018

Online-Training hilft Pflegekräften im Umgang mit Depression und Suizidgedanken bei Senioren

Trainings von Pflegekräften zu den Themen Depression und Suizidalität im Alter haben sich in mehreren Studien als wirksam erwiesen. Hier setzt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe an und entwickelt aufgrund des eng getakteten Zeitplans in der Pflege ein kostenfreies, orts- und zeitunabhängig durchführbares E-Learning-Tool. Das circa zweistündige Programm vermittelt Wissen, zeigt erste Handlungsmöglichkeiten bei Verdacht auf Depression und Suizidalität auf und stellt in Videosequenzen den Umgang mit depressiv Erkrankten im Pflegealltag exemplarisch dar. Ziel ist es, durch die Schulung von Altenpflegekräften und pflegenden Angehörigen das Erkennen von Depression bei älteren Pflegebedürftigen zu erleichtern sowie Sicherheit im Umgang mit depressiv Erkrankten und Suizidalität zu fördern. Zudem werden Informationen zu Anlaufstellen vermittelt, wo betroffenen Senioren professionelle Hilfe finden.

Das E-Learning-Tool wird derzeit entwickelt und geht 2019 in die erste Erprobungsphase. Nach dieser Pilotphase soll das Tool noch einmal optimiert und an die Alltagsanforderungen in der Pflege angepasst werden. Es wird dann von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe kostenfrei für ambulante Pflegekräfte (auch mit Fortbildungszertifikat) und ebenso für pflegende Angehörige zur Verfügung gestellt.

„Bei Senioren wird die Depression noch häufiger als bei jüngeren Menschen übersehen. Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühl werden oft nicht als Ausdruck einer eigenständigen schweren Erkrankung gesehen, sondern als nachvollziehbare Folge auf die Bitternisse des Alters oder Ausdruck körperlicher Begleiterkrankungen fehlinterpretiert“, erklärte Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe das Problem.

Zudem kann die Depression durch Sprech- und Denkhemmungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen. Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Angehörige und Pflegekräfte Sorge tragen, dass der Erkrankte so schnell wie möglich ärztliche Hilfe erhält.

Depressionen sind auch im Alter mit Antidepressiva und Psychotherapie gut behandelbar. „Die Behandlung mit Antidepressiva ist allerdings etwas schwieriger, u. a. wegen der häufigen weiteren Medikamente, die die Patienten einnehmen und möglicher Medikamentenwechselwirkungen. Psychotherapie ist sinnvoll, wird aber älteren depressiv erkrankten Menschen nur äußerst selten angeboten“, so Hegerl.

Pflegedienste, die Interesse haben, das E-Learning-Tool zu Depression im Alter vorab im Pilotprojekt zu nutzen und Verbesserungsvorschläge einzubringen, können sich an die Projektkoordinatorin Anne Elsner (anne.elsner@medizin.uni-leipzig.de, 0341/9724472) wenden. An der Pilotstudie teilnehmen können ambulante Pflegedienste in ganz Deutschland.

Quelle
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
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